Baden

Die Ruine Stein wird verarztet: 30'000 Franken gegen den Riss

Eingerüstet: ein Drohnenflug über die Bauarbeiten an der Ruine Stein

Eingerüstet: ein Drohnenflug über die Bauarbeiten an der Ruine Stein

In schwindelerregenden Höhen kämpfen Bauarbeiter gegen einen Riss auf der Südseite des Turms an. 30'000 Franken investiert die Stadt in die diesjährigen Sanierungsarbeiten am Turm.

Die ersten Frischluftfanatiker sonnen sich dieser Tage auf der Ruine Stein. Fast alle Touristen zücken das Handy, um das Gerüst am Turm der Ruine zu fotografieren. «Letztens kam eine Schulklasse vorbei. Die Kinder dachten, wir bauen das Schloss wieder auf», sagt Reto Schwitter und lacht. Der Baustellenleiter und seine Arbeitskollegen sind seit vergangener Woche an der Südseite des Turms tätig. Die Wettinger Baufirma Sekinger AG, die auf Pflege und Erhalt historischer Bauten spezialisiert ist, wurde von der Stadt mit den Sanierungsarbeiten betraut.

Das Gerüst sieht von unten grösser aus, als es ist, befindet Reto Som, Leiter Technischer Unterhalt der Stadt Baden: «Das sind normale Unterhaltsarbeiten. Wenn wir die nicht routinemässig machen, ist die Ruine irgendwann keine Ruine mehr, sondern ein Steinhaufen.» 30'000 Franken investiert die Stadt in die diesjährigen Sanierungsarbeiten am Turm. Aussergewöhnlich seien die Arbeiten nicht, sagt der 32-Jährige. So sei vor einigen Jahren die Ostseite des Turms saniert worden. Das prominente Gerüst sticht allerdings schon ins Auge.

Der Aufstieg erfolgt über Leitern und Gerüsttreppen. Die sonst geschlossene Türe zur Wendeltreppe im Innern des Turms steht offen, die Bauarbeiter haben ihre Utensilien darin verstaut. «Höhenangst hat hier niemand?», fragt Reto Schwitter, während er zielstrebig hinaufstapft. Angebracht ist die Frage schon: Die Ruine Stein liegt mit 445 Höhenmetern rund 60 Meter über der Stadt. Das Gerüst wirkt glücklicherweise stabil, um die windarme Witterungslage darf man dankbar sein.

Die zweite Etage ist gesäumt von Bauschutt. Auf dem von Baustaub überzogenen Gerüstboden steht ein Eimer mit angerührtem Mauermörtel, in der Turmwand klafft ein Loch. Gleich am ersten Arbeitstag bröselte es aus der Wand. Schwitter: «Sowas bremst uns natürlich aus.» Daran zeigt sich, weshalb die Bauarbeiten nötig wurden: Ein fünf Zentimeter tiefer Riss zieht sich vom oberen zum unteren Ende des Turms. Seine Mitarbeiter klettern jedes Jahr die Ruine ab, erklärt Projektleiter Albert von Rüti. «Im November haben wir den Riss entdeckt.»

Mauermörtel aus dem Mittelalter

Etappenweise arbeitet sich das Team nun von oben nach unten den Riss entlang. Zuerst wird alle 50 Zentimeter eingezeichnet, wo eine Mauerwerksbewehrung gesetzt wird. Diese Anker werden wie Pflaster horizontal entlang des Risses gesetzt. Sie sollen verhindern, dass sich der Riss weiter ausbreitet. Anschliessend werden die Fugen ausgekratzt und mit Mauermörtel, mitunter bestehend aus Zement und Sumpfkalk, gefüllt. «Der Sumpfkalk ist am wichtigsten. Damit wurde im Mittelalter gearbeitet. Mit der Mörtelmischung müssen wir uns an das alte Gemäuer anpassen», erklärt von Rüti.

Die Burg wurde vermutlich im 11. Jahrhundert von den Grafen von Lenzburg gegründet und 1415 von den Eidgenossen zerstört. Im 17. Jahrhundert wurde die Ruine als Festung wieder aufgebaut und während des Zweiten Villmergerkrieges 1712 erneut zerstört. Seit 1837 ist das Gelände öffentlich zugänglich. Auf dem obersten Plateau des Gerüsts angekommen, ergibt sich ein unvergleichlicher Blick über die ehemaligen Badener Ländereien.

Mit einem grossen Schritt könnte man die Turmspitze, wo der Fahnenmast befestigt ist, betreten. Sofern man schwindelfrei ist, versteht sich. Der Öffentlichkeit bleibt der Aufstieg verwehrt – die Wendeltreppe im Turminnern ist zur regelmässigen Benutzung zu gefährlich. Noch bis voraussichtlich Ende dieser Woche soll das Gerüstkleid den Turm säumen.

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