Baden
«Die Stadt Baden hat die höchsten IT-Kosten»: Einwohnerräte fordern Massnahmen

Die FDP-Einwohnerräte Michael Brandmaier und Stefan Jaecklin fordern bei der Informatik der Stadt Baden eine Kostenreduktion um einen Drittel.

Martin Rupf
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Die IT der Stadt Baden ist mit 3,7 Mio. Franken direkten Kosten plus 0,6 Mio. Franken dezentralen IT-Kosten (Angaben aus der Abteilung Informatik) sehr teuer. (Symbolbild)

Die IT der Stadt Baden ist mit 3,7 Mio. Franken direkten Kosten plus 0,6 Mio. Franken dezentralen IT-Kosten (Angaben aus der Abteilung Informatik) sehr teuer. (Symbolbild)

KEYSTONE/GAETAN BALLY

Die Stadt Baden muss sparen respektive Leistungen abbauen. Der Stadtrat ist beauftragt worden, den Nettoaufwand des Budgets 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 Millionen Franken zu entlasten. Hierzu hat eine einwohnerrätliche Spezialkommission erste Vorschläge erarbeitet, die aber vorerst noch unter dem Deckel gehalten werden (die AZ berichtete).

Konkret werden hingegen die beiden FDP-Einwohnerräte Michael Brandmaier und Stefan Jaecklin, die das dringliche Postulat «Zahlbare und zukunftsgerichtete Informatik der Stadt Baden» eingereicht haben. Hintergrund der Anfrage ist die geplante Zusammenlegung der IT-Abteilungen von Baden und Aarau. «In diesem Zusammenhang haben wir uns vom Abteilungsleiter IT Informationen geben lassen und sind zum Schluss gekommen, dass das in die falsche Richtung läuft», erklärt Michael Brandmaier.

Neuenhof zahlt einen Viertel

Die IT der Stadt Baden ist mit 3,7 Mio. Franken direkten Kosten plus 0,6 Mio. Franken dezentralen IT-Kosten (Angaben aus der Abteilung Informatik) sehr teuer. «Diese Kosten sind nicht durch Personalkosten getrieben, die weniger als 25 Prozent der gesamten Kosten ausmachen», so Brandmaier. «Wenn wir diese Kosten pro Einwohner vergleichen – die Stadt betreibt die Informatik um die Einwohner zu bedienen –, dann resultieren pro Einwohner deutlich höhere IT-Kosten.»

Zum Vergleich: Pro Kopf betragen die IT-Kosten in Baden 227 Franken. In Aarau sind es 205 Franken und in vergleichbaren Städten mit Zentrumsfunktion wie Schaffhausen (122 Franken) oder Frauenfeld (65 Franken) fallen die Pro-Kopf-Kosten deutlich geringer aus. Und noch ein Vergleich: Gemeinden ohne Zentrumsfunktion wie Wettingen (73 Franken) oder Neuenhof (53 Franken) haben deutlich tiefere IT Kosten.

«Dies wurde auch in der IT-Ausschreibung der Gemeinde Neuenhof bestätigt, wo das Angebot der Informatik Baden preislich nicht konkurrenzfähig war», heisst es im Postulat wörtlich. Neuenhof habe die gesamte IT ausgelagert und weise im Vergleich die tiefsten Kosten pro Einwohner aus. Das Postulat enthält im wesentlichen drei Forderungen.

Erstens: Es soll eine Reduktion der Totalkosten um 30 bis 40 Prozent angestrebt werden, «was im Vergleich mit Gemeinden mit Zentrumsfunktionen möglich sein sollte».

Zweitens: Die Zusammenarbeit mit Aarau wird als problematisch erachtet, da die Informatik der Stadt Aarau ähnlich überteuert wie Baden sei, und es unklar sei, «wie aus der Zusammenlegung zweier überteuerter IT-Organisationen eine effiziente resultieren soll». Dies werde selbst vom Projektteam bestätigt, das eine Kostenreduktion von unter 5 Prozent in Aussicht stelle, was gemessen an den Risiken nicht vertretbar erscheine. «Wir erwarten, dass vor einer Zusammenlegung mit der Stadt Aarau, externe Outsourcing-Offerten eingeholt werden. Es gibt IT-Dienstleister, die sich auf das Outsourcing der gesamten Stadtinformatik spezialisiert haben und hier eine Kernkompetenz haben», sagt Brandmaier.

Und drittens: Die IT-Kosten würden stark durch die Anforderungen der Abteilungen getrieben. «Andere Gemeinden wie etwa Solothurn verrechnen deshalb alle IT-Kosten an die jeweiligen Abteilungen.» Die Abteilungen hätten dadurch zwecks Optimierung ihrer Kostenbasis einen starken Anreiz, ihre IT-Kosten gering zu halten, und würden so ihre Sonderanforderungen reduzieren, sind die Postulanten überzeugt. «Eine vollständige Verrechnung der IT-Kosten an die Abteilungen ist sinnvoll», ist Brandmaier überzeugt.