Bildungsnetzwerk

Die Stadt Baden ist Vorreiterin bei der Bildung

Mit dem Bildungsnetzwerk Baden soll die Stadt als Bildungsstandort gestärkt werden. Das Foto zeigt die Berufsfachschule am Martinsberg.

Mit dem Bildungsnetzwerk Baden soll die Stadt als Bildungsstandort gestärkt werden. Das Foto zeigt die Berufsfachschule am Martinsberg.

Seit zehn Jahren existiert das Bildungsnetzwerk in Baden, seit einem Jahr mit Geschäftsstelle – wie fällt die Bilanz aus?

Wer kennt das «Bildungsnetzwerk Baden»? Auf diese Frage dürften wohl nicht wenige Leserinnen und Lese fragend in die Runde schauen – «zwar schon mal gehört, aber was ist das genau?». Thomas Eichenberger, seit knapp einem Jahr Geschäftsführer des Bildungsnetzwerk Baden (BnB), sieht es als eine seiner Aufgaben, das BnB ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rufen.

Gegründet wurde der Verein BnB im Jahre 2009 als eine gemeinnützige, nicht profitorientierte Organisation, die sich für die Bildung im Grossraum Baden einsetzt. Sie umfasst alle relevanten Stufen und Träger der Bildung, angefangen von der Volksschule bis hin zu den kaufmännisch-industriell-gewerblichen Fachschulen und der Kantonsschule.

Auch Höhere Fachschulen sind vertreten. «Das Bildungsnetzwerk Baden leistet einen aktiven Beitrag zur Bildungs- und Arbeitsmarkttauglichkeit der Menschen in der Region und sichert längerfristig die Verfügbarkeit gut ausgebildeter Fachkräfte für die regionale Wirtschaft» lautet das Hauptziel des BnB. So sollen Bildungsangebote an den Bildungsbedürfnissen der regionalen Wirtschaft ausgerichtet und die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten im Rahmen von attraktiven Veranstaltungen gefördert werden.

21 Mitglieder sind schon dabei

Im Sommer 2017 genehmigte der Badener Stadtrat den Aufbau einer BnB-Geschäftsstelle für eine dreijährige Pilotphase. Vor einem Jahr konstituierte sich der neue Vorstand. Und mit Thomas Eichenberger wurde der erste Geschäftsführer gewählt, mit einem Arbeitspensum von 40 Prozent. Eichenberger kann als Bildungsexperte bezeichnet werden, verfügt er doch über umfassende Ausbildungen in Unterricht, Psychologie, Berufs- Studien- und Laufbahnberatung sowie in General Management. Zudem ist er Inhaber eines Beratungsbüros für Vernetzung von Bildung und Arbeitsmarkt.

Bis September 2017 war er Geschäftsführer der ask! – Beratungsdienste für Ausbildung und Beruf. Nach einem Jahr zieht Eichenberger ein positives Fazit: «Wir sind gut gestartet, aber die Resonanz bei den Unternehmen könnte noch grösser sein.» Dabei denke er nicht nur an Mitgliedschaften – heute zählt das BnB 21 Mitglieder, darunter auch Firmen wie etwa die ABB, Axpo oder Dectris –, sondern es gebe auch andere Möglichkeiten der Kooperation. «Ziel ist es, dass sich möglichst viele Bildungsinstitutionen und Unternehmen untereinander vernetzen , sich gegenseitig öffnen, Wissen austauschen und Projekte zur Stärkung des Arbeitsmarkts gemeinsam angehen», sagt Eichenberger.

Nebst neuen Angeboten, die ab 2019 lanciert werden, gehe es auch um ganz konkrete Dinge wie Netzwerktreffen, gemeinsame Weiterbildungen oder sich gegenseitig Infrastrukturen zur Verfügung zu stellen. «Und nicht zuletzt wollen wir mit Anlässen zu relevanten Bildungs- und Arbeitsmarktthemen die breite Öffentlichkeit für neue Entwicklungen sensibilisieren.»

Doch weshalb reicht es nicht, wenn die Mitglieder sich untereinander austauschen; weshalb braucht es Öffentlichkeit? «Weil das Bildungsnetzwerk ein Standortfaktor ist», so Eichenberger. «Bei der Wahl eines Wohnorts spielen nicht nur Angebote im Bereich Arbeit, Freizeit und Wohnen eine wichtige Rolle, sondern auch der Bereich Bildung.» Dass Baden mit seinem Bildungsangebot und seiner engen Vernetzung mit den Unternehmen punkten kann, davon ist Eichenberger überzeugt: «Mit dem Bildungsnetzwerk nimmt die Region in der Schweiz sicher eine Vorreiterrolle ein.»

Dem pflichtet auch Rolf Häner bei. Seit einem Jahr ist der Rektor der Berufsfachschule Baden (BBB) Präsident des BnB. «Mit dem Bildungsnetzwerk nehmen wir einen Trend auf. Denn je digitaler die Prozesse, desto wichtiger wird auf Führungsebene der analoge Austausch, also die Vernetzung», ist Häner überzeugt. Letztlich gehe es darum, dass jedes Mitglied vom Know-how des anderen Mitglieds profitiere. Häner: «Es ist ein Geben und Nehmen und bedingt auch, dass jedes Mitglied bereit ist, nicht nur seine eigenen Interessen zu verfolgen.»

Müri: «Potenziale erkennen»

Finanziert wird die dreijährige Pilotphase aus einem Fonds der Stadt Baden, welcher für solche speziellen Aufgaben bereitgestellt ist sowie mit den Mitgliederbeiträgen. «Mit dem Bildungsnetzwerk Baden soll die Stadt Baden als Bildungsstandort gestärkt und die Zusammenarbeit der Badener Bildungs- und Weiterbildungsinstitute sowie der Wirtschaft gefördert werden», sagt Stadträtin und Bildungsvorsteherin Ruth Müri (Team).

Was mit einem Zusammenschluss öffentlicher Schulen begonnen habe, sei heute ein Verbund, dem auch private Bildungsinstitutionen und Unternehmen angehören. «Letztlich geht es darum, dass die Bedürfnisse der verschiednen Akteure besser aufeinander abgestimmt werden können.» Als Beispiel nennt Müri den Besuch von Lehrpersonen der Oberstufe an der BBB, um sich ein Bild zu machen, wie digitale Lernplattformen im BBB-Unterricht eingesetzt werden. «Weitere Projekte sind in Vorbereitung und werden 2019 lanciert. Das Bildungsnetzwerk soll diese möglich machen und koordinieren», so Müri.

Und: «Das gegenseitige Verständnis hilft, damit die Jugendlichen besser auf die nächste Schulstufe vorbereitet werden», so Müri. «Konkret geht es darum, Zusammenarbeitspotenziale und Synergien zwischen Bildungsinstitutionen und auch Unternehmen in der Region zu erkennen und zu fördern.» Nicht nur Schülerinnen und Schüler würden profitieren. «Ein einzelnes Institut oder Unternehmen sieht sich eventuell nicht in der Lage, ein bestimmtes Weiterbildungsangebot auf die Beine zu stellen. Indem es sich mit anderen zusammenschliesst, wird automatisch auch der Kreis der Teilnehmer grösser.» Längerfristig ist es auch aus Sicht von Müri das Ziel, noch mehr Unternehmen ins Boot zu holen, «damit das Netzwerk noch mehr von der Wirtschaft getragen wird».

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