Oberrohrdorf

Die Primarschule Hinterbächli hat einen neuen Star: Welpe Ruby

Ruby übt ihre künftige Aufgabe als Schulhündin mit einer vierten Klasse aus Oberrohrdorf

Ruby übt ihre künftige Aufgabe als Schulhündin mit einer vierten Klasse aus Oberrohrdorf aus.

Ruby ist ein vier Monate alter Australian Shepherd und unterstützt die Kinder der Schule Hinterbächli in Oberrohrdorf im Lernprozess. Der aufgeweckte Welpe sorgt dabei nebst einer entspannten Atmosphäre auch immer wieder für viele Lacher.

Ruby, schau mal» – «Ruby, hier ist das Guetzli.» Die Kinder der Schule Hinterbächli in Oberrohrdorf strecken ihre Hände aus und kichern vergnügt. Zwischen ihnen tollt ein Welpe umher und sucht seine Leckerli. Der vier Monate alte Australian Shepherd Ruby ist derzeit der Star der gesamten Schule.

Bereits vor den Sommerferien nahm Rochelle Alten ihre Hündin an einzelnen Tagen mit in den Unterricht, damals war Ruby noch ein kleines Fellknäuel. Seit dem neuen Schuljahr ist der Welpe ein fester Bestandteil des Unterrichts.

Heilpädagogin bietet Hilfe beim Lernen

Die 29-jährige Heilpädagogin besucht mit ihrem Hund bis zu drei Wochenlektionen pro Klasse. «Bei einigen sind es mehr oder weniger, je nachdem wie viel Unterstützung die Kinder brauchen.» Das hat aber nichts mit dem Hund zu tun, sondern mit Altens Ausbildung. Als schulische Heilpädagogin hilft sie vor allem den Schwächeren im Lernprozess.

Ruby dient dabei als Unterstützung: «Sie liebt die Kinder innig», sagt Alten. Oftmals ist der Schulhund mit seinem Frauchen einfach präsent und streunt umher oder schläft, während die Schülerinnen und Schüler an ihren Aufgaben arbeiten. Dann und wann gibt es eine kurze Pause, in der sie mit dem Hund spielen dürfen.

«Die Kinder müssen lernen, Ruby Freiheiten zu geben», sagt die Heilpädagogin. «Sie sollen sie beispielsweise nur streicheln, wenn sie zu ihnen kommt.» Deshalb hat die Hündin auch ihre eigene Box, in die sie sich zurückziehen kann.

Hund im Unterricht soll soziale Aspekte fördern

Schwanzwedelnd streicht Ruby um die Schulbänke. Da und dort strecken die Kinder ihre Hände aus und streichen über das weiche Fell, bevor sie sich wieder ihren Aufgaben widmen. «Ruby vermittelt den Kindern positive Erinnerungen an ihren Lernprozess», sagt Alten.

Sie wirkt als sozialer Katalysator. Das heisst, der Hund löst soziale Situationen aus, die die Kommunikation und Empathie der Kinder fördern können. «Sogar die Schüchternen blühen durch sie richtig auf.»

Ein Tier gebe auch stets direkte Rückmeldung. «Ist jemand grob zum Hund, zieht er sich zurück.» Dadurch lernen die Kinder, ihre eigenen Reaktionen anzupassen.

«Unterbrechungen dürfen Platz haben»

Sinn eines Schulhundes ist es, Ruhe in die Klasse zu bringen und eine entspannte Atmosphäre zu schaffen. «Das bringt Ruby noch nicht ganz hin», sagt Alten und lacht. «Dafür ist sie noch zu ungestüm.» Ist die Hündin aber ausgewachsen, wird die Mägenwilerin mit ihr die Ausbildung zum Schulhund absolvieren.

Schon schnappt sich Ruby stinkfrech eine Socke aus der Sporttasche eines Jungen. «He, Ruby!», ruft dieser sogleich aus und der Welpe springt fröhlich im Zimmer umher. Die Kinder lachen lauthals. «Solche Unterbrechungen dürfen schon Platz haben», sagt Alten und nimmt dem Hund das Kleidungsstück aus dem Maul. Die Störung dauert nur kurz, schon geht der Unterricht weiter.

Bisher nur positive Reaktionen

Nicht nur die Kinder und Lehrpersonen haben sich in die Kleine verliebt: Auch die Rückmeldungen der Eltern und der Schulleitung fallen positiv aus. «Jeder sieht die Veränderung, die Ruby bringt», sagt Alten.

Vor dreieinhalb Jahren hat sie sich für die Stelle beworben. Auf ihrem Lebenslauf war ein Foto von ihr mit ihrer älteren Hündin Kayleigh. «Mich gibts nur im Doppelpack mit Hund», sagt die Heilpädagogin und lacht. Der Schulleiter hat selbst schon Erfahrungen mit Schulhunden gemacht und war sofort mit an Bord. Auch Kayleigh ist noch ab und zu mit dabei. Der Hündin geht es aber krankheitsbedingt nicht mehr so gut wie früher, weshalb sie nun Ruby das Feld überlässt.

Aber nicht überall sind Schulhunde gerne gesehen: «Einige befürchten, es wäre unhygienisch, einen Hund im Schulzimmer zu halten», sagt Alten. «Aber da habe ich definitiv schon Schlimmeres gesehen.» Andere seien allergisch oder hätten Angst vor Hunden. Aber Alten kennt ihre Tiere in und auswendig. «Ich weiss, wie und wann ich eine Situation deeskalieren muss.»

Ein Mädchen nähert sich dem Welpen zaghaft. «Können Sie Ruby festhalten?», fragt sie Alten. Dann streicht sie ihr über das Köpfchen. Zuerst zögernd, dann immer mutiger. Am Ende der Stunde steht sie auf, geht noch einmal an Ruby vorbei und tätschelt sie. Alten beobachtet die Szene lächelnd und kommentiert: «Sie nimmt den Kindern ihre Angst.»

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