Grünliberale
Die perfekte Fassade der Grünliberalen hat erste Risse – trotz Erfolg

Im Bezirk Baden wird Neo-Grossrat Sander Mallien von ehemaligen Parteikollegen der GLP harsch kritisiert. Mallien selber spricht von einem «Sturm im Wasserglas», gibt aber zu, dass es innerhalb der Partei Spannungen gibt.

Martin Rupf
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Jean-Pierre Leutwyler (links) und Sander Mallien

Jean-Pierre Leutwyler (links) und Sander Mallien

AZ

Am Mittwoch vermeldete die GLP Bezirk Baden den Rücktritt ihres Vizepräsidenten Silvan Esslen. Nur einen Tag später gab Jean-Pierre Leutwyler seinen Rücktritt im Regionaljournal Aargau Solothurn bekannt. Leutwyler war bis vor kurzem Präsident der Bezirkspartei, ehe er das Amt im Sommer niederlegte.

Was ist los bei der GLP im grössten Bezirk? Zeichnen sich erste Risse bei der jungen, erfolgsverwöhnten Partei ab? Immerhin konnte die GLP bei den Grossratswahlen in Baden um 2,2 Prozentpunkte zulegen und gewann kantonsweit drei Sitze hinzu.

Esslen: «Ich wollte Zeichen setzen»

Ein Blick zurück lässt vermuten, dass die Probleme in Baden schon früher begannen. So trat der Wettinger Michael Merkli Ende Juli aus der Partei und schloss sich der BDP an. Der Rücktritt sei nicht nur aus persönlichen Gründen erfolgt, so Merkli. «Vor den Wahlen war ich bis zwei Wochen vor der Mitgliederversammlung noch auf dem 10. Listenplatz geführt. Man teilte mir dann mit, dass ich auf den 15. Platz rutschen werde; das konnte ich nicht akzeptieren». Für ihn sei klar, dass ein kleiner Machtzirkel um Ortsparteipräsident Sander Mallien versuche, «denen Ämtli zu verteilen, die nützen, und denen das Leben schwer zu machen, die nicht gleicher Meinung sind». Mallien wurde am 21.Oktober in den Grossen Rat gewählt.

Jean-Pierre Leutwyler ergänzt: «Mit Sander Mallien und den beiden Vorstandsmitgliedern Isabelle Wanner und Marianne Stein konnte ich mir eine weitere Zusammenarbeit schlicht nicht mehr vorstellen.» Politik sei für ihn auch ein Hobby; wenn dieses keinen Spass mehr mache, dann sei es Zeit, aufzuhören. Ob er sich einer anderen Partei anschliessen werde, sei noch offen.

Silvan Esslen konkretisiert: Sein Rücktritt habe entgegen den Mutmassungen in der offiziellen Mitteilung nichts mit seinem Abschneiden bei den Wahlen zu tun. «Vielmehr haben gewisse Vorstandsmitglieder signalisiert, dass man meine Arbeit nicht mehr schätzt.» Mit seinem Rücktritt habe er ein Zeichen – auch in Richtung Kantonalpartei – senden wollen. Esslen attestiert der GLP im Bezirk Baden generell ein «Kommunikations- und Krisenmanagementproblem».

Mallien: «Ein Sturm im Wasserglas»

Was sagen die Angeschossenen zu diesen happigen Vorwürfen? «Für mich ist das ein bedauerlicher Sturm im Wasserglas», sagt Sander Mallien. Er sei sehr erstaunt über den Rücktritt von Esslen und Leutwyler. «Nach den Wahlen haben Esslen, Leutwyler und ich noch zusammen Plakate abgehängt; von einem Rücktritt war mit keinem Wort die Rede. Immerhin räumt Mallien ein, dass sich seit einiger Zeit Spannungen bemerkbar gemacht haben. «Im Mai hätten eigentlich Gesamterneuerungswahlen stattfinden sollen, doch der Bezirksvorstand musste diese auf Herbst verschieben.» Als dann Präsident Leutwyler und Vizepräsident Esslen überraschend ihre Ämter hätten tauschen wollen, habe die Partei auf die statutarisch korrekte Vorgehensweise verwiesen. Die Folge: Leutwyler legte sein Amt nieder.

Mallien glaubt, dass Leutwyler in der Partei angeeckt habe, weil er sich – unter anderem – ohne Nomination durch die Partei als Kandidat für die Friedensrichterwahlen im Bezirk habe aufstellen lassen. «Das hat für sehr viel böses Blut gesorgt.» Leutwyler dementiert. «Das war sehr wohl mit der Partei abgesprochen.»

Auch Isabelle Wanner will von einem Machtkampf nichts wissen. Dass der politische Alltag pragmatisch geprägt sei, sei nicht für alle leicht zu akzeptieren. «Das kann leider dazu führen, dass sich gewisse Akteure vor den Kopf gestossen fühlen», sagt Wanner.

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