Oberrohrdorf

Die Matthäus-Passion widerspiegelt das Leid Christi in musikalischer Form

Der Kirchenchor «cantate rohrdorf» brachte die Passionsgeschichte nach Matthäus in der Katholischen Kirche St. Martin zum Klingen. Die Musik dazu hat der Komponist Johann Georg Kühnhausen geschrieben, der vor genau 300 Jahren verstorben ist.

Keine Kirchenglocken läuteten an diesem Freitagnachmittag in Oberrohrdorf. Hastig huschten die warm angezogenen Gestalten in die Katholische Kirche St. Martin. Es war düster, da drinnen; durch die hohen Fenster drang das wenige Licht ins Kirchenschiff – es war ein grauer Karfreitag. Doch was knatterte da ohrenbetäubend vor der Kirchenpforte?

Eine Kurbel und sechs Hämmer waren es, die auf eine Holzplatte knallten. Es erinnerte an das Geräusch eines Presslufthammers. Die Ministranten wechselten sich dabei ab, die «Rätsche» zum Klingen zu bringen. Sie ersetzt während dem Gründonnerstag und dem Ostersonntag das Läuten der Kirchenglocken.

Während die Chorstimmen einsetzten, schritten die Ministranten mit brennenden Kerzen Richtung Kreuz. Ein kleines Holzkreuz stand auf Augenhöhe; der grosse Leib Christi ist ganz oben zwischen Kirchenschiff und Chor an der Decke befestigt. Der weiche Gesang, der liebliche Klang der Orgel strahlten eine Wärme aus.

«Er ist des Todes schuldig»

Es war der Kirchenchor «cantate rohrdorf», welche diese Karfreitagsliturgie unter der Leitung von Thomas A. Friedrich und zusammen mit Solo-Sängerinnen und Sängern mitgestaltete. In hoher musikalischer Qualität liessen sie die Passionserzählung nach dem Buch Matthäus erklingen. Die Musik dazu hat der Komponist Johann Georg Kühnhausen geschrieben, der vor genau 300 Jahren verstorben ist. Die Matthäus-Passion ist das einzige von ihm erhaltene Werk.

Es ist ein Hörspiel der alten Garde: Ein Solosänger übernimmt die Rolle des Erzählers (Tobias König), den anderen Stimmen sind die Figuren des Jesus (Rudolf Remund), des Judas (Timo Klieber), des Petrus und des Pilatus (Daniel Isa) zugeteilt; der Chor singt die Worte des Volkes und der Meute, die sich mit Beschuldigungen an der Kreuzigung Jesus beteiligten.

Eindringlich ihre Rufe, wenn sie singen: «Er ist des Todes schuldig» oder die hämisch klingenden Worte «Lass ihn kreuzigen» – fast lustvoll kam dieser Satz aus den Mündern des Volkes. Der Spott, das Lästern und der Hohn der Meute liessen einen erstarren. Der Widerhall aus dem Kirchenschiff löste Hühnerhaut aus.

Zeit belibt für einen Augenblick stehen

Die letzten Worte Jesu am Kreuz übernahm die Bassstimme – Wort für Wort formte Remund diese unter scheinbarer Anstrengung, unter grössten Schmerzen: «Eli lama sabthani» – Mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Dann die Generalpause. Ein Innehalten, blutleer. Die Zeit bleibt stehen, für einen Augenblick. Schliesslich setzte der Choral ein – dankend die Worte des Chors für das Leiden, welches Christus auf sich genommen hatte. Danach nahm die Karfreitagsliturgie ihren gewohnten Lauf.

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