Wettingen

Die Kinder sind auf Insektensuche in Wald und Feld

Es kreucht und fleucht rund um den Forstwerkhof Eigi – Tag der Artenvielfalt diesmal am Fuss der Lägern. Es gab zum Teil merkwürdige Szenen.

Rund um den Forstwerkhof Eigi in Wettingen sind am Wochenende merkwürdige Szenen zu beobachten: Kleine Gruppen von Menschen ziehen quer durch Feld und Wald, bewaffnet mit Sonnenhut und Feldstecher. Am Samstagnachmittag werden sogar zwei Handvoll Menschen gesichtet, von denen jeder einen Kescher, das heisst ein Insektenfangnetz, bei sich trägt.

Gleichzeitig ziehen unten am Waldrand fünf ältere Herren vorbei, alle mit Notizblatt ausgestattet. Sie sind Experten, die während 24 Stunden so viele Arten wie möglich aufzeichnen.

«Man kann nur schützen, was man kennt», zitiert Lukas Kammermann vom Naturama Aargau den Insektenkundler Edward Wilson. Darum organisiert das Naturama jedes Jahr an einem anderen Ort im Aargau diesen «Tag der Artenvielfalt». «Wir wollen der Öffentlichkeit zeigen, welche grosse Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten wir im Aargau finden», sagt Kammermann. Nicht nur die Experten werden nach diesen zwei Tagen wissen, was am Fuss der Lägeren kreucht und fleucht, sondern auch ein Teil der Bevölkerung – dank Exkursionen und Informationsständen. «Bei einem Bauer haben wir ein Rauchschwalbenpärchen gesichtet», sagt Beat Eichenberger. Er ist als Vogelexperte unterwegs und erkennt die Stimmen der verschiedenen Vögel. «Haben Sie gehört? Das war ein Schwarzspecht.»

Nun ist es so weit: Kinder und grosse Neugierige schwärmen mit ihren Keschern aus, um den schönsten Schmetterling zu erwischen. Sie streichen durchs hohe Gras, wagen sich ins Brennnesselgebüsch. Es dauert keine halbe Stunde, bis eine beachtenswerte Sammlung von «Krabbeltieren» vorliegt. Georg Artmann entführt seine Zuhörer in die Welt der Heuschrecken, Wanzen und Fliegen: «Das Grüne Heupferd hat lange Fühler, habt ihr gesehen?» Am Waldrand zeigt er auf einen Käfer, der in allen Regenbogenfarben metallisch glänzt. «Das ist ein Hohlzahnblattkäfer – der heisst so, weil er nur auf den Blättern des Hohlzahnes lebt.» Und am Weiher entdecken sie die Plattbauchlibelle, die friedlich ihre Kreise zieht.

Irgendwann will eines der Kinder wissen: «Ist diese Art schädlich?» – «Nein», gibt Georg Artmann postwendend zurück. «Die einzige Art, die schädlich ist, ist jene, zu der ich gehöre.» Viele Tier- und Pflanzenarten sind aufgrund der menschlichen Zerstörungskraft schon vom Planeten Erde verschwunden. Doch eines ist gewiss: Nach diesen zwei Tagen werden einige Menschen anders durch den Wald spazieren. Deren Sinne sind für die Geheimnisse der Natur geschärft. Sie werden nicht vergessen, welche vielfältigen Farben und Formen es draussen zu entdecken gibt.

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