Baden
«Die Obdachlosen verschwinden wieder»: Betten in der Notschlafstelle bleiben leer

Die Betten in der Badener Notschlafstelle werden zurzeit wenig benutzt, anders als im Sommer oder im Vorjahr. Betrieb herrscht dagegen im Restaurant des Sozialwerks Hope, das für Bedürftige mittags geöffnet ist.

Claudia Laube
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Ab 20 Uhr geöffnet: die Badener Notschlafstelle.

Ab 20 Uhr geöffnet: die Badener Notschlafstelle.

Severin Bigler

In der Notschlafstelle in Badens Altstadt ist wenig los. Daniela Fleischmann erlebt ein Déjà-vu– denn die Situation erinnert sie an jene im März. «Wir merken, dass die Obdachlosen wieder verschwinden», sagt Fleischmann, welche die Geschäftsleitung des christlichen Sozialwerks Hope Mitte November an Deborah Schenker übergeben hat und noch bis Mitte März 2021 im Hintergrund unterstützend wirkt (die AZ berichtete). Das Hope und der Verein Notschlafstelle Baden eröffneten diese im September 2019 als Erste solche im Kanton Aargau.

Daniela Fleischmann ist sich sicher: «Das hat definitiv mit Corona zu tun. Wir vermuten, dass diese Menschen wohl im Moment mehr Solidarität durch Kollegen erfahren oder dass ihre Familien eher wieder bereit sind, sie vorübergehend aufzunehmen.» Sie könne aber nur Annahmen treffen, ganz genau sei das nicht bestimmbar.

Kurz nach dem Beginn des Lockdowns Mitte März hatte sie sich schon einmal gefragt, wohin die Obdachlosen wohl gegangen sind. In der Notschlafstelle blieben schon damals fast alle sechs Betten leer. Kaum hatte die AZ damals darüber berichtet, hätten aber wieder mehr Menschen nach einem der sechs Betten gefragt, sagt Fleischmann heute.

Blick in die Küche, ein Gemeinschaftsraum, der Notschlafstelle an der Oberen Halde 23.    

Blick in die Küche, ein Gemeinschaftsraum, der Notschlafstelle an der Oberen Halde 23.    

SEVERIN BIGLER

Als die Corona-Massnahmen gelockert wurden, war die Notschlafstelle wieder gut ausgelastet. «Reine Notschläfer haben wir im Juli 151 registriert, im August 113 und im September 106», sagt Fleischmann. Seit Oktober gehe es aber wieder «massiv» nach unten. Im November waren es noch 44 Gäste, im Dezember (vor Heiligabend) 22. Das ist kein Vergleich zu den Zahlen vom Vorjahr: Im damaligen November wurden 73, im Dezember 80 Personen registriert.

Ganz anders präsentiert sich das Bild bei der Notpension, die sich im gleichen Haus wie die Notschlafstelle befindet. «Die sechs bis acht Betten sind alle besetzt», so Fleischmann. Der Unterschied der beiden Angebote: Die Notschlafstelle ist eine kurzfristige Übernachtungsmöglichkeit. In der Notpension hingegen schlafen Menschen mit Plätzen, für welche diverse Ämter die Kosten längerfristig zugesagt haben. Eines vereint aber beide Angebote: Sie sind erst ab 20 Uhr geöffnet. Nach dem Mittagessen im Hope müssen sich die Obdachlosen woanders vertun, entweder bei Freunden oder auf der Strasse.

Maximal 15 Personen im Hope-Restaurant erlaubt

Das Restaurants des Sozialwerks Hope an der Stadtturmstrasse darf weiterhin geöffnet bleiben. Hier erhalten Obdachlose, etwas Warmes zu essen – wenn auch nur am Mittag, am Abend ist es geschlossen. Während des Lockdowns hatte das Restaurant für eine Woche schliessen müssen, konnte dann aber wieder öffnen. «Als soziale Institution erhielten wir eine Sonderbewilligung vom Kanton», erklärt die neue Geschäftsleiterin Deborah Schenker.

Im Moment können sich aber nur maximal 15 Personen im Restaurant aufhalten. «Wir bedienen deshalb in zwei Schichten», sagt Schenker. Es sei ruhig, es habe noch niemand abgewiesen werden müssen. «Wenn wir aber merken, es werden mehr Menschen, die etwas zu essen brauchen, können wir auch mehr Schichten anbieten», ergänzt sie. Dies sei dank Angestellten und Freiwilligen möglich, die über die Feiertage und darüber hinaus Mehreinsätze leisten.