Ein Kredit von 260'000 Franken zur Beteiligung am Umbau des Badener Kurtheaters scheiterte knapp. Insgesamt kostet die Sanierung des Badener Theaters rund 34 Millionen Franken, doch die Stadt wird nicht alle Kosten alleine tragen müssen: 18 Gemeinden der Region Baden beschlossen, sich mit insgesamt 2 Millionen Franken an den Kosten zu beteiligen.

Begründung: Das Kurtheater sei ein Image-Träger der Region und leiste einen wichtigen Anteil zur Standort-Attraktivität der ganzen Region. Auch der Obersiggenthaler Gemeinderat hatte sich gegenüber dem Regionalplanungsverband «Baden Regio» bereits für eine Beteiligung ausgesprochen – mit dem Vorbehalt, dass der Einwohnerrat noch zustimmen müsse. Das Gemeindeparlament sprach sich mit 20 Nein- gegenüber 17 Ja-Stimmen nun aber gegen den Kredit aus. Gemeindeammann Dieter Martin (FDP) hatte vergeblich für eine Annahme des Kredits geweibelt: «Wir sollten Solidarität mit unseren Nachbarn bekunden. Das Kurtheater ist ein Standortvorteil, auch für uns.»

Der Einwohnerrat lehnte ein weiteres Projekt von regionalem Interesse ab: Einen Kredit von 492'500 Franken für den Mättelisteg über die Limmat, der das Obersiggenthaler Oederlin-Areal mit Baden verbinden soll. Dieser Kredit sollte zwar erst dann ausgelöst werden, wenn vonseiten  der Entwicklungsträger des Oederlin-Areals eine verbindliche Zusicherung für eine Kostenbeteiligung in derselben Höhe vorliege. Dennoch wurde der Kredit mit 25 zu 12 Stimmen deutlich abgelehnt. 

Nicht einmal zur Abstimmung kam ein ursprünglich vorgesehener Kredit für die Beteiligung am Wettinger Sportzentrum Tägerhard, das so wie das Kurtheater von den umliegenden Gemeinden mitfinanziert werden soll. Obersiggenthals Gemeinderat teilte Baden Regio bereits im Sommer mit, man verfüge selber über eigene Sportanlagen mit regionaler Ausstrahlung.
In den Wintergemeindeversammlungen werden die Kredite in weiteren Baden-Regio-Gemeinden zum Thema. Auch das finanziell angeschlagene Turgi ist nicht mehr bereit, die ursprünglich vorgesehenen Beiträge für das «Tägi» und das Kurtheater zu berappen.

«Wir haben dem Verband Baden Regio mitgeteilt, dass wir die Beiträge halbieren müssen», sagt Gemeindeammann Adrian Schoop (FDP). «Wir anerkennen, dass Baden eine Zentrumsfunktion hat, von der wir auch als Nachbargemeinde profitieren. Wir sehen auch, dass die Stadt dadurch zusätzliche Lasten tragen muss, aber unsere finanziellen Mittel sind knapp.»

Er hoffe, dass irgendwo am umgebauten Kurtheater auch der Name Turgi vermerkt werde, «wenn wir schon einen finanziellen Beitrag leisten». Das Problem der regionalen Solidarität besteht für Schoop darin, dass die umliegenden Gemeinden zwar bezahlen sollen, aber viel zu wenig Mitspracherecht hätten. «Die umliegenden Gemeinden hätten das 34 Millionen teure Umbauprojekt wohl ein wenig abzuspecken versucht.»

Roland Kuster (CVP), Präsident von Baden Regio und Wettinger Gemeindeammann: «Wir haben mit Bedauern zur Kenntnis genommen, dass Obersiggenthal keine Beiträge für das Kurtheater und das Tägi spricht. Es ist schade, dass Abmachungen aus dem Jahre 2012 nicht verlässlich eingehalten werden können.» Die regionale Solidarität sieht er nicht gefährdet: «Gemeinsam Probleme zu lösen, ist ein Gebot der Stunde.»

Zur Kritik von Adrian Schoop, Gemeinden müssten ein Mitspracherecht haben, wenn sie teure Projekte mitfinanzieren, sagt Kuster, es handle sich beispielsweise beim 50-Millionen-Projekt Tägi nicht um einen derart substanziellen Beitrag, dass daraus eine Mitbestimmung abgeleitet werden könnte. Im Übrigen hätten die Gemeindeammänner von Baden Regio beschlossen, durch Freienwils Gemeindeammann Robert Müller nur in der Projektsteuerung «Umbau Kurtheater» vertreten zu sein. Das Angebot von Wettingen, in der Projektsteuerung des Sanierungsprojektes vertreten zu sein, sei nicht gewünscht worden.