Cortellini
Die Nummer mit der Nummer

In seiner aktuellen Kolumne schreibt Daniel Cortellini darüber, weshalb ihm Autofahren ohne Nummernschild so viel Spass bereitet.

Daniel Cortellini
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Auf der Autobahn ohne Autonummer. (Symbolbild)

Auf der Autobahn ohne Autonummer. (Symbolbild)

PIxabay

Ferienzeit ist eine tolle Zeit und weil ich sie heuer extra für die 1.-August-Rede unterbrochen hatte, blieb da noch ein ungenutztes Schnurpfel Tage, welches ich spontan mit meiner Mutter im wunderbaren Berner Oberland verbringen wollte, ganz nach dem Motto «Horn to be a Berg!». Somit bugsierte ich Mutter, Wanderschuhe und Gepäck in den Zweitwagen und fuhr bei strahlenden 35 Grad über die A1, oben ohne wohlverstanden, als ein ebenso oben ohne röhrender Sportwagen mich liebevoll über die Fahrbahn anschrie: «hesch kei Nummere!!!». Worauf ich bitz zusammenzuckte, weil mir grad einfiel, dass die Nummer ja noch am Wägeli Nummer 1 hing!

Zurückfahren bei diesen Temperaturen ...? Sicher ned! Also rief ich meine Frau an, sie möge doch die Wechselnummer vom Zweitwagen klauben und sie mir per Post schicken und ich tat so, als würde ich ihren Widerwillen nicht bemerken, mal wieder einen Türk für ihren Ehemann ausbaden zu müssen ... Da ich sonntags reiste, fielen Montag und Dienstag in die nummernfreie Zeit im Oberland, weil die Post ja erst am Mittag ankam, derweil ich schon längst wieder mit Mutter im Auto unterwegs war. Einfach, weils so lässig ist ohne Nummer! Man winkt dir zu, lichthüpelt da und dort, auf den Parkplätzen kommst du sofort ins Gespräch, kurz: endlich bist du mal ein vollständiges Mitglied der Gesellschaft – einfach ohne Nummer!

So schmerzte es mich fast ein bisschen, als das ersehnte Päckli im Zimmerfach des Hotels Hornberg lag, und schon als ich es in der Hand hielt, fiel mir auf, dass es erstaunlich leicht war. Hatte meine Frau gar die Nummer aus dem Wechselrahmen operiert...? Und als ich dann die beiden Schilder in der Hand hielt, kamen mir lediglich das AG und eine einzige Ziffer bekannt vor, alles andere hatte ich noch nie gesehen!

Zum Glück gibt’s Internet, relativ schnell habe ich herausgefunden, dass ich einerseits weiterhin nummernfrei unterwegs sein durfte – aber mein Nachbar in Nussbaumen wohl auch! Der fuhr nämlich den gleichen Fahrzeugtyp und hatte sein Auto dergestalt umparkiert, dass es als erstes auf den Radar meiner Frau geraten war! Wie um Himmels willen, dass sie mit blossen Fingernägeln des Nachbars Nummernschild aus dem Fix-Rahmen figuretlet hat, wird mir immer ein Rätsel bleiben! Der Nachbar hat übrigens nichts gemerkt und liest auch kein BT – er weilte nummernfrei im Ausland! Und die Polizei darf eine Kolumne nicht zur Anzeige verwerten – hab ich abgeklärt, yeaaaaah!

Im Berner Oberland gleiste ich übrigens auch ganz in der Manier eines ferienhabenden Selbstständigen das Bänkli-Helferfest auf, wo es am 22. August auch eine grosse Nummer im Laden geben wird: Wir verteilen nämlich 8000 knallharte Schweizer Franken an zwei wohltätige Organisationen! Dies könnte man als Badenfahrt-Gewinn bezeichnen, ist es aber nicht: es sind eher stille Reserven, denn die beteiligten Handwerker haben damals bewusst keine oder nur eine freundschaftliche Rechnung gestellt! Damit die ganze Corti-Bänkli-Odyssee nach mittlerweile drei Jahren noch mit einer wohltätigen Nummer zu Ende gehen möge! Sooo schön!

Liebe Handwerker, Liebe Helfer – Ihr seid eine Riesennummer!

Daniel Cortellini betreibt an der Rathausgasse in Baden ein Fachgeschäft für Schweizer Weine. Er ist in Baden aufgewachsen und war während fünf Jahren Präsident der Unteren Altstadt Baden.