Niederrohrdorf
«Die Jugendarbeit will wieder stärker am Puls der Oberstufe sein»

Obwohl rund 300 Schüler das neue Oberstufenzentrum in Niederrohrdorf besuchen, halten sich die Jugendlichen in ihrer Freizeit kaum dort auf. Der Grund: Es fehlt ihnen an attraktiven Angeboten. Jetzt reagiert die Offene Jugendarbeit Region Rohrdorferberg Mojuro.

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Die offene Jugendarbeit Region Rohrdorferberg Mojuro führte eine Sozialraumanalyse in Niederrohrdorf durch. Dafür wurden 81 Oberstufenschüler mündlich und schriftlich befragt
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Offene Jugendarbeit Region Rohrdorferberg Mojuro
Oberstufenschüler auf ihrem Schulweg in Niederrohrdorf
Jonas Werder, Jugendarbeiter bei der Mojuro, hat im Rahmen seines Studiums die Sozialraumanalyse in Niederrohrdorf durchgeführt

Die offene Jugendarbeit Region Rohrdorferberg Mojuro führte eine Sozialraumanalyse in Niederrohrdorf durch. Dafür wurden 81 Oberstufenschüler mündlich und schriftlich befragt

zvg

Seit das neue Oberstufenzentrum in Niederrohrdorf im August 2015 seinen Betrieb aufgenommen hat, gehen dort rund 300 Bezirks-, Sekundar- und Realschüler aus Bellikon, Ober- und Niederrohrdorf sowie Remetschwil ein und aus. Doch verbringen die Jugendlichen dadurch auch mehr Zeit am neuen Kreisschulstandort?

Die offene Jugendarbeit Region Rohrdorferberg Mojuro wollte es genauer wissen und führte im Zeitraum zwischen Mai und Oktober 2016 eine Sozialraumanalyse in Niederrohrdorf durch. Hintergrund: Vor der Eröffnung des Oberstufenzentrums suchten viele Schüler die «Mojuro»-Anlaufstelle in Oberrohrdorf auf. «Mit der Verlegung der Oberstufe von Ober- nach Niederrohrdorf hat sich das geändert. Die Laufkundschaft bleibt praktisch aus», sagt Jugendarbeiter Jonas Werder. Die Sozialraumanalyse sollte Aufschluss geben, wie sich die Jugendlichen in Niederrohrdorf bewegen, wo sie sich aufhalten und welche Bedürfnisse sie haben. Dafür wurden 81 Schüler aus Bez-, Sek- und Realstufe zwischen 12 und 16 Jahren befragt (siehe Kontext).

Die Resultate wurden nun im aktuellen «Mojuro»-Geschäftsbericht publiziert. Es zeigt sich: Die Jugendlichen halten sich in der Freizeit vor allem im Freundeskreis in ihrer Wohngemeinde am Rohrdorferberg auf. «Uns hat verblüfft, dass sich die Schüler generell sehr wenig im öffentlichen Raum in Niederrohrdorf aufhalten», sagt Werder. Und wenn, dann sei es unmittelbar vor und nach der Schule oder während der Mittagspause. «Dabei bewegen sich die Jugendlichen vor allem entlang der Bremgartenstrasse, beim Coop oder an der Bushaltestelle Dorfplatz», führt der Jugendarbeiter aus. Vereinzelt seien auch einige Bänke am Waldrand oder Vereinslokalitäten genannt worden.

So ticken Jugendliche am Rohrdorferberg

Die Sozialraumanalyse der offenen Jugendarbeit Region Rohrdorferberg Mojuro basiert auf schriftlichen und mündlichen Befragungen. Daran teilgenommen haben 81 Schüler (63 Prozent Knaben, 37 Prozent Mädchen) des Oberstufenzentrums Niederrohrdorf zwischen 12 und 16 Jahren. Die Analyse ergab, dass:

- 82 Prozent der 15- und 16-Jährigen oft oder ab und zu nach Baden gehen. Bei den 12- bis 14-Jährigen sind es 21 Prozent.

- rund 60 Prozent in einer Vereinsstruktur eingebunden sind.

- 50 Prozent selten oder nie neue Leute kennenlernen. Das lässt darauf schliessen, dass Jugendliche vor allem mit ihrem Freundeskreis unterwegs sind.

- bei 82 Prozent der Befragten der Konsum von Cannabis überhaupt kein Thema ist.

- rund 82 Prozent selten oder nie Alkohol konsumieren.

- die Oberstufenschüler die meisten Konflikte mit anderen Jugendlichen erleben (40 Prozent).

- 75 Prozent selten oder nie Probleme mit Erwachsenen haben.

- rund 80 Prozent noch nie Kontakt mit dem Sicherheitsdienst oder der Polizei hatten.

- 31 Prozent der Knaben Gründe für Konflikte im öffentlichen Raum beim verursachten Lärm sehen. Weibliche Befragte bewerten das Problem Lärm als grösser (73 Prozent).

- bei 42 von 48 Knaben gilt hinterlassener Müll kaum als Problem, 57 Prozent der Mädchen widersprechen dieser Einschätzung.

- Sachbeschädigung bei nur 27 Prozent der Knaben eine Rolle bei Konflikten spielt. Weibliche Befragte schätzen mit 64 Prozent das Problem höher ein. (ces)

Attraktive Angebote fehlen

Einen Grund, weshalb sich die Jugendlichen vor allem in ihrer Wohngemeinde aufhalten, sei, dass es in Niederrohrdorf kaum Angebote gebe, die attraktiv genug sind, sagt Werder. Auch würden sich die Oberstufenschüler nicht so wohl fühlen. Dies, weil sich in ihren Augen die Erwachsenen ihnen gegenüber wenig tolerant zeigen würden. So verwundert es nicht, dass sich rund 80 Prozent der Befragten mehr Plätze für ihre Gruppe im öffentlichen Raum wünschen, an denen sie sich ungestört unterhalten können. «Zudem wurde bemängelt, dass es in Niederrohrdorf keinen Jugendraum gibt.»

Die Ergebnisse der Sozialraumanalyse haben die «Mojuro» dazu veranlasst, ihr Angebot zu überdenken. «Unser Ziel ist, wieder stärker am Puls der Oberstufe zu sein», sagt Werder. Ein sogenannter «Bauwagen», der von Sommer bis Herbst auf dem roten Platz bei der Kreisschule stehen wird, soll das fehlende Angebot in Niederrohrdorf kompensieren. In diesem können sich Jugendliche künftig mittwochnachmittags und freitagabends bis 21.30 Uhr treffen, unterhalten und unter sich sein. Das Bewilligungsverfahren für den «Bauwagen» ist zwar noch am Laufen, doch die «Mojuro» ist guten Mutes, dass das Projekt auf Zuspruch stösst. Darüber hinaus ist sich das Team einig, die Anlaufstelle von Oberrohrdorf nach Niederrohrdorf zu verlegen. «Dies käme allen Schülerinnen und Schülern der vier Gemeinden zugute», sagt Jonas Werder. Wann der Umzug geschehen soll, ist offen: Noch hat die «Mojuro» keine geeigneten Räume gefunden.