Sie brummen und rattern durch die Luft, doch weder Passagiere noch Pilot sind an Bord. Ob Freund oder Feind jeder kennt sie – Modellflugzeuge. Am 4. April beschloss der Gemeinderat Bellikon, dass es verboten ist, Modellflugzeuge über das Bauzonengebiet der Gemeinde fliegen zu lassen. Ausserdem müssen die Modellflieger einen Mindestabstand von 100 Metern zu Strassen, Wanderwegen, Häusern und Personen einhalten.

«Es kam in letzter Zeit immer häufiger vor, dass Personen ihre Modellflugzeuge am Siedlungsgebiet und Siedlungsrand und über einer viel benutzten Velo- und Wanderstrecke fliegen liessen», sagt Gemeindeammann Hans Peter Kurth. Da manche dieser Modellflieger bis zu zwanzig Kilogramm schwer seien, gehe an solch einem Ort die Sicherheit vor. Nach mehreren Diskussionen mit den Piloten seien diese aber zu keiner Einsicht gekommen, daher sei ein Verbot der einzige Weg gewesen. «In den Gesprächen wurde klar, dass es sich bei diesen Personen nicht um Einwohner der Gemeinde gehandelt hat», sagt Kurth. Seit es das Verbot gebe, habe es keine weiteren Zwischenfälle gegeben.

Empfehlung stösst sauer auf

Neben dem Verbot rät der Gemeinderat den Modellflieger-Piloten auch, ihr Hobby künftig auf bewilligten Modellflugplätzen auszuüben. Einen Flugplatz gibt es in der Nachbargemeinde Künten, der vom Modellflug Sportverein Reusstal betrieben wird.

Diese Empfehlung stösst nicht bei jedem auf Begeisterung. «Ich werde das Gefühl nicht los, dass hier der Schwarze Peter weitergereicht wird», sagt Bernhard Meier, Anwohner der Gemeinde Künten. Es sei wohl kaum im Interesse der unmittelbaren Anwohner des Flugplatzes, dass die Modelflieger weitere Verstärkung bekämen.

Werner Fischer, Vereinspräsident und zeitgleich Gemeindeammann von Künten hingegen unterstützt die Empfehlung. «Modellfliegen ist nun mal ein Outdoorhobby, man sieht und hört die Flieger.» So gebe es auch immer wieder Leute, die sich daran stören würden. Bei allfälligen Konflikten sei ein Flugplatz mit einem dahinterstehenden Verein deshalb von Vorteil, da es stets einen Ansprechpartner gebe. Auch gelten auf dem Flugplatz klare, gesetzliche Betriebszeiten und Geräuschemissionen, an die sich die Piloten halten müssen.

Trotzdem ist Fischer kein grosser Fan von Verboten. «Solange man miteinander reden kann, findet man eine Lösung.» Modellfliegen sei eine Leidenschaft, geflogen werde immer. Im Falle von Bellikon verstehe er aber das Verbot. «Leider gibt es auch unter den Modellfliegern Leute, die sich nicht an Regeln halten und keine Rücksicht nehmen», sagt Fischer. Es sei bekannt unter Modellflugbegeisterten, dass man aus Rücksicht nicht über Wohngebiete fliegen sollte. Nur so können mögliche Unfälle präventiv minimiert werden. «In unserem Verein legen wir Wert auf hohe Sicherheitsstandards», sagt Fischer. «Ich habe Bedenken, dass unter dem Verbot in Bellikon auch Modellflieger leiden, die sich stets korrekt verhalten haben.» So gebe es unter Modellfliegern Modelle mit und ohne Motor, sogenannte Segelflugmodelle. Diese werden häufig ausserhalb von Modellflugplätzen an Hängen geflogen. «Der gesellschaftliche Nutzen des Modellfliegens wird meist unterschätzt», sagt Fischer: «Es ist nicht einfach eine Spielerei.» Das Hobby erfordere technische Affinität. So finden sich unter den Modellfliegern viele technische Spezialisten und Ingenieure – nur in Bellikon wohl künftig nicht mehr.