Marc Reinhard (41) steht seit 18 Jahren auf der Bühne, und er sang schon vor unterschiedlichstem Publikum: an Partys vor nur einem Dutzend Leuten, die gar nicht richtig zuhörten – aber auch schon vor 50 000 Menschen, zwischen Silbermond und den Lovebugs, mit seinen Kollegen von der Band azTon.

Bei seiner Partyband fühlt sich Reinhard eigentlich genau richtig aufgehoben: Seine Stimme und seinen Namen kennt man in der Szene, ihm wird viel Talent attestiert und seine Bühnenpräsenz bleibt in Erinnerung.

Aber Reinhard bewegte sich bisher stets in der Wohlfühlzone, ohne ganz Grosses zu wagen und das Risiko einzugehen zu scheitern, oder noch schlimmer: sich zu blamieren. Doch dann hat seine älteste Tochter auf ihn eingeredet, und es kam zu einem Deal: Sie nimmt am Gesangswettbewerb Blues Kids teil, dafür wagt Vater Reinhard ein Abenteuer: Er tritt bei der Talentshow «The Voice of Switzerland» auf – obwohl er genau jenen Sendungen gegenüber immer sehr skeptisch war.

«Ich bin ein Showman, eine Rampensau und kann inzwischen auch als Sänger überzeugen», sagt Reinhard. «Aber ich bin Realist und mache mir keine Illusionen: Es gibt in der Schweiz talentiertere Sänger, die über bessere Ausbildungen und variablere Stimmen verfügen.» Vermutlich sei er, der rockige Songs am meisten mag, in seinem Alter auch nicht mehr so formbar, wie es Plattenfirmen wünschen.

AZton am Stadtfest Baden 2012

Skepsis zu Beginn

Zu Beginn des strengen Auswahlverfahrens für die Talentshow des Schweizer Fernsehens war er denn auch skeptisch, ob er nicht fehl am Platz sei – obschon er gerne im Mittelpunkt steht, wie er sagt. Doch Reinhard schaffte es immer weiter, alle Demo-Tapes wurden für gut befunden, und heute Abend wird er zum ersten Mal im Fernsehen zu sehen sein. Die Sendung wurde bereits gedreht – wie gut er bei der Jury ankam, darf er nicht verraten. «Nur so viel: Ich war unglaublich nervös, wie noch selten. Man wird auf die Bühne geschickt, betritt einen dunklen Raum, sieht vor sich nur ein rotes Dreieck, in dem man singen darf. Dann geht es los, und man steht im Rampenlicht, mehrere Kameras filmen alles. Eine tolle Erfahrung.»

In der Show versucht Reinhard mit einem weltberühmten Hardrock-Klassiker sein Glück. Um es in die nächste Runde zu schaffen, muss mindestens einer der vier Juroren auf den Buzzer drücken. «Es wäre cool, im weiteren Verlauf der Sendung mit Marc Sway zusammenarbeiten zu können, er ist locker, ein Sprücheklopfer, wie ich auch.»

Heute Abend, wenn sein Auftritt ausgestrahlt wird, sitzt Reinhard nicht vor dem Fernseher, weil er woanders auf der Bühne steht. «Danach schaue ich mir meinen Auftritt aber genau an, ich bin echt gespannt, wie ich rüberkomme.»

Egal, wie weit er es in der Show schaffen wird: Schon jetzt steht fest, dass sich der Mut ausbezahlt hat. Seit er auf Facebook und anderen Kanälen bekannt gemacht hat, dass er im Fernsehen zu sehen sein wird, hat Reinhard Hunderte Nachrichten erhalten. «Die Unterstützung hätte ich nie in diesem Ausmass erwartet, das ist eine riesige Freude», sagt er.

The Voice of Switzerland, SRF 1, heute Samstag, 20.10 Uhr.

Marc Reinhard live: 22. März, Musikbeiz Prima Vista, Baden.