Sie soll Themen beleuchten, die im Fokus der Gesellschaft stehen. Viele waren dem Aufruf gefolgt. Ob dies am prominenten Moderator lag? Denn Jung-Nationalrat Cédric Wermuth leitete durch den Abend. Gesprächspartner in der Unvermeidbar war Franz Schultheis, Soziologe und Professor der Uni St. Gallen.

Zu Beginn gab Schultheis einen Überblick zur politischen Situation Europas. Er selbst habe verschiedene Studien zum Thema durchgeführt: «Das Thema Jugendarbeitslosigkeit liegt mir am Herzen.» Die prekäre Lage sieht der Soziologe als Folge von strukturellen Problemen im fortgeschrittenen Kapitalismus. Die stetige Verknappung der Arbeit führe zu einer kritischen Situation auf dem Arbeitsmarkt und wirke sich auf jene aus, die noch nicht darin integriert sind.

Die Folgen für die Jugendlichen seien verheerend: ungesicherte und befristete Arbeitsverhältnisse sowie unterbezahlte Praktika und Volontariate. «Eine solche Ausbeutung endet im Rechtspopulismus», erklärte Schultheis polemisch, «die Jugendlichen suchen sich jemanden als Opfer, der noch schwächer ist.»

Protektionistisches Europa

Die Diskussion zwischen Schultheis, Wermuth und dem Publikum – zu gewissen Zeiten fühlte man sich an eine Vorlesung erinnert – bewegte sich auf einem hohen intellektuellen Niveau. Dass es sich dabei um eine Veranstaltung der SP handelte, war denn auch gut spürbar. Angeklagt wurde etwa der Protektionismus der Europäer: «Das Soziale ist für den Bürger des jeweiligen Landes reserviert», sagte Schultheis. Zudem sei ein Mangel an Solidarität im Proletariat festzustellen.

Die Schweiz als gelobtes Land

Schliesslich kam der Soziologe auf die Schweiz zu sprechen: «Wir leben in einem gelobten Land.» Dass hier noch keine ausufernde Jugendarbeitslosigkeit herrscht, führte er auf das duale Bildungssystem zurück. Im Hinblick auf die hiesige Zukunft zeichnete Schultheis jedoch ein pessimistisches Bild vom Sonderfall Schweiz: «Ich wünsche mir, dass die Schweiz in 20 Jahren auch politisch zu Europa gehört», ansonsten seien unsere Chancen gering.