Die Schumanns sind das Highlight an der Taufe der sinfonia.baden

Dirigentin Felicitas Gadient (Mitte) bedankt sich bei ihrem Orchester und beim Schumann-Quartett für deren Einsatz. Susanne Venditti

Dirigentin Felicitas Gadient (Mitte) bedankt sich bei ihrem Orchester und beim Schumann-Quartett für deren Einsatz. Susanne Venditti

Die verjüngte Orchestergesellschaft heisst neu sinfonia.baden und stellt sich mit einem Festkonzert im Trafo vor

Wird ein Kind getauft, gibt es ein Fest - mit Glückwünschen und Reden. Genau diese sind am ersten, als «festliches Konzert» deklarierten Anlass der sinfonia.baden aber nicht zu hören. Dafür Musik. Sie lag der Orchestergesellschaft Baden am Herzen, die jetzt ihren Namen abgelegt und — mit ehemaligen Mitgliedern des Siggenthaler Jugendorchesters verjüngt — neu als sinfonia.baden weiterlebt. Mit der Politikerin und Musikkennerin Christine Egerszegi und dem Cellisten Daniel Schaerer (Duo Calva) stehen dem Klangkörper zwei famose Paten zur Seite. Dass diese und das Publikum bei der Taufe beeindruckt werden sollen, war klar. Doch mit welchen Werken?

Die Dirigentin Felicitas Gadient verfährt nach einem bewährten Rezept. Sie setzt neben Bekanntes wie Mozarts «Idomeneo»-Ouvertüre und Schumanns Sinfonie Nr. 3 «Rheinische» eine Rarität: Louis Spohrs Konzert für Streichquartett und Orchester. Damit landen Gadient und die sinfonia.baden einen Coup, denn dieses Werk wird wunderselten gespielt. Dabei ist es reizvoll, weil es die Solistenrolle nicht einem Einzelnen, sondern einem Quartett zueignet. Wie hört es sich an? Geschmeidig, süffig, elegant. Kurzum: Das Konzert ist durch seine Verzahnung schwelgerischer Kantilenen, die von den Violinen über die Bratsche bis zum Cello wandern, ein Ohrwurm.

Schön ist, wie sich das Quartett einerseits vom Orchester abhebt, um solistisch zu brillieren und andererseits, wie es sich immer wieder auch nobel zurücknimmt. Wer vermag solches mit so viel Sinn für die grossen Bögen, die Artikulation und die klanglichen Schattierungen zu spielen? Das junge Schumann Quartett, das zu den Überfliegern der Kammermusik-Szene zählt. Man versteht weshalb: Die Vier sind aufeinander eingeschworen, aber mit Spielraum für individuelle Gestaltung. Die ungekünstelte Ausstrahlung der Schumanns, die mit zwei Zugaben (Haydn) überraschen, passt zur Frische der verjüngten sinfonia.baden. Dass sie ihr Tauffest mit Schumanns «Rheinischer» beendet, ist wohl kein Zufall. Laut dem Komponisten widerspiegelt diese Sinfonie «vielleicht hier und da ein Stück Leben». Im Trafo-Saal gewiss. Die Dirigentin verzichtet auf Ausdrucks- und Tempoextreme in den wellenförmigen Bewegungen dieser Komposition; ein abwechselnd sanfter, aber auch kräftiger Puls hält die Sätze im Fluss. Es gibt viel Schwung in dieser Sinfonie, die ihrem Namen «Rheinische» in der Interpretation von Felicitas Gadient und der sinfonia.baden alle Ehre macht.

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