Wer hinter der «klaren Mehrheit» – Wortlaut Vizeammann Markus Schneider – im Stadtrat steckt, die zum Entscheid gegen Geri Müller als Stadtammann geführt hat, ist nun bekannt.

Die beiden SP-Stadträtinnen Daniela Berger und Regula Dell’Anno haben Müller fallen gelassen. So hat die bürgerliche Männerfraktion mit Schneider, Matthias Gotter (beide CVP) und Roger Huber (FDP) gemeinsam mit den SP-Frauen die klare Mehrheit gebildet, währenddessen Ruth Müri (team) ihrem Parteikollegen entweder den Rücken gestärkt oder sich der Stimme enthalten hat.

Bei der SP sorgte dieser Entscheid für Aufregung. Konfrontiert mit dieser Information, die der Aargauer Zeitung inzwischen aus mehreren Quellen vorliegt, muss Andrea Arezina vom SP-Vorstand erst tief durchatmen, bevor sie hierauf einen Kommentar abgeben kann.

«Die Parteimeinung ist eine andere. Alle rechtlichen Vorwürfe gegen Stadtammann Geri Müller haben sich als nichtig erwiesen, und für die SP besteht somit kein Grund für einen Rücktritt», entgegnet Arezina. «Unsere beiden Stadträtinnen haben ihre persönliche Haltung, und in der SP gilt die Meinungsfreiheit».

Dennoch zeigt sich Arezina irritiert. «Wir werden ganz bestimmt an unserer nächsten Vorstandssitzung das Ganze aufarbeiten», fügt sie an. Der SP-Vorstand stelle sich nach wie vor auf den Standpunkt, dass Geri Müller vom Stimmvolk und nicht vom Stadtrat gewählt worden sei. «In diesem Sinne wünschen wir dem Stadtrat eine gute Zusammenarbeit».

«Von diesem Abstimmungsresultat wusste ich nichts», sagt SP-Fraktionspräsidentin Beatrice Meyer. Die Nachricht überrasche sie. «Ich finde es ungeschickt, dass der SP-Vorstand von unseren beiden Stadträtinnen nicht frühzeitig ins Bild gesetzt wurde.» Und: An der Fraktionshaltung habe sich aber nicht geändert.

Auch das team ist verwundert

Der dienstälteste SP-Einwohnerrat Erich Obrist beschränkt sich auf seine politische Analyse aus linker Sicht und ohne Vorwurf an die Parteikolleginnen in der Exekutive. «Für die nicht bürgerliche Seite hätte es keine andere Wahl gegeben, denn wir dürfen und können Geri Müller als Stadtammann nicht einfach fallen lassen.»

Die Verwunderung über den Entscheid, Geri Müller die Ressorts wegzunehmen und ihm den Rücktritt nahezulegen, ist auch bei den andern nicht bürgerlichen Parteien gross. Dies hat Einwohnerrat Fritz Bosshardt, Fraktionspräsident des Teams, mit seiner Erklärung im Einwohnerrat am Dienstag deutlich zu verstehen gegeben: «Aus einer menschlichen Tragödie wird hier politisch Profit geschlagen.»

Dass der Stadtrat mit seinem Entscheid dies nun stützt, sei für ihn unverständlich, betonte Bosshardt. «Die Erklärung des Stadtrats hat jedenfalls nichts zur Klärung der Situation beigetragen», fügte Bosshardt an.

Weder Daniela Berger noch Regula Dell’Anno wollten auf Anfrage ihren Entscheid begründen. Ausserdem hat der Stadtrat heute beschlossen, dass zu diesem Thema keine persönlichen Stellungnahmen abgegeben werden. Es gebe keine Neuigkeiten dazu, die kommuniziert werden könnten, lautete die Begründung.

Auf die Frage, ob das Vertrauen zu Geri Müller nochmals zustande kommen könne, hatte sich Vizeammann Markus Schneider bereits am Vortag in abwartender Zurückhaltung geübt: «Am Montag tagt der Stadtrat erstmals wieder mit Geri Müller und unter den neuen Voraussetzungen. Dann werden wir weiter sehen.»