Baden
Die Mächtigen Europas verhandelten in diesem Saal

1714 kreuzten sich für kurze Zeit an einem Ort Welt- und Lokalgeschichte: Beatrice Candrian belebte das Bild von der Bäderstadt, als Baden Tagsatzungsort des europäischen Friedenskongresses war.

Salomé Meier
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Stadtführerin Beatrice Candrian erklärt im Tagsatzungssaal im Badener Rathaus, weshalb 1714 die Wände mit Samt ausgekleidet wurden. Salomé Meier

Stadtführerin Beatrice Candrian erklärt im Tagsatzungssaal im Badener Rathaus, weshalb 1714 die Wände mit Samt ausgekleidet wurden. Salomé Meier

Vor 300 Jahren unterzeichneten Marschall de Villars und Prinz Eugen von Savoyen im Tagsatzungssaal in Baden den letzten Friedensvertrag, der den Spanischen Erbfolgekrieg beendete und die Bäderstadt in die europäische Geschichte eingehen liess.

Zum Jubiläum des Friedenskongresses finden in diesen Monaten zahlreiche Veranstaltungen statt. Unter diesen finden sich die Führungen mit Beatrice Candrian, die es vermag, mit grossem historischem Wissen und rhetorischer Gewandtheit das bunte, barocke Treiben und die Grundstimmung der damaligen Zeit lebendig werden zu lassen.

Übermacht der Bourbonen

Fünf Generationen lang herrschten die Habsburger an der Spitze Spaniens – bis 1700 König Karl II. kinderlos starb. In seinem Testament ernannte er den Enkel des französischen Königs, Philipp von Anjou, zu seinem Nachfolger.

Damit wurde die Gefahr einer bourbonischen Übermacht real: Nacheinander erklärten die europäischen Mächte in der Grossen Allianz der französischen und spanischen Krone den Krieg.

Dieser Krieg sollte zwölf Jahre dauern und schliesslich 1714, an einem neutralen Ort, durch einen Friedensvertrag durch die Bevollmächtigten des beteiligten Adels beigelegt werden. Die gesetzliche Unterbindung einer deutsch-französischen «Doppelkrone» sowie die Bestimmung, dass die rechtsrheinische Seite fortan den Franzosen und die linksrheinische Seite den Deutschen zukommen solle, ging aus ebenjenem Vertrag hervor.

Pathos und Pomp in Baden

Beatrice Candrian führte die 20-köpfige Gruppe in den historischen Tagsatzungssaal im Rathaus, in dem während dreier Sommermonate intensiv der Frieden verhandelt wurde. «Damals wurden die Wände des Saales mit grünem Samt und Damast ausgekleidet – extra für die hohen Herren aus dem Königshaus Louis’ XIV. und dem Kaiserhof Karls VI.», versinnbildlichte Beatrice Candrian den üppigen Geschmack der höfischen Welt, die in die Epoche des Barocks fiel.

Im Barock, der die Blütezeit des Absolutismus begleitete, dominierte die Dynamik des äusseren Daseins, die machtvolle Geste, der sinnhafte Ausdruck. Die Welt wurde aufgefasst als glanzvolles Spectaculum, als rauschendes Fest und theatralisches Spiel. Und so kehrten auch in das kleinstädtische Baden das Pathos und der Pomp des französischen Hofadels ein.

Nach den morgendlichen Verhandlungssitzungen folgten zahlreiche Festivitäten, Lustwandeln in barockgestalteten Gärten, Bälle, Theater, Ballettvorführungen und ausladende Festmahle.

«Die Festivitäten auf dem Kongress waren für Baden ein Höhepunkt barocker Fülle. Kein Wunder, veranstaltet diese Stadt heute verschwenderische Feste!», schreibt der Historiker Andreas Steigmeier im Blog zum Friedenskongress.