Kirchdorf
Die Kirche ist nicht mehr im Dorf: Alle elf Pfarreiräte treten zurück

Kein Pfarrerersatz und drohende Bedeutungslosigkeit der Pfarrei führen zu Abgängen. Die Kirche gab dem Ort einst seinen Namen. Doch nun werde Kirchdorf den Status einer selbstständigen Pfarrei wohl verlieren, befürchten die abtretenden Mitglieder des Pfarreirates.

Pirmin Kramer
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Die Kirche gab dem Ort einst seinen Namen. Doch nun werde Kirchdorf den Statuseiner selbstständigen Pfarrei wohl verlieren, befürchten die abtretenden Mitglieder des Pfarreirates. AZ-Archiv/Zambelli

Die Kirche gab dem Ort einst seinen Namen. Doch nun werde Kirchdorf den Statuseiner selbstständigen Pfarrei wohl verlieren, befürchten die abtretenden Mitglieder des Pfarreirates. AZ-Archiv/Zambelli

Angelo Zambelli

Die Kirchdorfer Kirche existiert gemäss Historischem Lexikon der Schweiz schon seit dem 9. Jahrhundert; sie war für die Menschen einst so wichtig, dass sie das Dorf nach ihr benannten. Aus der Pfarrei gibt es nun überraschende Neuigkeiten: Alle elf Mitglieder des Pfarreirats haben ihren Rücktritt per Ende Jahr bekannt gegeben. Einige langjährige Vertreter hatten das Ende ihres Engagements bereits Anfang Jahr angekündigt; andere sehen sich nun aufgrund der verschlechterten Rahmenbedingungen zu diesem Schritt gezwungen.

Der Pfarreirat hatte in den vergangenen Jahren das Pfarreijahr mitgestaltet und umrahmt, Feste organisiert und war vor allem auch beratendes und unterstützendes Gremium des Pfarreileiters. Doch seit der Pensionierung des langjährigen Seelsorgers gebe es leider keine Bezugs- oder Identifikationsfigur mehr in Kirchdorf, heisst es im Rücktrittsschreiben, das in der «Rundschau» publiziert wurde. Pfarreirats-Vizepräsident Karl Halada ergänzt auf Anfrage: «Wir wurden vom Bistum immer wieder vertröstet, doch noch einen vollwertigen Ersatz für den seit zwei Jahren pensionierten Seelsorger zu erhalten. Doch unsere Hoffnungen wurden enttäuscht.» Daran ändert auch nichts, dass vor wenigen Wochen ein neuer priesterlicher Mitarbeiter für die Kirchgemeinde vorgestellt wurde, der vorerst ein Jahr hier arbeiten wird. «Er ist erstens für die gesamte Kirchgemeinde zuständig, also auch für die Pfarreien Nussbaumen und Untersiggenthal; zweitens arbeitet er nur in einem 50-Prozent-Pensum», sagt Halada.

Ein weiterer Grund für den geschlossenen Rücktritt: Die vom Bistum geplanten Pastoralräume werden aus Sicht des Pfarreirats früher oder später zur Folge haben, dass sich die einzelnen Pfarreien aufheben. «Kirchdorf wird den Status einer selbstständigen Pfarrei also verlieren.» Ein Pfarreirat als Apéro-Gruppe genüge den Ansprüchen der Mitglieder nicht. «Wir sehen in naher, mittel- und langfristiger Zukunft bei den jetzigen und absehbaren Rahmenbedingungen keine Perspektiven für eine befriedigende und wirkungsvolle Tätigkeit zugunsten der Pfarrei Kirchdorf.»

Was bedeuten diese Rücktritte nun für die Kirchgemeinde? Martin Egloff, Präsident der Kirchenpflege: «Wir werden versuchen, den Pfarreirat so schnell wie möglich wieder zu besetzen. Gerade in Zeiten, in denen wir nicht mehr für jede Pfarrei einen Seelsorger haben, hat der Pfarreirat grosse Bedeutung. Der Priestermangel ist leider eine Tatsache, die wir nicht ändern können, wir müssen nun das Beste aus der Situation machen.»

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