Baden-Rütihof
Die Schauspieler haben mit Herzblut gespielt und gesungen

Mit dem Stück «Villa Tatort» hat das Remisetheater keine sehr gute Wahl getroffen. Die Figuren bleiben zwischen Krimi und Komödie stecken und doch: Das Stück bietet so einige Überraschungen.

Rosmarie Mehlin
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Das Zusammensein von weiblichen Familienangehörigen und Angestellten verläuft nicht immer harmonisch. Emad Osman

Das Zusammensein von weiblichen Familienangehörigen und Angestellten verläuft nicht immer harmonisch. Emad Osman

Emad Osman

Über die holzigen Stiegen hinaufgestiegen, unter Kristalllüstern Platz genommen. Und schon ist man erwartungsfroh eingelullt in der reizvollen Atmosphäre der Remise in Rütihof, wo seit einem Dutzend Jahren Theater gespielt wird. Diesmal ist es «Villa Tatort», eine Krimikomödie, basierend auf «Huit Femmes» des bei uns wenig bekannten französischen Autors Robert Thomas (1927-1989).

Schneeflocken fallen vom Remisehimmel, in Reih’ und Glied nehmen acht Frauen, altersmässig aus drei Generationen, auf der Bühne Platz. Leises Summen ertönt, schwillt an, wird zum Berliner Gassenhauer «Es liegt was in der Luft. . .»: Aha, denkt sich der geneigte Zuschauer, da tut sich Geheimnisvolles.

Und ob! Ja mehr noch gar Schreckliches passiert. Der Hausherr liege, wird kundgetan wird, in seinem Blute, in seinem Rücken stecke ein Messer.

Ruth Rohr zeichnet für die Mundartfassung verantwortlich, wobei etwas unverständlich ist, dass nebst den Dialogen nicht auch die Namen aus Frankreich in helvetische Gefilde transportiert worden sind.

Vor dem Hintergrund des Mordes, werden in «Villa Tatort» die Verhältnisse innerhalb einer Familie aus besserem Hause aufgerollt. Dabei mangelt es nicht an Klischees: Intrigen, Betrügereien, Eifersucht, Liebesaffären, Neid, Hypochondrie, ein lediges schwangeres Töchterlein, vergiftete Hunde, treue und untreue Hausangestellte.

Viel Konfusion, viel Lärm um nichts? Eigentlich schon, denn «Villa Tatort» ist letztlich weder Kriminalstück, noch Komödie. Für beides ist allzu vieles voraussehbar oder nur angedeutet, verpufft ins Scheinwerferlicht hinaus, ist unschlüssig und bleibt unaufgeklärt. Dem Stück fehlt es schlicht an Dramaturgie und dadurch an Spannung.

Dafür, dass die 90 Minuten dennoch streckenweise vergnüglich sind, sorgen zum einen die Darstellerinnen, die mit viel Energie, Herzblut und teilweise auch viel Talent das Beste aus den ziemlich schwammigen Figuren machen.

Zum anderen haben zahlreiche musikalische Einlagen grossen Unterhaltungswert. Der Einfall der professionellen Regisseurin Eva Schneid, das Geschehen mit Schlagern anzureichern, ist bestens gelungen: Am Bass wunderbar begleitet von Thomas Fricker, werden da solo und im Chor, teilweise zusätzlich witzig choreografiert, mit Inbrunst und Können zahlreiche Hits von einst gesungen wie «So schön kann doch kein Mann sein», «Schuld war nur der Bossa Nova», «Comme un enfant» bis «Arrivederci Hans». Das sind die Momente, die in der Remise so richtig Spass und Freude machen. Apropos Freude: Die stellt sich auch beim Genuss des kulinarischen Angebotes ein.

«Villa Tatort» bis 31. August. Weitere Infos unter www.remisetheater.ch.

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