«Die Ruine ist das Wahrzeichen der Stadt Baden, weitherum sichtbar als geschichtliche Erinnerung», sagt Pierre Mollet. Neu habe sie dieses Jahr eine andere Bedeutung erhalten: «Die Ruine wurde zum Sinnbild der Ehre der Stadt. Es ist nun an der Zeit, Baden zu seinem Glanz zurückzuführen.»

Pierre Mollet setzt sich für einen Wiederaufbau der Schlossruine Stein ein.

Pierre Mollet setzt sich für einen Wiederaufbau der Schlossruine Stein ein.

Pierre Mollet lebte 25 Jahre lang in jenem Haus in Baden-Dättwil, das auf den Grundmauern des Schlosses Dättwil erbaut worden war. Heute wohnt er nach zwölf Jahren «Exil» an der Rütistrasse. Zu jeder Tages- und Nachtzeit falle sein Blick aus dem Fenster auf die Schlossruine. Bis ihn die Idee nicht mehr loslassen wollte: Die Ruine soll wieder zum Schloss in seiner vollen Grösse werden. «Baden muss an seiner Identität arbeiten», so Mollet. Dieses Projekt wäre einem Neuanfang gleichbedeutend und würde die Stadt zu neuem Glanz führen.

Vision als Krisenbewältigung

Er fühle sich zwar in Baden und im Kreis seiner Bekannten sehr wohl, erklärt Mollet. Über die jüngsten Entwicklungen in der Stadt sei er jedoch gar nicht glücklich. «Darum muss Baden aus der gegenwärtigen Krise heraus finden.» Wegen der «kurzsichtigen Querelen auf dem politischen Parkett hat die einstmals innovative Stadt ihre Weiterführung verpasst». Das Renommee der einstigen Industriestadt mit Weltruf sei havariert. Das zeige auch der Verlust der Zurich International School, sagt Mollet. Darum bedürfe es einer Neubesinnung, lautet seine Meinung. Und es sei nie zu spät, die Identität neu zu gestalten. «Dass Baden kein Thermalbad mehr hat, ist doch unbegreiflich. Zum Glück wird das nun endlich korrigiert.»

Wer auch den Wiederaufbau der Schlossruine als «verrückte Idee» betrachten mag: Für ihn ist es eine ernste Sache. Seine Umfrage im Bekanntenkreis habe allerdings mehrheitlich dasselbe Echo ausgelöst: «Die Idee ‹Wiederaufbau Schloss Stein› wird zwar oft als ‹unrealistisch› bezeichnet», berichtet Mollet. Das könne man so betrachten, doch es zeige ihm einmal mehr, dass es Ideen, die weg vom Alltäglichen führen, nicht leicht hätten, «obwohl es gerade solche Visionen für die Zukunft braucht», erklärt er überzeugt.

Er verweist ausserdem in die Vergangenheit: «Es sind wiederholt querdenkerische Philosophien gewesen, die uns jeweils neue Horizonte eröffnet haben.» Aber, so laute seine Bedingung: «Es darf nicht bei den Ideen bleiben. Es müssen dann Taten folgen.»

«Baden ist. – Baden war. – Baden wird.» – so laute seine Analyse, gestützt auf den Werbeslogan der Stadt. Pierre Mollet knüpft damit an die Geschichte der Stadt und des Schloss Steins an, das 1712 nach dem Zweiten Villmergerkrieg zerstört wurde. Vielerorts seien Kriegsschäden eliminiert worden oder man habe Zerstörtes neu aufgebaut. «Die Stadt Baden kann das doch auch», schliesst er daraus.

Alle müssen anpacken

Um die Ruine wieder zum Schloss in voller Grösse werden zu lassen, brauche es «tout Baden», sagt Mollet und erklärt, wie er sich die Realisierung vorstellen könnte. Ein konstruktiv arbeitender Stadtrat würde mit vollem Elan an die Sache heran gehen, lautet seine Überzeugung. Vor allem wenn es darum gehe, das Image der Stadt zu verbessern. «Der Stadtrat soll seine ganze Energie für diese identitätsfördernde Idee einsetzen.»

Es brauche ausserdem Sponsoren, Planer in allen Fachbereichen, unterstützt von Historikern. Letztlich würden Gewerbetreibende, Gastwirte, Kunstschaffende benötigt, die gemeinsam das Schloss wieder beleben könnten. Denn das wieder erbaute Schloss soll der ganzen Bevölkerung zugänglich sein und nicht nur Wahrzeichen sein, sondern zum identitätsstiftenden Aushängeschild der Stadt werden.

Die eher angespannte Finanzlage der Stadt dürfe kein Hinderungsgrund sein, die Realisierung einer Vision fallen zu lassen, sagt Pierre Mollet, angesprochen auf die Frage der Finanzierung. Er könne sich durchaus vorstellen, dass an der Architekturabteilung der ETH genügend Interesse vorhanden wäre, um an der Ausgestaltung dieses Projektes mitzuarbeiten. Wenn einmal eine Visualisierung zeigen könnte, wie sich das Ganze präsentieren würde, hätte man die notwendigen Argumente, um wichtige Stellen bei der Denkmalpflege, beim Bund und beim Kanton von der Bedeutung und der Chance dieses Vorhabens zu überzeugen.