«Wo ich auch hinkam als Vertreter der Kanti Baden, wurde ich – wenn auch ironisch – auf die Prostitutionsvorwürfe angesprochen. Aber irgendwann begann das zu nerven», sagt Hans Rudolf Stauffacher, Rektor der Kantonsschule Baden. Er sitzt in seinem Büro und war nur eher widerwillig dazu bereit, über das für ihn leidige Thema noch einmal zu sprechen.

Vor über einem Monat fegte ein Sturm der Entrüstung über die Schule. Andreas Glarner, SVP-Grossrat und Gemeindeammann von Oberwil-Lieli, hatte behauptet, dass die Kanti Baden ein Drogenmekka sei und die Schülerinnen sich für Luxuskleider prostituierten. «Der ganze Medienrummel rund um die Vorwürfe bedeutete Arbeit, und frass viel Zeit», sagt der Rektor. «Emotional war ich aber nicht betroffen.

Mehr herausgefordert hat mich das Gelingen der Abschlussstunden im Ergänzungsfach Religion.» Er habe sich aber überlegen müssen, wie er auf die Anschuldigungen reagieren solle, und er musste abklären, ob man juristisch gegen Glarner vorgehen solle. Zu einer Anzeige ist es nicht gekommen.

«Verdacht war äusserst unangenehm»

Stauffacher kümmerte aber weniger der angeschlagene Ruf der Schule, sondern vielmehr das Befinden der Schülerinnen. «Die Hauptbetroffenen dieser Anschuldigungen waren ja die jungen Frauen an unserer Schule, die mit Markenkleidern herumlaufen. Der Verdacht der Prostitution war für die Schülerinnen äusserst unangenehm.» Doch es gebe junge Frauen aus gut betuchten Häusern, die sich teure Kleider leisten könnten, andere würden in der Freizeit arbeiten. «Und wenn sich Schülerinnen prostituieren würden, wäre das in erster Linie ein Problem der betroffenen Eltern und nicht der Schule», sagt Stauffacher.

Der kreative Umgang der Schüler mit den Anschuldigungen zeigte deren Unbeschwertheit. Sie druckten T-Shirts mit witzigen Sprüchen, gründeten Facebook-Gruppen und verteilten die Aufkleber «Sex, Drugs and Kanti Baden».

Glarner soll spenden

Dennoch schaltete sich die Schulkommission der Kanti Baden ein. In einem offenen Brief wurde von Andreas Glarner eine Entschuldigung verlangt. Das war vor einem Monat. «Von ihm ist bisher keine Reaktion gekommen. Ich denke, es wäre eine angemessene Geste der Schule gegenüber, wenn er sich entschuldigen würde», sagt Stauffacher bestimmt. Und dann hat der Rektor eine Idee: «Glarner könnte, wenn er der Schule etwas Gutes tun wollte, für die Festwoche zum 50-Jahr-Jubiläum der Kanti Baden etwas spenden.»

Der Sturm über der Kanti hat sich mittlerweile gelegt. Die Sonne scheint freundlich. «Für mich ist das Thema abgeschlossen», sagt Stauffacher. «Glarner hat dafür ein neues Opfer gefunden: den Schulleiter an der Kreisschule Mutschellen, der für das Austeilen der falschen Abschlussprüfungen verantwortlich gemacht wird.»