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Die letzte Swisscom-Telefonkabine der Schweiz wird im Aargau abmontiert – und erhält ein besonderes Plätzchen

Die letzte Swisscom-Telefonkabine wird abtransportiert

Die letzte Swisscom-Telefonkabine wird abtransportiert

Das letzte Publifon stand in Baden und wird nun ins Musem für Kommunikation in Bern gebracht.

Nach 140 Jahren sind die Tage der Telefonkabinen gezählt. Das Smartphone hat sie überflüssig gemacht, und so hat sich die Swisscom heute in Baden AG von ihrem letzten Publifon getrennt. Ganz totzukriegen sind die Kabinen aber nicht.

Eine Ära endet: Das letzte klassische Publifon der Schweiz wurde in Baden abmontiert. 
Baden So viele Medienvertreter wie gestern Vormittag waren lange nicht mehr in der Stadt: Sie kamen an die Bruggerstrasse, um zu sehen, wie die Swisscom ihre letzte Telefonkabine abmontierte.

Damit geht eine 140 Jahre lange Ära zu Ende, die ihren Höhepunkt 1995 erreichte: Damals gab es schweizweit über 58000 private und öffentliche Telefonkabinen. Seit dem Siegeszug des Handys sank die Nutzung des Publifons massiv: Die Zahl der Gespräche verringerte sich nach der Jahrtausendwende bis 2016 um 95 Prozent.

Mit dem Publifon in Baden, hier aufgestellt 1962, wurden im vergangenen Jahr noch rund vierzig Gespräche geführt, wie Pierre-Antoine Favez, Leiter Publifone bei der Swisscom, an der Pressekonferenz im Restaurant Quelle erklärte. Die Kabine mit der Nummer 056 222 28 99 funktionierte bis vorletzte Woche einwandfrei.

Seit rund einer Woche war sie nicht mehr in Betrieb. Gestern Donnerstag hob ein Kran sie auf einen Lastwagen. Künftig wird die Badener Kabine im Museum für Kommunikation in Bern aufbewahrt.

Unterschiedliche Kabinen zeigen Kulturwandel des Telefonierens

Museumskurator Juri Jacquemet erklärte den besonderen Wert der Telefonkabine für die Nachwelt so: «Damit ist garantiert, dass sich Menschen mit Jahrgang 2019 später einmal etwas unter dem Begriff Telefonkabine vorstellen können. Und betrachtet man die Kabinen der verschiedenen Generationen, erkennt man, wie sich die Kultur des Telefonierens verändert hat.»

Die Publifone um 1930 etwa hätten sich eingemauert in Plakatsäulen befunden, das Gesprächsgeheimnis sei dank des Sichtschutzes gewährleistet gewesen, «niemand bekam mit, was gesprochen wurde».

Es folgte die Generation der Telefonkabinen mit Glasschutz, zu Beginn noch mit Milchglas. «Je näher man zur Gegenwart kommt, desto transparenter ist die Architektur der Kabinen», erklärt Jacquemet. Zuletzt gab es an Bahnhöfen Publifone ohne Kabine, bei denen alle mitbekamen, was gesprochen wurde. «Heute, mit den Smartphones, ist es völlig alltäglich, dass man Gespräche von Fremden mitverfolgen kann.»

In den letzten zwei Jahren hat Swisscom die letzten 3000 Publifone abgebaut. Rund 650 wurden umgenutzt – zu Getränke- oder Snackautomaten, Defibrillatorstandorten, Bücherschränken oder Bars. Der Rückbau betrifft jedoch nur die Telefonkabinen von Swisscom. Rund 150 gläserne Telecabs 2000 der Allgemeinen Plakatgesellschaft (APG) bleiben bestehen. Die Telecabs wurden 1995 von der APG in enger Zusammenarbeit mit der Swisscom entworfen. Neu werden damit Gratisanrufe in die Schweizer Fest- und Mobilfunknetze (ohne kostenpflichtige Businessnummern) möglich sein.

Das sagt der Publifon-Verantwortliche Pierre-Antoine Favez zum Abbau der letzten Swisscom-Telefonkabine:

«Es ist ein komischer Moment»

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Pierre-Antoine Favez, Leiter Publifone bei Swisscom, ist unter anderem für den Abbau der Publifone verantwortlich, von denen das letzte am 28. November 2019 in Baden entfernt wurde.

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