«Wir alle hatten doch schon mal das Bedürfnis etwas zu sammeln», beginnt Patrick Nöthiger, Leiter Abteilung Kultur, das Gespräch im Historischen Museum über die Sammlungen der Badener Museen. Ob man nun als Kind auf dem Heimweg von der Schule besonders schöne Steine in die Hosentasche steckte und damit die Mutter beim Waschen in den Wahnsinn trieb oder im Jugendalter Briefmarken, Knöpfe oder Coca-Cola-Deckel daheim zu häufen begann: Das Sammeln von Gegenständen scheint dem Menschen ein intrinsisches Bedürfnis zu sein.

Museen als Zeitzeugen

Doch weshalb sammeln wir? Kulturelle Gegenstände zu sammeln, heisst gemeinsame Werte zu pflegen. Im grösseren Sinne spiegeln diese Sammlungen eine durch gemeinsame Werte verbundene Gesellschaft. Diesem Gedanken gewidmet war «VerSammlung» das Stichwort des diesjährigen Anlasses von Baden zum Internationalen Museumstag. Claudia Spinelli vom Kunstraum, Sarah Zürcher vom Museum Langmatt, Marcel Kaiser vom Kindermuseum und Carol Nater Cartier vom Historischen Museum sprachen über die Sammlungen der jeweiligen Museen und deren Bedeutung und fragten sich, was früher gesammelt wurde und was heute noch sammlungswürdig ist.

«Schliesslich ist das, was man sammelt doch auch immer ein Indiz für eine aktuelle bestehende Gesellschaftskultur. Waren die antiken Plastiken bis vor dem Expressionismus als Bauernkunst verpönt, erkannte man sie im 18. Jahrhundert plötzlich als exemplarisch», warf Heidi Pechlaner Gut, Vermittelnde des Historischen Museums, in die Diskussion ein. Interessen und Perspektiven dafür, was ästhetisch und schön ist, ist nun mal nicht in Stein gemeisselt, sondern unterliegt einer unvorhersehbaren Dynamik.

Was wir heute pathetisch oder kitschig finden und der Sammlung nicht wert finden, könnten die Menschen in 100 Jahren schmerzlich bedauern. Doch einfach alles zu sammeln ist, rein platztechnisch, leider auch nicht möglich. Sammlung heisst also nicht nur in die historische Geschichte einer Gesellschaft eintauchen, sondern auch Entscheide für die Zukunft treffen.

Als Baden eine Festung sein wollte

Ein besonderes Highlight war etwas später unter dem Motto «Objekt im Fokus» die dreidimensionalen Stadtmodelle Badens: Rekonstruktionen der Stadt zu verschiedenen historischen Zeiten, als die Befestigungsanlagen und die Burg (heutige Ruine Stein) vor dem Villmerger Krieg 1712 noch mondän trotzten und die Stärke und Wichtigkeit der «geheimen Hauptstadt» bezeichneten. Auch in den Museen Langmatt und im Schweizer Museum wurde den Tag hindurch der verschiedenen Sammlungen in Diskussionen und in den öffentlichen Sammlungen bedacht.