Wettingen
Die Modelleisenbahnen fahren rasant auf das Abstellgleis

Nach 47 Jahren trennt sich das Spielzeuggeschäft Playland in Wettingen von den Modelleisenbahnen. Sie liegen nicht mehr im Markttrend. Kundinnen und Kunden suchen offenbar vermehrt fertige Spielsachen und weniger Modellbaukästen.

Dieter Minder
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Brigitte Carlyle ordnet die neuen Spielwaren auf den Gestellen – früher wurde dort Zubehör für Modelleisenbahnen präsentiert. Die Gleisanlage steht bereit zum Abtransport (hinten links). Dieter Minder

Brigitte Carlyle ordnet die neuen Spielwaren auf den Gestellen – früher wurde dort Zubehör für Modelleisenbahnen präsentiert. Die Gleisanlage steht bereit zum Abtransport (hinten links). Dieter Minder

«Modelleisenbahnen stehen bei den Kindern nicht mehr zuoberst auf der Wunschliste», stellt Brigitte Carlyle-Bodenmann fest. Sie leitet das von ihren Eltern Bruno und Rosmarie gegründete Spielzeuggeschäft Playland in Wettingen.

Die Konsequenz aus der Erkenntnis, sie zieht sich aus dem Geschäft mit den Modelleisenbahnen zurück: «Bis zum Entscheid hatte ich einige schlaflose Nächte.»

Momentan befindet sich das Geschäft mitten im Wechsel. Auf den Gestellen, auf denen bisher Lokomotiven, Eisenbahnwagen und Modellhäuschen standen, werden andere Spielsachen präsentiert. «Damit können wir auch Produkte zeigen, die bisher im Untergeschoss waren», sagt Carlyle.

«Wir stellen fest, dass die Kundinnen und Kunden vermehrt fertige Spielsachen und weniger Modellbaukästen suchen.»

Bobby Cars retten Modelleisenbahn

Dass Modelleisenbahnen es zunehmend schwer haben, zeigt sich auch bei den Herstellern. Märklin, der 1859 in Göppingen (D) gegründete Spielzeugfabrikant, hatte in den letzten Jahren grössere wirtschaftliche Probleme. Ende März haben Michael Sieber mit ihrer Sieber + Sohn GmbH &Co. KG die Aktienmehrheit übernommen. Damit ist die Zukunft des schwäbischen Traditionsunternehmens Märklin gesichert, teilt die Übernehmerin mit. Die Arbeitsplätze in Göppingen und Györ (Ungarn), bleiben erhalten. Der Familie Sieber gehört auch die Simba Dickie Group Fürth (D) unter deren Dach sich verschiedene Spielzeugmarken wie Dickie-Tamiya, Schuco oder die Big Bobby Cars vereinigen. (DM)

Auf Interesse stossen auch Themenlinien bekannter Marken wie Lego oder Playmobil. Diesem veränderten Marktverhalten muss sie als Unternehmerin Rechnung tragen. «In den Schaufenstern können wir auch Freizeitgeräte und die Bobby Cars besser präsentieren.»

Letztere werden von derselben Unternehmensgruppe hergestellt, die neu auch Modelleisenbahnen fabriziert (siehe Box). Ganz wird sich Brigitte Carlyle aber nicht von den Modelleisenbahnen verabschieden.

«Im Schaufenster werden wir eine Pendelbahn aus Playmobil einrichten», sagt sie und knüpft an die Zeit an, in der Bahnen die Schaufenster geprägt haben.