Baden
Die «normale» Verwahrung geht vielen Leuten zu wenig weit

Im «Fall Lucie» hätten sich viele Passanten in Baden eine härtere Strafe erhofft. Einige halten das Strafmass aber auch für zu hart. Aus Angst, sich zu exponieren, lassen sie sich jedoch nicht zitieren.

Dean Fuss
Drucken
Teilen
Umfrage unter der Bevölkerung: Haben Sie den Gerichtsprozess gegen Lucies Mörder Daniel H. verfolgt? Was halten Sie vom Urteil?
8 Bilder
Patrick Riedo (22), Wettingen «Mit dem Mord hat er das Leben einer 16-Jährigen ausgelöscht. Er sollte in einer Klinik behandelt werden, aber nicht wieder freikommen.»
Fabio Meier (19), Baden «Für mich ist die Strafe in Ordnung. Vielleicht hätte man ihn härter anpacken sollen. Er hat das schlimmstmögliche Verbrechen begangen.»
Selina Züllig (26), Wettingen «Als Laie ist das sehr schwierig zu beurteilen. Ich denke aber, dass eine Neueinschätzung durch Gutachten nach einer gewissen Zeit nötig ist.»
Cornelia Spirig (43), Baden «Die zuständigen Personen haben sich intensiv mit dem Fall beschäftigt. Ich glaube nicht, dass da noch jeder seinen Senf dazugeben muss.»
Hans Schaffner (52), Endingen «Das kann ich nicht beurteilen. Wichtig ist, dass er nicht plötzlich bei guter Führung freikommt. Seine zweite Chance hat er bereits gehabt.»
Nicole Wittwer (21), Unterentfelden «Er hat skrupellos gehandelt und deshalb sollte er nie mehr freikommen. Ich glaube nicht, dass er eine zweite Chance verdient hat.»
Matthias Müller (32), Ennetbaden «Der ‹Fall Lucie› ist eine ganz traurige Sache. Für mich ist die Bestrafung zu mild. Es gibt einfach Taten, die zu weit gehen.»

Umfrage unter der Bevölkerung: Haben Sie den Gerichtsprozess gegen Lucies Mörder Daniel H. verfolgt? Was halten Sie vom Urteil?

Dean Fuss

Die langsam durch den Nebel hindurchdrückende Sonne taucht Baden am Donnerstagmorgen in ein friedliches Licht. Doch der ruhige Schein trügt. Der Gerichtsprozess zum «Fall Lucie» ist auch am Tag nach der Urteilsverkündung gegen Lucies Mörder Daniel H. das Stadtthema Nummer eins.

Auf den Strassen, in den Restaurants und auch im Zug diskutieren vom Teenager bis hin zum Rentner alle über das Strafmass. Das Badener Bezirksgericht hatte Daniel H. am Mittwoch mit einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe und einer «normalen» Verwahrung belegt und war damit unter den Forderungen des Staatsanwalts geblieben. Eine Umfrage der az in den Strassen von Baden zeigt, dass viele Passanten ein höheres Strafmass - also die lebenslängliche Verwahrung - befürwortet hätten. «Wer ein solches Verbrechen begeht, hat keine zweite - oder im Fall von Daniel H. dritte - Chance verdient», ist der Grundtenor der Befragten.

Der Fall bewegt

Praktisch jedermann in den Badener Strassen hat den Fall verfolgt und eine Meinung dazu. Sich zitieren lassen will aber kaum jemand. Vor allem diejenigen, die das Strafmass als zu hart empfinden. Sie befürchten, sich mit einer solchen Meinung zu fest zu exponieren.

«Man muss die Therapie und ihre Ergebnisse abwarten», sagt etwa eine Passantin. Die Therapie habe aber nur Erfolgschancen, wenn der Täter eine Aussicht auf Freiheit habe. «Wenn die Gutachten allerdings keine Verbesserungen des Zustandes von Daniel H. nachweisen, hat er kein Recht, jemals wieder in die Freiheit entlassen zu werden.»

Nur ganz wenige der befragten Passanten geben an, die Entwicklungen im «Fall Lucie» nicht mitverfolgt zu haben. Der Mord am damals 16-jährigen Au-pair-Mädchen im Jahr 2009 bewegt die Stadt auch heute noch.

Aktuelle Nachrichten