Baden

Die Menschen sind ihre Leidenschaft

Jeden Morgen liest Christina Huppenbauer in Ruhe einen Bibelvers. Alex Spichale

Jeden Morgen liest Christina Huppenbauer in Ruhe einen Bibelvers. Alex Spichale

Morgen tritt Christina Huppenbauer die Stelle als neue reformierte Pfarrerin an. Die Gemeinde gewinnt damit eine besonders einfühlsame Seelsorgerin.

Christina Huppenbauer weiss beim Fototermin nicht recht, wo ihre Hände hin sollen. Sie breitet die Arme vor sich aus und führt sie in einem Halbkreis auseinander. «Die typische Geste für Pfarrer», meint der Fotograf und will wissen, ob diese zur Ausbildung gehöre. Huppenbauer muss herzhaft lachen. «Diese Bewegung ist mir im Video einer Predigt von mir auch aufgefallen», sagt sie. Sie sei jedoch nicht antrainiert, sondern unbewusst entstanden.

Morgen Sonntag wird Christina Huppenbauer (52) offiziell als neue Pfarrerin der Reformierten Kirchgemeine Baden aufgenommen. Viel Überzeugungsarbeit vonseiten der Kirchgemeinde war nicht nötig, um die Theologin nach Baden zu holen. Die letzten neun Jahre war sie Pfarrerin in der Zürcher Gemeinde Opfikon gewesen. «Ich hatte Lust, an einem anderen Ort nochmals neu anzufangen», sagt sie. Doch nicht um jeden Preis. Ihr Mann arbeitet in Zürich, der neue Arbeitsweg sollte sich zum Pendeln eignen. Die freie Stelle in Baden beschreibt sie als Glücksfall. Umso mehr, seit sie ein bisschen heimisch geworden ist: «Das kulturelle Angebot hier in Baden ist sehr vielfältig, die Leute sind toll. Ich habe das Gefühl, schon lange hier zu sein», sagt sie und strahlt. Anders als in Opfikon wohnt sie in Baden nicht im Pfarrhaus neben der Kirche, sondern in einer Wohnung in einem ruhigen Wohnquartier. «Das gefällt mir sehr gut, so bin ich näher bei den Leuten.»

Eingebung beim Spazieren

Christina Huppenbauer stammt nicht aus einer Pfarrersfamilie. Nach der Matur entschied sie sich zuerst, Sprachen zu studieren. Doch sie merkte bald, dass es nicht ganz stimmte. «Schon länger beschäftigten mich Fragen über unser Dasein, so wie wohl viele junge Leute auch», sagt sie. An einem verregneten Samstag kam der damals jungen Studentin bei einem Sparziergang auf dem Üetliberg der Gedanke, Theologie zu studieren. Ob es aufgrund der erhöhten Lage zu dieser Eingebung kam?

Sie nahm das Theologiestudium auf und war dann selber überrascht, wie sehr es ihr entsprach. «Ich habe gemerkt, dass es genau das Richtige für mich war. Es ging um Menschen, um das Leben, um mich.» Sie schätze auch die Spiritualität, die ihr das Studium eröffnet habe. Jeden Morgen nimmt sie sich Zeit, um einen Bibelvers zu lesen und in sich zu gehen. Sie geniesst diese Ruhemomente und war auch schon ganz allein als Pilgerin unterwegs.

Auf die Zukunft der Kirche angesprochen, gibt sie sich optimistisch: «Die Menschen werden sich immer mit den Fragen über den Sinn des Lebens beschäftigen», sagt sie. «In der Kirche können wir Antworten bieten.»

Auch heute ist sie immer noch sehr interessiert am Leben, an den grossen Fragen sowie an jedem Einzelnen. Ihre ruhige und dennoch lebhafte Art macht es leicht, sich mit ihr zu unterhalten. Selbst nach dem Interview dreht sie den Spiess um und zeigt Interesse für das Leben ihres Gegenübers.

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