Obersiggenthal

Die Sehnsucht klingt einmal auf Deutsch und einmal auf Amerikanisch

Der Kirchdorfer Chor singt zum Palmsonntag Werke von Schumann und Lauridsen. ZVG

Der Kirchdorfer Chor singt zum Palmsonntag Werke von Schumann und Lauridsen. ZVG

Der Kirchdorfer «coro sonoro» führt zwei sehr unterschiedliche Werke auf – eines haben der amerikanische Komponist und der Deutsche Robert Schumann aber gemeinsam

Der coro sonoro spürt den Frühling und bringt seine Gefühle mit einem ganz besonderen Konzert zum Ausdruck. An den Palmsonntagskonzerten «Nur wer die Sehnsucht kennt…» singt der Kirchdorfer Chor Passagen aus Robert Schumanns «Der Rose Pilgerfahrt» und das Werk «Lux Aeterna» des amerikanischen Komponisten Morten Lauridsen.

Schumann liess «Der Rose Pilgerfahrt» 1851 im Musiksalon seiner Düsseldorfer Wohnung uraufführen. Am Klavier sass damals seine Ehefrau Clara. Dass der coro sonoro Schumanns Stubenkonzert nun mit grossem Chor und den beiden Solistinnen Noëmi Sohn Nad (Sopran) und Antonia Frey (Alt) im Kirchdorfer Gotteshaus zur Aufführung bringt, ist dabei alles andere als ein Stilbruch. «Konzerte in den Privatwohnungen der Komponisten waren Mitte des 19. Jahrhunderts üblich», erklärte Chorleiterin Margret Sohn.

Schumann hat das Werk später durch eine orchestrierte Verfassung «für die Massen» ergänzt. Der coro sonoro singt am Wochenende aber Passagen aus der Originalfassung. «Das Werk ist voller Sehnsucht, voller Wehmut und – typisch für die romantische Epoche – voller fast übertriebener Emotionen», so Margret Sohn. Die menschgewordene Rose in Schumanns Komposition, die nach einem erfüllten Leben auf Erden dem Ruf der Engel folgt und sich «zu deinen Blumen nicht, / Zu uns, zu höh’rem Licht» emporschwingt, geht im himmlischen Licht, im lux aeterna auf.

Mehrstimmige Disharmonie

Schumanns Schlussakkorde sind ein kompositorischer Steilpass für Lauridsens «Lux Aeterna», das Schumanns literarisches Motiv aufgreift und in wunderbar mehrstimmige, teils disharmonische Klänge verpackt. Margret Sohn hat den «genialen Klangkünstler» – der angeblich alle seiner Kompositionen auch selber singt, um sicherzustellen, dass jede Stimme für die Sänger «anmutig und lyrisch» sei – erst kürzlich für sich entdeckt.

«Es mag ein wenig hochgegriffen klingen, aber Lauridsens Musik schien mir wie geschaffen für unseren Chor. Diese Klänge, dieses mehrstimmige Kunstwerk in der Kirchdorfer Kirche aufführen zu dürfen, darauf freuen wir uns gewaltig.» Begleitet wird der coro sonoro bei der Aufführung von Lauridsens «Lux Aeterna» von einem 16-köpfigen Ad hoc-Orchester.

So schön klingt Sehnsucht

Mit den beiden unterschiedlichen Werken will der coro sonoro Sehnsucht wecken: Sehnsucht nach Leben, nach Frühling, nach Freundschaft, nach erfüllter Liebe, nach ewigem Licht. Das akustische Vergnügen ist garantiert. Nicht nur für jene, die – wie der Konzerttitel vermuten lässt – die Sehnsucht kennen, sondern für alle, die erleben wollen, wie vielfältig und schön die Sehnsucht klingen kann.

Palmsonntagskonzerte mit coro sonoro am Sa, 12.4. um 20 Uhr in der Kirche Kirchdorf, So, 13.4. um 19 Uhr in der Kirche Kirchdorf.

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