Baden
Die Philosophie mit dem Ohrwurm-Charakter

Integrations-Popmusiker Müslüm ist zurück auf der Bühne und lässt es kräftig «la bambele».

Calvin Stettler
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Müslüm bietet dem Publikum im Nordportal vielfältige Unterhaltung.

Müslüm bietet dem Publikum im Nordportal vielfältige Unterhaltung.

Calvin Stettler

Monobraue, ausgefallene Garderobe und rasierfällige Wangen. Im Backstage-Bereich des Badener Nordportals treffen wir einen Mann, dessen Antlitz so gar nicht mit dem Stereotypen eines kommerziellen Popmusikers übereinstimmen will. Im Grunde genommen unterscheidet er sich gar in allen Bereichen von seinen Pendants – ausser im Faktor Erfolg. Denn dieser Herr, der sich Müslüm nennt, trifft einen Nerv unserer Gesellschaft.

Vor zwei Jahren lancierte Müslüm den sowohl anregenden als auch unterhaltenden Integrationspop in unserem Land. Es sei nicht wichtig, woher man komme oder wie man aussehe, so sein Credo. Vielmehr will dieser Mann, der sich permanent exotischen Wortbetonungen bedient, «mit seiner Musik die Leute zusammenführen».

Kampf gegen die «Apochalüpse»

Müslüms neustes Werk trägt die Bezeichnung «Apochalüt» und bildet den Gegenpol zum gesellschaftsheilenden Debütalbum «Süpervitamin». «Ich versuche, zu erklären, was im Moment schief läuft in unserer Welt.» In «Apochalüt» sind wie gewohnt jede Menge «Frequenzen» verpackt, welche die Zuhörer bewegen sollen. Die wohl stärkste Botschaft mit Ohrwurmcharakter fordert dazu auf, es wieder einmal «la bambele» zu lassen. Sprich innehalten und für einmal nicht sein «virtuelles Ego streicheln».

Und ebendieser Track wird nach zwei, drei aufwärmenden Songs zum Startschuss eines fulminanten Konzerts. Ob unkonventionelle Tanzschritte oder unterhaltende Wortakrobatik: Müslüms Auftritt ist in jeder Hinsicht beschwingend. Die Vielfalt seiner pointierten Übergänge ist so beeindruckend wie die Diversität innerhalb des Badener Publikums.

Es ist ein Abend voller Selbstironie. Müslüm verleiht dem Verhalten unserer Gesellschaft oftmals ein fragwürdiges, ja verwerfliches Prädikat. Dieser Immigrant philosophiert auf eine amüsierende Weise. Doch hat das Phänomen Müslüm, der für eine Diktatur der Kunst plädiert, ein Ablaufdatum? «Ich bin kein Produkt der Industrie, ich diene der Kunst und diese kann nicht ablaufen.»