Es gibt sie als Nationalmannschaft, Bundesligaspieler oder in blanko zum Selbstbemalen, die etwa sechs Zentimeter hohen Tipp-Kick-Männchen. Mit ihren auf Knopfdruck reagierenden Metallfüssen treten sie gegen einen zwölfeckigen Ball und diesen damit bestenfalls in das gegnerische Tor. Die «Baden Hotspurs» gehören hierzulande zu den wenigen Vereinen, die Tipp-Kick nicht als Spiel, sondern als Sport betreiben und haben damit Erfolg: Sie holten sich in Birmensdorf den Schweizer Meistertitel.

«Seine Bälle sind unhaltbar»

Seine Geheimwaffe ist grau-gelb und hat einen haarnadeldünnen Fuss, auf den Vereinspräsident Daniel Nater besonders stolz ist. Er war eine Spezialanfertigung, wird nicht regulär produziert und verhalf schon so manches Mal zum Sieg. «Seine Bälle sind unhaltbar», verrät der passionierte Kicker stolz.

Zusammen mit drei Freunden hat Nater Anfang Jahr den Verein «Baden Hotspurs» gegründet und nur fünf Monate später die Landesmannschaftsmeisterschaft mit 5 zu 1 Punkten für sich entschieden. Zwar starteten sie etwas verhalten, spielten in der ersten Runde nur unentschieden, besannen sich dann jedoch ihres Mottos Audere est Facere (lat: Es zu wagen, ist es zu tun) und holten auf. Schon im zweiten Spiel hatte der vierfache Schweizer Meister aus Birmensdorf das Nachsehen.

143 Tore

Doch anders als ihr Verein sind die vier Mitglieder in diesem Sport keine Neulinge mehr. So spielte Daniel Nater 30 Jahre lang in den verschiedensten Gruppen und Namensvetter Daniel Kaufmann ebenfalls so lange bei Thun. Seit gut 20 Jahren ist Philipp Derungs professionell dabei, der viel in Deutschland spielte. Nesthäkchen ist Markus Kälin.

Jeden Mittwoch treffen sie sich zum Trainieren und einmal im Monat treten sie zur Clubmeisterschaft gegeneinander an. Bisher liegt hier Philipp Derungs mit 143 Toren vorne, gefolgt von Nater mit 131. Warum sie keinen richtigen Fussball spielen, ist schnell erklärt. Sie seien «torgeil», schmunzeln Nater. Schliesslich sind hier 8 Tore pro Spiel keine Seltenheit.

Viele Vorbilder in Deutschland

Neben einem gewissen Talent seien Konzentration, Technik und häufiges Training das Geheimnis zum Erfolg. Jede Spielfigur schiesst anders, hat andere Qualitäten, die es zu handhaben gilt. So lässt es sich mit einem kurzen Fuss scharf schiessen, ein langer schneidet die Bälle dagegen an. Ausserdem «ist es wichtig, dass man sich die Spitzen-Spiele anschaut», so Nater weiter. Mit «Spitzen-Spiele» meint er vor allem Wettkämpfe in Deutschland, wo der Sport viel etablierter ist, es eine erste und zweite Bundesliga, Regional- und Verbandsliga gibt.

100 Spieler in der Schweiz

Zusammen mit Philipp Derungs hat Nater vor vier Jahren eine Saison lang im Nachbarländle mitgekickt und weiss: Das ist ganz ’ne andere Welt. Es ist dort viel professioneller und beeindruckt uns sehr.» Ihr Ziel ist es, in der nächsten Saison bei einem süddeutschen Regionalliga-Verein mitzuspielen und mit ihm in die 2. Bundesliga aufzusteigen.

In der Schweiz gibt es offiziell zwar auch rund 100 aktive Spieler, regelmässig auf Turnieren treffen sich aber selten mehr als 30. Dann treten sie entweder einzeln, im Zweiter- oder im Vierer-Team gegeneinander an, je nachdem ob es sich um eine Einzel-, Team- oder Mannschaftsmeisterschaft handelt. Alle finden einmal im Jahr statt. Vor zwei Jahren holte sich Daniel Nater schon einmal den Schweizer Meistertitel, damals allerdings als Einzelkämpfer.