Baden
Die Oberstadt steht vor grossem Wandel: «Man kann noch viel mehr aus dem Quartier rausholen»

Das Badener Quartier um den alten Bahnhof soll zu einem urbanen Stadtteil werden, in dem viel mehr Menschen wohnen als heute. Auch neue Arbeitsplätze sollen geschaffen werden.

Pirmin Kramer
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Das Wahrzeichen des Viertels: der Bahnhof – Züge halten aber nicht mehr.

Das Wahrzeichen des Viertels: der Bahnhof – Züge halten aber nicht mehr.

san

Immer mehr Menschen wollen in Baden leben: Die Prognosen des Kantons rechnen in den nächsten zwei Jahrzehnten mit einem Anstieg der Bevölkerungszahl um ungefähr 5000 auf 25000. Doch wo können diese Menschen wohnen? Das Zentrum ist bereits dicht besiedelt, 97 Prozent der sogenannten Wohn- und Mischzonen sind überbaut.

Viel Entwicklungspotenzial bietet das Gebiet «Oberstadt». Das hielt der Stadtrat bereits letztes Jahr in seinem Raumentwicklungskonzept fest. Nun will er die Planung des Quartiers vorantreiben: Er beantragt vom Einwohnerrat Ende Januar einen Kredit von einer Viertelmillion Franken, mit dem die Grundlagen für die zukünftige Stadtentwicklung geschaffen werden sollen.

Diverse Fragen müssen noch geklärt werden

Das Ziel ist klar: Das Gebiet rund um den Bahnhof Oberstadt soll sich zu einem dichten, urbanen Wohnquartier entfalten. Rund 700 Menschen lebten hier im Jahr 2016; je nach Ausgestaltung besteht das Potenzial, mittels Innenverdichtung Flächen für 1500 zusätzliche Bewohner und 1000 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Die Zusammensetzung der Bevölkerung soll durchmischt bleiben, dies dank eines preislich vielfältigen Wohnraumangebotes, lautet eines der wichtigsten Ziele der Stadt. Diverse Fragen müssen aber vorzeitig geklärt werden – dies in Zusammenarbeit mit dem ETH Wohnforum und dem Büro Cont-s GmbH: Etwa die künftige bauliche Dichte, die Bebauungs- und Freiraumstruktur sowie das Nutzungsverhältnis zwischen Wohnen und Arbeiten. Die Antworten auf diese Fragen sollen dereinst in die neue Bau- und Nutzungsordnung einfliessen.

«Es werden womöglich neue, höhere Häuser entstehen»

Stadtammann Markus Schneider (CVP) erklärte an einer Pressekonferenz: «Seit der neue Schulhausplatz erstellt wurde, ist die Oberstadt viel besser mit der Innenstadt verbunden. Das Quartier sollte nun aber noch besser ins Zentrum integriert werden. Man kann noch viel mehr aus dem Quartier rausholen.»

Baden soll in Zukunft nicht erst ab der Weiten Gasse, sondern bereits ab dem Schadenmühleplatz als urban wahrgenommen werden, sagte der Stadtammann. «Die Oberstadt wird vor­aussichtlich einen eigenen Charakter haben, der sich nicht vergleichen lässt mit einem der bereits bestehenden Quartiere», erklärte Schneider. «Es werden womöglich neue, höhere Häuser entstehen; das Viertel soll aber nicht zu einem reinen Wohnquartier werden.» In den neuen Gebäuden könnten die Erdgeschosse für Arbeit oder Gewerbe dienen.

Nach wie vor keine Option sei die Erschliessung des Viertels mittels der alten Nationalbahnlinie. Regelmässig fänden Treffen mit den SBB statt, diese bräuchten die Strecke aber als Ersatz- und Ausweichroute, erklärte der Stadtammann.

Drei weitere Quartiere haben Wachstumspotenzial

Einer der Vorteile aus Sicht der Stadt sei die Tatsache, dass die Einwohner­gemeinde einige Grundstücke besitzt, also nicht alleine auf den Goodwill der Eigentümer angewiesen sei. Die Veränderung des Quartiers wird jedoch nicht top-down von der Stadt durchgesetzt; vorgesehen ist ein partizipativer Prozess. Eine Volksbefragung gehört ebenso dazu wie der Einbezug von Grundeigentümern, Quartiervereinen und sämtlichen Interessengruppen. Drei weitere Stadtteile sind als sogenannte Transformationsgebiete definiert worden: Dättwil, der Kappelerhof und die Innenstadt. Diese drei Stadtviertel sollen dereinst nach dem Vorbild des partizipativen Prozesses in der Oberstadt umgestaltet werden.

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