Künten

Die Pioniere von Sulz: Bio-Landwirtsfamilie baut nachhaltiges Mehrfamilienhaus

Alois Kohler mit den Söhnen Patrick (l.) und Simon (r.) im Kuhstall des neuen Bio-Betriebs am Rande von Sulz.

Bio-Landwirt Alois Kohler und seine Familie haben ihren Betrieb an den Dorfrand ausgesiedelt. Dieser steht im Zeichen der Nachhaltigkeit – so wie die Überbauung, die sie nun auf dem alten Grundstück im Zentrum realisieren.

«Wir müssen dafür sorgen, dass die Jungen eine Existenz haben. Denn nur wenn es den Jungen gut geht, geht es uns auch im Alter gut», sagt Alois Kohler. Das sind die Gedanken, die den Bio-Landwirt aus Sulz bei Künten und seine drei Söhne Adrian, Patrick und Simon motivieren, ein für die Gemeinde wegweisendes Projekt zu verwirklichen.

Folgendes haben die Kohlers vor: Auf dem Grundstück in Sulz, das seit vielen Jahren in Familienbesitz ist und bis 2017 landwirtschaftlich betrieben wurde, realisieren sie eine Überbauung. Wobei das Neubauprojekt im Zeichen der Nachhaltigkeit und des Ortsbildschutzes steht. Beispielsweise verfügen alle Parkplätze in der Tiefgarage über eine Ladestation für Elektrofahrzeuge und Elektrovelos. Der Strom wird von einer Photovoltaikanlage auf dem Dach produziert, die den Grossteil des Energiebedarfs der Überbauung deckt. Beim Bau werden Materialien verwendet, die den Stromverbrauch tief halten. Auf den Grünflächen, die das Mehrfamiliengebäude umgeben, sind Gemüsebeete und eine Blumenwiese vorgesehen. Es werden einheimische Sträucher und Obstbäume gepflanzt. Nicht zuletzt geht die Überbauung mit dem Ortsbild überein, in dem die Stilelemente des bäuerlichen Charakters von Sulz bewahrt und neu interpretiert werden.

Für Familientradition entschieden

«Mit diesem Projekt haben wir nicht unbedingt den bequemsten Weg für unsere Familie gewählt. Jedoch wir sind überzeugt, dass es der Beste für die Zukunft ist», sagt Alois Kohler. «Uns liegt viel daran, dass man das Grundstück im Dorfkern von Sulz nicht einfach verscherbelt, sondern darauf etwas Zukunftsgerichtetes entstehen lässt», so der Grossvater von sechs Enkelkindern.

Die Kohlers haben schon immer Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Das zeigte sich auch, als es um die Zukunft des Betriebs ging. «Seit meine Frau Brigitte und ich vor 22 Jahren den Betrieb von meinem Bruder Hugo übernommen haben, wuchs unser Bio-Betrieb stetig. Der Platz in Sulz wurde allmählich eng, sodass wir an einen Scheidepunkt kamen: den Betrieb einstellen oder weitermachen», blickt Alois Kohler zurück. Die Familie entschied, die Tradition weiterzuführen. Dafür mussten sie allerdings einen neuen Standort suchen. Mit Genehmigung des Kantons leiteten die Kohlers eine Aussiedlung ein: An der Grenze zwischen Sulz und Stetten realisierte die Familie einen neuen Bio-Bauernhof mit offenen Ställen und Bereichen, wo die Tiere auf Tiefstreu liegen können, sowie ein Wohnhaus, das Solarstrom nutzt. Im Gegenzug stellten sie den Betrieb im Dorfkern ein. Nun produzieren sie am neuen Ort unter anderem Eier aus Freilandhaltung und Fleisch aus Mutterkuhhaltung. Sie betreiben Acker- sowie Gemüsebau und beherbergen eine Pferdepension. Ihre Produkte verkaufen die Kohlers mehrheitlich an Schweizer Grossverteiler.

Ammann: «Ein starkes Zeichen»

«Die Aussiedlung war aus Sicht der Gemeinde eine sehr gute Lösung. Dadurch wurden Verkehr und Immissionen an den Siedlungsrand verlegt», sagt Küntens Gemeindeammann Werner Fischer. «Gleichzeitig war es der Startschuss für ein innovatives Projekt, das es so bei uns noch nie gegeben hat.» Mit der Aussiedlung und der Überbauung werde die Familie dem steigenden Bedürfnis der Bevölkerung nach Umweltschutz und Nachhaltigkeit gerecht. «Dafür braucht es auch den Willen, Investitionen zu tätigen. Dass die Kohlers diesen Schritt getan haben, ist ein starkes Zeichen», so Fischer.

In der Tat: Nicht weniger als einen siebenstelligen Betrag investiert die Familie in das Neubauprojekt, das vom Architekturbüro Martin von Arx aus Stüsslingen SO ausgearbeitet wurde. «Sicher gibt es Personen, die angesichts der Investitionssumme wissen wollen, ob in der Landwirtschaft ein Haufen Geld rumliegt», nimmt Alois Kohler die Frage nach der Finanzierung vorneweg. Er streite nicht ab, dass es ein gewisses Startkapital brauche. «Doch alles, was wir als Familienunternehmen investieren, haben wir uns – meine Frau Brigitte und ich, meine Schwiegertöchter und meine Söhne – in vielen Jahren hart erarbeitet.» Was ihnen zudem in die Hände spiele, sei, dass man zahlreiche Arbeiten selber ausführe und somit die Kosten tief halten könne.

15 Wohnungen in drei Etappen

Die Überbauung wird in drei Etappen realisiert. Der Aushub für die erste Bauphase, die ein Mehrfamiliengebäude mit sieben Wohnungen mit zweieinhalb, dreieinhalb und fünf Zimmern vorsieht, ist bereits am Laufen. «Unser Ziel ist, dass die ersten Mieter im Frühjahr 2020 einziehen können», sagt Alois Kohler. In der zweiten und dritten Etappe sollen acht weitere Wohnungen gebaut werden. Die Familie ist überzeugt, dass die Wohnungen relativ rasch vermietet werden können. «Sie liegen im mittleren Preissegment und mitten im Naherholungsgebiet», so Kohler.

Ein Mieter steht bereits fest: «Brigitte und ich werden eine Wohnung beziehen», sagt Alois Kohler und schmunzelt.

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Autorin

Carla Stampfli

Carla Stampfli

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