Baden
Die SP-Frau, die den politischen Seitensprung wagte

Bea Meyer erklärt, warum sie im Stadtratswahlkampf den parteilosen Erich Obrist unterstützte – und nicht ihren SP-Parteikollegen Jürg Caflisch. Und erzählt, welche Erfahrungen sie im Wahlkampf machte.

Pirmin Kramer
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Bea Meyer gratulierte Erich Obrist am vergangenen Sonntag in der «Rampe» zur Wahl in den Stadtrat.

Bea Meyer gratulierte Erich Obrist am vergangenen Sonntag in der «Rampe» zur Wahl in den Stadtrat.

Alex Spichale

Zum Wahlteam von Erich Obrist, der am Sonntag den Sprung in den Stadtrat schaffte, zählten einige im politischen Baden bekannte Personen – für viele überraschend auch Bea Meyer (46). Überraschend darum, weil sie seit vielen Jahren aktives Mitglied der SP Baden ist; der Partei, aus der Obrist austrat, nachdem er an einer internen Ausmarchung nicht als Stadtrat nominiert worden war. Meyer machte also quasi einen politischen Seitensprung, indem sie in den vergangenen Wochen Obrist statt des offiziellen SP-Kandidaten Jürg Caflisch unterstützte, dies notabene als Wahlkampfleiterin.

«Ich wurde von Parteimitgliedern oft auf diese Unterstützungsfrage angesprochen», erzählt Meyer. «Ich habe dann erklärt, dass ich Erich Obrist seit vielen Jahren kenne. Wir haben lange Zeit im Badener Einwohnerrat zusammengearbeitet. Ich habe ihn immer als Profi erlebt, stets gut vorbereitet und eloquent. Als er mich fragte, ob ich ihn unterstützen wolle – das war noch vor seinem Parteiaustritt – musste ich nicht lange überlegen. Für mich ist er der Politiker, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Er strahlt positive Energie aus und hat es in kurzer Zeit geschafft, bei vielen Leuten positive Emotionen zu wecken. Er zeigte von Beginn des Wahlkampfes an einen unbedingten Willen aus, den Sprung in den Stadtrat schaffen zu wollen. Ich bin überzeugt, dass er einen Beitrag leisten kann, Ruhe in den Stadtrat zu bringen.»

Bea Meyer sass sieben Jahre im Badener Einwohnerrat, zuletzt war sie Fraktionspräsidentin. Per Ende 2014 trat sie aus beruflichen Gründen aus dem Stadtparlament aus. Als diesen Sommer bekannt wurde, dass der Sitz von SP-Stadträtin Daniela Berger per Ende Jahr frei wird, tauchte ihr Name auf der Liste der möglichen Nachfolger auf. Sie habe aber abgewinkt, sagt sie lachend. «Es wäre nicht der richtige Zeitpunkt gewesen für mich. Und wie gesagt, für mich stand sofort fest, dass Erich Obrist der ideale Stadtrat ist.» Darum habe sie vor allem in Rütihof, wo sie wohne, für Obrist geweibelt. «Ich denke, ich konnte einige Leute davon überzeugen, ihn zu wählen.»

Erich Obrist sagt, es sei ein Glücksfall gewesen, neben vielen anderen auch auf die Unterstützung Meyers zählen zu dürfen. «Ich schätze ihre ruhige Art, sie handelt sehr überlegt und steht über der Sache. Ich rechne es ihr sehr hoch an, dass sie den Mut hatte, mich zu unterstützen – ein Beweis für ihren starken Charakter.»

An der Wahlfeier am vergangenen Sonntag erklärte Bea Meyer, dass sie Obrist auch künftig unterstützen wolle. «Falls er im Jahr 2017 als Stadtrat kandidieren sollte, kann ich mir aus heutiger Sicht gut vorstellen, ihn wieder voll zu unterstützen.» Ein Parteiaustritt aus der SP stehe für sie aber nicht zur Diskussion.