Baden

Die Stadt muss den «Schneck» der Tunnelgarage sanieren

Der «Schneck» – so heisst der spiralenförmige Ausgang aus der Tunnelgarage – ist bei Musikern wegen seiner speziellen Akustik beliebt.BT-Archiv

Der «Schneck» – so heisst der spiralenförmige Ausgang aus der Tunnelgarage – ist bei Musikern wegen seiner speziellen Akustik beliebt.BT-Archiv

Der skurrile Seitenausgang aus der Badener Tunnelgarage wird künftig als Fluchtweg dienen.

Die Tunnelgarage beim Bahnhof zählt zu den eigenartigsten Bauwerken der Stadt, vor allem auch wegen ihrer Geschichte. Man muss diese kennen, will man verstehen, warum ein Teil von ihr, der Seitenausgang «Schneck», nun überraschend renoviert werden muss.

Eröffnet wurde die Tunnelgarage im Kalten Krieg im Jahr 1966, vier Jahre nach der Kuba-Krise also, in der die Welt nur knapp an einem Atomkrieg vorbeischrammte. Die Tunnelgarage hätte Teil des riesigen städtischen Atombunkers «Stein» werden sollen, in dem 5000 Menschen bis zu zwei Wochen Schutz finden sollten.

Die eigentlichen Bunker – auch Kavernen genannt – wurden aber nie erstellt. Die Tunnelgarage diente fortan in erster Linie als Parkhaus, aber auch als schnellste Fussgänger-Verbindung vom Falken zum Bahnhof, wobei oft auch Velofahrer illegalerweise von der Abkürzung Gebrauch machten. Bei besonderen Gelegenheiten wie etwa Badenfahrten oder Millenniumfest wurden in der Tunnelgarage Konzerte abgehalten.

Momentan ist die Tunnelgarage wegen Umbauarbeiten gesperrt: Sie macht zur Hälfte einem unterirdischen Bustunnel Platz, der bis zur Hochbrücke führt. Für viele überraschend gelangt der Stadtrat nun mit einem Kreditbegehren an den Einwohnerrat: Der spiralenförmige Seitenausgang, im Volksmund «Schneck» genannt, müsse für 644 000 Franken saniert werden.

Eigentlich nicht erlaubt und jetzt definitiv nicht mehr möglich: Eine Velofahrt durch die Tunnelgarage.

Eigentlich nicht erlaubt und jetzt definitiv nicht mehr möglich: Eine Velofahrt durch die Tunnelgarage.

Begründung gemäss Vorlage: «Der Schneck und das angrenzende Stollensystem bis zum Ausgang hinter dem Stadttor dienen der Tunnelgarage künftig als Notausgang.» Gemäss Aargauischer Gebäudeversicherung (AGV) kann der Fluchtweg via Schneck aber nur realisiert werden, wenn die sicherheitstechnischen Anlagen dort verbessert werden. Insbesondere müssen feuertechnische Mängel behoben und ein Brandschutzkonzept erarbeitet werden. Daneben braucht es aber auch neue Lüftungs- und Elektroinstallationen. Bisher war der Zustand vom AGV nicht bemängelt worden – wohl, weil er gar nicht genau bekannt war.

Sanieren oder sperren

Klar ist: Wird der Schneck nicht saniert, dürfen gemäss Gebäudeschutzversicherung weder der Notausgang selber noch die sanierte Tunnelgarage in Betrieb genommen werden, auch für Fussgänger (und Velofahrer) würde künftig ein Durchgangsverbot gelten. Auch Autoparkplätze müssten aufgehoben werden, wodurch der Stadt jährlich Einnahmen von rund 182 000 Franken entgehen würden, erklärt der Stadtrat in der Vorlage.

Darum zahlt der Kanton nicht

Stellt sich noch die Frage, warum die Stadt Baden die Sanierung des Schnecks ohne Unterstützung des Kantons durchführen und alleine finanzieren muss. Zur Erinnerung: An der 100 Millionen teuren Sanierung der Schulhausplatzkreuzung beteiligen sich beide. «Der Kanton hat eine Beteiligung kategorisch abgelehnt mit dem Hinweis, er brauche die Tunnelgarage nicht», heisst es in der Vorlage an die Einwohnerräte.

Aus Sicht des Kantons könnte die Tunnelgarage geschlossen werden. Der Stadtrat geht davon aus, dass der momentane Kostendruck beim Kanton diesbezüglich eine Rolle spielte. Die 664 000 Franken, welche die Stadt für die Sanierung wohl in die Hand nehmen muss, sind im Vergleich zu den Kosten des geplanten Atombunkers Stein ein Klacks: Sein Bau hätte 27,3 Millionen Franken gekostet – eine für das Jahr 1966 gewaltige Summe.

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