Fislisbach
Die Seele tief berührt – bereits mit den ersten Worten und Takten

Der St. Agatha Chor hat mit tiefsinniger Literatur eine reife Leistung geboten. Ob religiös oder nicht – die musikalisch transportierten geistlichen Texte berührten jeden tief.

Matthias Steimer
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Überzeugte: Der St. Agatha Chor.

Überzeugte: Der St. Agatha Chor.

matthias steimer

Fislisbach Der St. Agatha Chor hat mit tiefsinniger Literatur eine reife Leistung geboten. «Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu Dir» – ein eindrückliches Bild, gezeichnet im Psalm 42, vertont von Felix Mendelssohn Bartholdy, gesungen vom St. Agatha Chor am Sonntagabend in der katholischen Kirche Fislisbach.

Es waren diese ersten Worte, diese ersten Takte des Chores, die dem Publikum schon viel zu denken aufgaben. Ob religiös oder nicht, die musikalisch transportierten geistlichen Texte berührten die Seele eines jeden tief.

Solistische Topbesetzung

Passend trug das Konzert den Titel «Aus der Tiefe». Die gleichnamige doppelchörige Psalmvertonung von Heinrich Schütz bildete das Herzstück des Auftritts. Der St. Agatha Chor positionierte sich hierzu auf der Bühne, daneben die Solisten.

Gefühlsbetont und vorzüglich barock sangen die Solisten, die bestens harmonierten. Tabea Herzog (Sopran), Laura Binggeli (Alt), Marcel Fässler (Tenor) und Markus Frey (Bass) erwiesen sich auch für die Motetten von Hugo Distler, der sich an der barocken Musik orientiert hatte, als Topbesetzung – ein ausgesprochen stimmiger Klang, fein und transparent.

Gleichermassen überzeugte der Chor. Die Sängerinnen und Sänger mussten sich intensiv mit der Literatur auseinandergesetzt haben. Sichtbar und hörbar wussten sie, wovon sie sangen.

Unter der Leitung von Stefan Müller brachten sie den nicht immer einfach zugänglichen Text musikalisch auf den Punkt. Dem Chor gelangen starke Klangmomente, sei dies beim Abendlied von Josef Gabriel Rheinberger oder bei der Messe in D von Antonin Dvorak.

Stets sangen die Solisten unterstützend mit. Schade diesbezüglich, dass sich das Bassregister zwischenzeitlich mehr nach dem Solisten denn nach dem Chor anhörte; etwas mehr Zurückhaltung des Profis hätte gutgetan. Für souveräne Orgelzwischenspiele sorgte Jonas Herzog, am Cembalo begleitete Thomas Jäggi.

Blick ins Leere

Der reifen Leistung aller Beteiligten und dem intellektuellen Tiefgang des Programms zum Trotz störte die Tatsache, dass das äusserst zahlreich erschienene Publikum zu lange ins Leere blicken musste, weil der Chor über weite Teile des Konzerts auf der Empore platziert war.

Zu erklären ist dies mit der zwingenden Nähe zur Orgel, zu lösen mit einem Stück weniger, das Orgelbegleitung benötigt.

St. Agatha Chor, Offenes Singen: Sonntag, 1. Dezember, 17 Uhr, katholische Kirche Fislisbach.

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