Turgi

Die SP stellt sich gegen einen Lehrerhaus-Verkauf

Das Lehrerhaus, im Eigentum der Einwohnergemeinde, steht zurzeit zum Verkauf.

Das Lehrerhaus, im Eigentum der Einwohnergemeinde, steht zurzeit zum Verkauf.

Der Gemeinderat hat ein Mehrfamilienhaus in Turgi für 1,5 Millionen Franken zum Verkauf ausgeschrieben. Das Interesse am Gebäude ist bis jetzt sehr bescheiden. Die SP ist erstaunt, dass das Haus ausgeschrieben worden ist.

Seit Mitte Juni ist auf der Internetplattform von «homegate» das stattliche Mehrfamilienhaus an der Gartenstrasse 2 zum Verkauf ausgeschrieben. Das zentral und nahe dem Schulhaus gelegene Lehrerhaus wurde 1920 erbaut und mehrmals saniert. Früher wurde es vorwiegend von Lehrkräften bewohnt. 1970 ergänzte man die Liegenschaft um einen Garagentrakt. 2002 und 2009 fanden letzte Erneuerungen statt. Eigentlich ein Top-Objekt für jemanden, der Geld in einer Immobilie anlegen will, wenn da nicht der Preis von 1,5 Millionen Franken wäre.

Die heutigen Mietzinse für die drei Fünfeinhalbzimmerwohnungen sind günstig. Diese müsste man bei einem Kaufpreis in dieser Höhe massiv erhöhen, um eine angemessene Rendite zu erreichen. Die Auskunft von Urs Hänny, Ansprechperson für die Liegenschaft, erstaunt darum nicht: «Das Interesse ist bis jetzt sehr bescheiden.» Ernsthafte Interessenten gäbe es noch keine. Es sähe anders aus, wenn die Gemeinde als Vermieterin die Mietzinse schon früher erhöht hätte. Das glaubt Hänny aus Gesprächen an den wenigen Begehungen herausgehört zu haben.

Gemeinde als Preistreiberin

«Das schöne Dreifamilienhaus gehört der Einwohnergemeinde und bietet an zentraler, ruhiger Wohnlage guten Wohnraum zu ortsüblichen Preisen an», erklärt der Vorstand der SP Turgi in einem offenen Brief, der sowohl an den Gemeinderat als auch an die Medien gegangen ist. Die SP sei erstaunt, dass das Haus überhaupt ohne Beschluss durch die Gemeindeversammlung ausgeschrieben worden sei.

«Der Gemeinderat hat gegenüber den Mietern eine Verantwortung», heisst es im Brief. Der SP-Vorstand geht davon aus, dass nach einem Verkauf die jetzigen Mieterinnen und Mieter ihre Wohnung möglicherweise verlassen müssten und die Mieten steigen werden. «Die Gemeinde wurde damit mit schlechtem Beispiel vorausgehen und mithelfen, die Wohnungspreise in die Höhe zu treiben», hält die SP fest.

Befremdet über SP-Brief

Gemeindeammann Peter Heiniger hat den offenen Brief gestern erhalten. Er zeigt sich befremdet über dieses Vorgehen. Den Auftrag, die Immobilien der Gemeinde zu untersuchen, habe der Gemeinderat von der Finanzplanungskommission erhalten, erinnert Heiniger: «Beim Lehrerhaus liegt ein Verkauf nahe, weil es nicht unbedingt Aufgabe der Gemeinde ist, Wohnungen zu vermieten», ist Heiniger überzeugt. Es werde auch nicht mehr von Lehrern bewohnt.

Man habe bewusst einen hohen Preis eingesetzt, fährt Heiniger fort. «Es ist auch kein Verkauf aus der Not heraus, kein Muss.»

Das Vorgehen ist laut Heiniger klar, entgegen dem Einwand der SP: «Der Verkauf des Hauses kommt dann vor die Gemeindeversammlung, wenn ein fester Vertrag vorliegt und man die Käuferschaft und den Preis kennt», erklärt der Gemeindeammann. Der Vertrag wird nur mit Zustimmung der Gmeind rechtskräftig. Traktandiert wird er an einer der nächsten Versammlungen, wenn ein Käufer gefunden wird. Wenn der Gemeinderat den Verkauf nicht überzeugend begründen könne, werde er kaum Zustimmung erhalten, glaubt der SP-Vorstand.

Einnahmequellen gesucht

Seit längerem steht die Gemeinde Turgi finanziell unter Druck. Darum sucht der Gemeinderat weiterhin nutzbaren Geldquellen. Er stützt sich dabei auf den Bericht einer speziell eingesetzten Finanzplanungskommission, welche die Prüfung aller gemeindeeigenen Liegenschaften forderte. Entgegen dem Vorschlag der SP ist es im Augenblick kein Thema Land von der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen auf dem Areal Gut zu veräussern. Hingegen sei der Verkauf von Bauland im Gehling und eines Grundstückes an der Weichlenstrasse durchaus ein Thema, wie die Entwicklung der Steig, sobald der Fussballplatz in die Oberau zieht

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