Wettingen
Die Sternsinger huldigen dem tanzenden Stern am Winterhimmel

Am Sonntagabend sind die Sternsinger traditionell durchs Dorf gezogen. Dieses Jahr haben sie das Weihnachtsspiel des verstorbenen Wettinger Autors Fritz Senft aufgeführt, das die Geschichte des heiligen drei Könige und des tanzenden Sterns erzählt.

Tabea Baumgartner
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Wettinger Sternsinger 2014: Weihnachtsspiel von Fritz Senft
11 Bilder
Weihnachtsspiel von Fritz Senft, aufgeführt von den Sternsinger Wettingen
Von der Reformierten Kirche ziehen die Sternsinger weiter zur Kirche St
Demütige Gesichter der singenden Frauen, hier beim Einzug der Wettinger Sternsinger.
Schön aufgereiht singen die Sängerinnen und Sänger der Sternsinger vom Schicksal der drei Königen_tab
Staundende Kinderaugen - hier ziehen die Sternsiger Wettingen auf den Kirchenvorplatz der Reformieretn Kirche_tab
Im Licht des Scheinwerfers sammeln sich mehr und mehr Zuschauer_tab
Eingehüllt in weite Gewänder betreten die Protagonisten der Wettinger Sternsinger die Szene_tab
Die singenden Kinder halten das Licht in den Händen - dies während des Weihnachtsspiels der Wettinger Sternsinger_tab
...und sie verschwinden in der Dunkelheit, die Wettinger Sternsinger.
Das Weihnachtsspiel von Fritz Senft vor der Reformierten Kirche lockte viele Zuschauer an.

Wettinger Sternsinger 2014: Weihnachtsspiel von Fritz Senft

Tabea Baumgartner

Gemurmel vor der Reformierten Kirche in Wettingen: Eine Menschentraube hat sich im Halbkreis versammelt, den Blick zur Treppe gerichtet. Es ist bereits dunkel, am Horizont der letzte Lichtschimmer des kürzesten Tages.

Wie am Ende der Strasse Kerzenlichter auftauchen und singende Stimmen zu Ohr dringen, verstummen die Anwesenden. In Zweierreihen ziehen sie ein, die Kinder in Weiss, die Frauen in Grau und Rot, die Männer in Schwarz.

Ihre wallenden Gewänder bewegen sie gemächlich, wie sie gleichmässigen Schrittes näher kommen. Die Blicke der Erwachsenen spiegeln Demut; das warme Licht der Kerzen erleuchtet ihre Gesichtszüge.

«Nicht die Weisheit der Weisen, nicht die Macht der Mächtigen bringt Erlösung», spricht der Sternenträger. «Dort, wo der Weihnachtsstern ins Tanzen gerät, zum Tanzen verführt – dort beginnt das Heil der Weihnachtszeit.»

Im Zentrum des Weihnachtsspiels des verstorbenen Wettinger Autors Fritz Senft, welches 1979 entstanden ist, steht die Suche der drei Könige aus dem Morgenland nach dem neugeborenen Kind: «Und wandern sie nur immerfort, auf unbekannten Wegen», singt der Chor im Hintergrund.

Die Könige treffen auf drei Menschen des Volkes, ohne deren Hilfe sie nie an ihr Ziel gelangen würden: auf den Fährmann, den Wächter und den Hirten.

«Mir ist, als wäre ich trunken; sehe lauter Flimmern und Funken. Ich bin mit Verlaub nur ein Hirte, dem nächtens der Geist sich verirrte», spricht der bärtige Mann, in weiten Tüchern gehüllt.

Mit funkelnden Augen verrät er den Königen, «dass über den Weiden und Saaten ein Stern ins Tanzen geraten» sei. Die Weisen aus dem Morgenland folgen seinem Rat und finden das Kind in der Krippe. Weder Macht noch Weisheit hätten gereicht, dass sie ihr Ziel erreichen konnten.

Währenddessen flackern die Kerzen der Wettinger Sternsinger – als ob sie den Sternentanz vorführen würden, von welchem der Hirte berichtete.

Der Klang der Bassklarinette scheint die Seele in Schwingung zu versetzen. Bevor die Sängerinnen und Sänger zur Kirche St. Sebastian weiterziehen, spricht der Sternenträger seinen Wunsch gegen Himmel aus, dass «jedes Herz sich zur Liebe bekennen möge.»