Majestätisch und feierlich lässt Konzertorganistin Andrea Kobi die Orgel erklingen – vom sanften Pianissimo bis zum donnernden Fortissimo. Das Publikum in der katholischen Kirche Baden hört in stiller Einkehr zu oder lässt die Gedanken schweifen.

Monumental, dann wieder leise, fast behutsam erschallt das beeindruckende Instrument und berührt die Seele. Eine Frau ist so ergriffen, dass ihr die Tränen über das Gesicht laufen. Sie denkt an ihren verstorbenen Vater.

Nach Werken der französischen Komponisten Saint-Saëns und Widor dann der Stimmungswechsel: Kobi hat sich für den zweiten Teil ihres Konzertes Schweizer Volkslieder ausgesucht, die alle kennen und von Stephan Thomas für Orgel arrangiert wurden.

Locker-lüpfig kommen «Lueget, vo Bärge und Tal», «S’Ramseyers wei go grase» und «S isch mer alles eis Ding» daher. Hin und wieder sind ein paar übermütige Schlenker zu hören, die an einen Juchzer erinnern. «Ich habe versucht, möglichst alle Klangfacetten zur Geltung zu bringen», sagt Kobi nach dem Konzert.

Die 29-jährige Berufsmusikerin, die an der katholischen Kirche Bremgarten als Stadtorganistin tätig ist, hat einen reichen Palmarès vorzuweisen. So gewann sie den 1. Preis des schweizerischen Jugendmusikwettbewerbs, einen Studienpreis der Ernst Göhner-Stiftung und spielte sich am 3. Internationalen Orgelwettbewerb in Zürich auf den 3. Platz.

Ihr Diplomkonzert, mit dem sie ihr dreijähriges Masterstudium abschloss, wurde mit dem Prädikat cum laude ausgezeichnet. Hans Zumstein, Initiant und Organisator des Badener Orgelsommers, der dieses Jahr zum neunten Mal ausgetragen wird, kann zufrieden sein.

Selten ist die Kirche so voll wie bei den jeweils fünf halbstündigen Konzerten, die in den Sommerferien stattfinden.