Badener Fasnacht
Die Schränzer-Clique hat sich nach 56 Jahren mangels Nachwuchs aufgelöst

Eine traditionelle Guggenmusik wird an der Badener Fasnacht 2013 keinen Ton mehr von sich geben: Die Schränzer-Clique hat an ihrer ausserordentlichen GV ihre Auflösung beschlossen. Über viele Jahre hinweg war sie eine der grössten Badener Guggen.

Roman Huber
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Die Schränzer an der Badener Fasnacht 2012
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Eine Schränzer-Dreingabe im Jahre 2008 in den Gassen der Stadt Bern
Schränzer als Aargauner an ihrer letzten Fasnacht - 2012
Schränzer sind unter den Masken auch immer toll geschminkt gewesen
Schränzer an der Fasnacht 2010 zu später Stunde auf dem Cordulaplatz
Dämonische Schränzer posieren an der Fasnacht 2007 vor dem Amtshaus in Baden
Die Schränzer-Clique Baden an der Fasnacht 2011 in der Badstrasse
Auch in Dornstetten hat man die Schränzer gekannt

Die Schränzer an der Badener Fasnacht 2012

AZ

Sie gehörten jahrelang zu den besten Guggenmusiken in der Schweiz, holten sich in den früheren 80-ern gleich dreimal den Titel eines Schweizer Meisters am Guggentreffen im Tivoli Spreitenbach und reisten sogar in ganz Europa umher. Die Rede ist von den Schränzern.

Die 1966 gegründete Guggenmusik prägte über Jahrzehnte die Badener Fasnachtsszene. Oftmals waren es über 40 Musikantinnen und Musikanten, die mehr oder weniger gekonnt gemeinsam den kakofonischen Sound besorgten. Lorenz Bräm, der die Schränzer-Clique 20 Jahre als Präsident geführt hatte, erinnert sich noch gut an die vielen Auftritte, unter anderem an das grandiose Gastspiel zusammen mit den Badener Schlümpfen in der Münchner Olympiahalle.

In ihrer Blütezeit konnte sich die Gugge gar erlauben, keine neuen Mitglieder mehr aufzunehmen. Doch dies begann sich zu rächen. Vor knapp zehn Jahren bekamen Schränzer einen ersten Aderlass zu spüren. «Viele Mitglieder waren älter geworden und wollten es ruhiger nehmen», erinnert sich Bräm. Dann verselbständigte sich die Schnitzelbank-Equipe der Schränzer als «Ultimo Giro». Dank eigenem Nachwuchs und musikalischen Bemühungen konnte sich die Schränzer-Clique noch mehrerer Jahre über Wasser halten.

Die Schränzer-Clique setzten sich meistens in eher düsteren, furchterregenden Kostümen und Masken in Szene. Über viele Jahre hinweg gestalteten sie für die Fasnacht auch herrliche Grinder als Vollmasken.

Auch als nach der Fasnacht 2011 der Aktivbestand unter die Grenze des vollen Dutzends fiel, gab man noch nicht auf. Mit einer neuen musikalischen Leiterin wollte man die Fasnacht 2013 in Angriff nehmen. Doch mit der geringen Probepräsenz sei der Elan gewichen, erzählt Lukas Bräm, der als Präsident das Amt übernommen hat, das sein Vater bereits ausübte. Aufgrund der mageren Beteiligung traten plötzlich weitere Mitglieder aus, ebenfalls aus dem Vorstand. Dass gerade er nun quasi als Totengräber der ausserordentlichen Generalversammlung diesen drastischen Schritt beantragen musste, sei für ihn wohl bitter, aber unausweichlich gewesen.

Mit der Auflösung übergibt die Schränzer-Clique aus ihrem Fundus zwei Pauken und ein Sousaphon den Vereinigten Fasnachts-Gruppen Baden. «Nun werde ich meine Posaune wohl endgültig einmotten», sagt Lorenz Bräm und schwelgt dabei nochein bisschen in den Erinnerungen. Für seinen Sohn Lukas ist das Thema Fasnacht aber keineswegs abgeschlossen. «Zurück zu den Wurzeln«, sagt er, waren doch die Schränzer aus der Bloser-Clique hervorgegangen. Dort hat er nun wieder närrischen Unterschlupf gefunden – und auch sicheren: Die älteste Badener Guggenmusik hat nämlich ihre Krise bestens und schon vor längerer Zeit überstanden.