Baden ist ein guter Nährboden für erfolgreiche Politiker, auch auf nationaler Ebene. Der Lehrer Karl Killer wurde 1927 als erster Sozialdemokrat zum Stadtammann von Baden gekürt. Nachdem er 1919 bis 1943 auch als Nationalrat tätig war, kam er 1943 als erster sozialdemokratischer Aargauer in den Ständerat.

Mit Killer stand Baden 21 Jahre lang unter einem roten Stern. Der Badener Hans Zbinden – auch bekannt als Bildungsvater, weil das Volk 2006 seine zweite eingereichte parlamentarische Initiative für einen Bildungsrahmenartikel in der Bundesverfassung annahm – amtete ab 1987 mit einem Unterbruch bis 2002 als Nationalrat.

Heute politisieren Nationalrat Cédric Wermuth und Ständerätin Pascale Bruderer in Bundesbern. Bruderer war von 2002 bis 2011 Nationalrätin und von 2009 bis 2010 sogar Nationalratspräsidentin. Interessant: Alle erwähnten Badener Politiker gehören der SP an.

Am 1. April nimmt nun der grüne Nationalrat Geri Müller sein Amt als Badener Stadtammann auf. Gemeinsam mit der neu gewählten Stadträtin Ruth Müri (team) sowie den bisherigen SP-Stadträtinnen Daniela Oehrli und Daniele Berger ist Baden die erste Stadt im Kanton Aargau mit einer rot-grünen Regierung.

Erstmals drei Frauen

Zudem amtieren zum ersten Mal in Badens Geschichte drei Frauen im siebenköpfigen Stadtrat. Wie den Zahlen des Schweizerischen Städteverbands entnommen werden kann, ist der Linksrutsch in den städtischen Exekutiven ein landesweiter Trend: 7 der 10 grössten Schweizer Städte werden heute von einer rot-grünen Mehrheit regiert.

Ein Blick auf die Tabelle mit den Wahlergebnissen des Einwohnerrats zeigt: Seit der Einwohnerrat Baden 1972 ins Leben gerufen wurde, sind die Zahlen der SP in Baden mehr oder weniger konstant. Wie der ehemalige Nationalrat Hans Zbinden erklärt, war die SP seit Karl Killer konstant im Stadtrat vertreten.

Ein für die SP Baden einschneidendes Ereignis sei die nukleare Katastrophe von Tschernobyl in der Ukraine gewesen. «Mit der Atom-Diskussion nahm die SP eine grosse Wende. Die Partei musste ihr Verhalten ändern.»

Er sei im Gegensatz zu vielen anderen AKW-Gegner der ersten Stunde gewesen. Zu Veränderungen bei der SP Baden kam es in den 80er-Jahren. «Die SP Baden war von älteren, männlichen Mitgliedern dominiert.

Ihre Meinungen gegenüber der neuen Jugendbewegung, was die Atomenergie und Umweltanliegen betraf, waren sehr konservativ», sagt SP-Grossrat Jürg Caflish. Letzteres habe sogar zu Konflikten zwischen der SP und der Juso geführt.

Gegen Ende der 80er-Jahre habe sich die Partei anders präsentiert. Es waren viel mehr Frauen und Junge in der Partei. Die SP hatte wieder mehr Sitze im Einwohnerrat und mit Pia Brizzi eine der ersten Frauen im Stadtrat.»

Verstärkung im linken Flügel

Mit dem «team 67» erhielt die SP Verstärkung im linken Flügel. Das «team 67» entstand während der Jungendrevolte in den 68er-Jahren und war die erste ökologische Bewegung in der Schweiz. 1967 galt sie in mehreren aargauischen Gemeinden als Abspaltung der jungfreisinnigen Partei.

Sie verstand sich als unabhängige Bewegung, welche die Politik durch innovative und unkonventionelle Lösungen bereichern wollte und dies auf kommunaler und kantonaler Ebene auch tat, wie auf der Internetseite des «team baden» zu lesen ist.

1971 distanzierte es sich grundsätzlich von den traditionellen bürgerlichen Parteien und bekannte sich zu einer Linkspolitik. Nebst den linken wurden auch grüne Anliegen immer wichtiger. Auf Dauer erwiesen sich die Lokalgruppen als zu klein, mit Ausnahme von Baden.

Heute hält das team im Einwohnerrat sieben Sitze (14%). Die neue Stadträtin Ruth Müri ist Fraktionspräsidentin des «teams». Im «team 67» waren Altnationalrat Silvio Bircher, Altnationalrätin Ursula Mauch und Geri Müller.

Mit seinem Doppelmandat tritt Geri Müller in die Fussstapfen von Karl Killer. Dieser genoss als National- und Ständerat auch im eidgenössischen Parlament Ansehen, wie aus dem Geschichtsbuch von Otto Mittler hervorgeht.

Wirtschaftsnöte besser überstanden als andere

Unter seiner Leitung habe die Stadt die Wirtschaftsnöte der dreissiger Jahre – mithilfe der in guten Jahren angelegten Reserven – besser als andere Krisengemeinden überstanden. Während seiner Amtszeit wurden in Baden der Schlachthof, das Bezirksschulhaus, das Terrassenschwimmbad, die Friedhofanlage Liebenfels gebaut sowie das städtische Krankenhaus erweitert.

Gemäss dem historischen Lexikon der Schweiz setzte sich Killer im Nationalrat vor allem für die Bekämpfung der Tuberkulose und bei der Revision des Alkoholgesetzes ein. Im Ständerat habe er während des 2. Weltkriegs die eidgenössische Begnadigungskommission präsidiert.

Karl Killers Tod bewegte: «Baden hat seinem verstorbenen Stadtammann viel zu danken. Badens Wohlergehen stand bei ihm immer in vorderster Linie», ist im Badener Tagblatt vom 7. Januar 1948 zu lesen.