Im November 2014, viereinhalb Jahre nach dem Badener Nein zum Zusammenschluss mit Neuenhof, wurde der überparteiliche Verein Traktandum 1 ins Leben gerufen. Engagierte Personen, Politikerinnen und Politiker aus der Region formierten sich, weil sie von der politischen Lethargie in Sachen Gemeinde-Zusammenschlüsse genug hatten. Der Name des Vereins sagt es: Die Regionalstadt soll wieder Traktandum 1 werden.

Doch um den Verein ist es in den vergangenen Monaten ruhig geworden. Erst musste Erich Obrist nach seiner Wahl in den Badener Stadtrat als Vereinspräsident ersetzt werden. Doch vielmehr schien der Entscheid im Wettinger Einwohnerrat im Januar den Elan gebremst zu haben: Der Vorstoss von SP-Einwohnerrat Alain Burger, den Gemeinderat einen Zusammenschluss Baden prüfen zu lassen, wurde mit 34 Nein gegen 10 Ja abgeschmettert.

Region ist zusammengewachsen

Marco Kaufmann, der neue Präsident, wählt das Schloss Stein für den Fototermin aus. Dort eröffnet sich der Blick über die Badener Altstadt hinweg nach Wettingen. «Es ist nicht erkennbar, wo Baden aufhört und Wettingen beginnt», sagt Kaufmann.

Der Landschaftsarchitekt denkt in Räumen, die zusammenhängen. Und: «Was zusammengewachsen ist, das soll auch zusammengehören», so Kaufmann. «Ich war immer Verfechter einer Regionalstadt», sagt der gebürtige Wettinger. «Ich kam mir manchmal fast wie ein Verräter vor», erinnert sich Kaufmann an seine Zeit als Wettinger Einwohnerrat. Diesem gehörte er über 10 Jahre lang für das Forum 5430 an. In den Jahren 2012/2013 war er sogar dessen Präsident.

Dass das Präsidium des Vereins Traktandum 1 jetzt von Baden nach Wettingen wechselt, hat durchaus Symbolik, sagt Kaufmann: «Die Politik hat zwar anders entschieden. Doch ich weiss und spüre, dass in Wettingen sehr viele Menschen bereit wären für einen Zusammenschluss mit Baden.»

Zuerst Wettingen und Baden

Für den ersten «Traktandum 1-Stammtisch» kommenden Dienstag blättern Regisseur Walter Küng und Historiker Bruno Meier 50 Jahre in der Geschichte zurück. In die Zeit, als die Diskussion um die Regionalstadt auf dem Tisch lag.

Dass inzwischen sämtliche Anläufe gescheitert sind, lasse die rund 150 Mitglieder und den 14-köpfigen Vereinsvorstand nicht von ihren Bestrebungen abbringen, erklärt Kaufmann. Für ihn ist klar: «In einem ersten Schritt müssten sich Baden und Wettingen zusammenschliessen.»

Seine Erklärung: «So könnten sich beide Gemeinden in einer Position der Stärke für die neue Einheit formieren.» Er erachtet die Meinung als falsch, Zusammenschlüsse müssten nur in Notsituationen oder unter Leidensdruck entstehen.

Paradebeispiel sei für ihn Rapperswil-Jona: «Dieser Zusammenschluss, der auch nicht auf Anhieb zustande gekommen ist, hat dort einen Wirtschaftsboom ausgelöst.» Für die Region Baden-Wettingen könnte er sich ein grösseres Gebilde vorstellen.

Dabei spricht er zuerst von Neuenhof, Ennetbaden, Obersiggenthal, Würenlos, ohne die andern, weiter angrenzenden Regionsgemeinden ausschliessen oder einen festen Rahmen setzen zu wollen. Kaufmann möchte von «Zusammenwachsen» sprechen. Nicht von Eingemeindungen, «denn es ist nie gut, wenn bei Zusammenschlüssen die Stärke oder Schwäche eines Partners im Vordergrund steht». Das wecke Vorurteile und unnötige negative Gefühle. Darin habe der Grund gelegen für das Badener Nein zu Neuenhof.

Der richtige Augenblick

Dass sich ein Jahr vor den Gesamterneuerungswahlen der Gemeindebehörden zurzeit kein Kandidat einer Exekutive soweit hinaus lehnt und offen von der Fusion mit einer Nachbargemeinde spricht, sei bedauerlich.

Gerade das komplizierte Netzwerk Dutzender von Kooperationen, müsste vor Augen führen, dass eine Regionalstadt als Einheit sehr vieles vereinfachen würde, ist Kaufmann überzeugt. Die Gefahr des Identitätsverlustes, wie ihn Fusionsgegner ins Feld führen, sehe er nicht, sagt Marco Kaufmann. Dättwil und Rütihof seien die besten Gegenbeweise, und auch er würde sich weiterhin mit seiner Familie primär als Quartierbewohner fühlen.

Zusammenschlüsse müssen von unten nach oben wachsen, sagt Kaufmann. Hier sieht Traktandum 1 sein Wirkungsfeld. Doch wenn die Gemeindebehörden eine Fusion ausarbeiten, dann müssten sie sich konsequent dahinter stellen. Dies hat Kaufmann im Vorfeld der Neuenhofer Abstimmung von der Stadt Baden vermisst.

Sechs Jahre sind seither verstrichen. Es hat sich in der Zentrumsregion – abgesehen vom Killwanger Nein zu Spreitenbach – sehr wenig geregt. Dass Ennetbaden der Stadt Baden, die ihre Fusionsbereitschaft signalisierte, die kalte Schulter gezeigt habe, mag vielleicht bei Geri Müllers Affäre gelegen haben. «Es macht auch keinen Sinn, damit nach einer Ablehnung gleich wieder zu kommen», sagt Kaufmann, der nun hofft, dass mit dem Stammtisch das Thema wieder zum Gespräch wird.

Traktandum 1: Stammtisch, Dienstag, 19 Uhr, im «Zwyssighof» in Wettingen