Wettingen

Die Stiftung «Arwo» gibt dem Schweizer Fernsehen einen Korb

2013 waren Niklaus (l.) und Remo bei «Üse Zoo» im Einsatz. Nun sind sie trotz «Arwo»-Nein bei «Üse Buurehof» dabei.

2013 waren Niklaus (l.) und Remo bei «Üse Zoo» im Einsatz. Nun sind sie trotz «Arwo»-Nein bei «Üse Buurehof» dabei.

Die Stiftung für Behinderte wirkt nicht bei der neuen SRF-Sendereihe «Üse Buurehof» mit. Sie will einen Hype um Protagonisten verhindern. Damit schlägt die «Arwo» neue Töne an.

Rund eine halbe Million Zuschauer lockten jeweils die beiden SRF-Sendereihen «Üsi Badi» (2010) und «Üse Zoo» (2013) vor den Fernseher. Das Publikum schaute gespannt zu, wie Menschen mit Beeinträchtigung in die Rolle eines Hilfsbadmeisters beziehungsweise Tierpfleger-Assistenten schlüpften. Mit ihrer ehrlichen und menschlichen Art schlossen die Zuschauer die Protagonisten sofort ins Herz. Speziell: Auch Klienten der «Arwo», der Stiftung für Behinderte Wettingen, wirkten mit.

Personeller Aufwand ist für eine Teilnahme zu gross

Jetzt hat das SRF für sein neues Projekt «Üse Buurehof» erneut bei der «Arwo» angeklopft. Doch: Die Stiftung beteiligt sich nicht mehr an der Sendereihe. Das Nein begründet die «Arwo» damit, dass sie einen Hype um die Protagonisten verhindern will. «Das Risiko, dass die Menschen mit Beeinträchtigung im heutigen Medienzeitalter zu stark als Mittel zum Unterhaltungszweck benutzt werden, ist uns zu gross», sagt «Arwo»-Geschäftsleiter Roland Meier. Ausserdem seien die Drehtage für die ersten beiden Staffeln mit einem grossen personellen Aufwand seitens der Stiftung verbunden gewesen. Angesichts der angespannten Finanzen mache eine erneute Teilnahme keinen Sinn. «Die ‹Arwo› ist zwar nach den beiden Staffeln bei den Zuschauern ein Begriff.» Ein monetärer Gewinn habe sich daraus aber nie ergeben, sagt Meier.

«Die Aufgabe der ‹Arwo› ist es, ihre Ressourcen in das Kerngeschäft zu investieren», ergänzt Melanie Bär, Leiterin externe Kommunikation. «Wir stellen keine Schauspieler, sondern betreuen Menschen mit Beeinträchtigung, die in der ‹Arwo› arbeiten und leben.»

«Keinen weiteren Nutzen mehr»

Mit dem Nein macht die Stiftung eine Kehrtwende, machte sich doch der ehemalige und vor vier Jahren überraschend verstorbene «Arwo»-Geschäftsleiter Alfred Isch für die Serie stark. «Sie wird dazu beitragen, das Thema Behinderung zu enttabuisieren», sagte er 2010. Nicht die Defizite dieser Menschen stünden im Vordergrund, sondern ihr Potenzial. Als es 2013 um «Üse Zoo» ging, äusserte sich Isch wie folgt: «Wir haben unser Ziel erreicht. Wir haben gezeigt, dass Menschen mit einer geistigen Behinderung Leute wie du und ich sind und dass auch bei ihnen Freud und Leid nahe beisammen liegen.» Die Protagonisten hätten von einer Teilnahme profitiert, indem die Arbeit ihnen eine Tagesstruktur gegeben und ihr Selbstwertgefühl gestärkt habe.

Roland Meier betont, dass die «Arwo» nicht grundsätzlich gegen die Sendung sei. «Wir sehen einfach keinen weiteren Nutzen mehr dahinter. Die Begleitung einer solchen Sendung ist sehr zeitintensiv.» Ausserdem nehme das Risiko mit jeder Neuauflage zu, dass Menschen mit Beeinträchtigung für höhere Einschaltquoten benutzt würden.

Nicht über Kopf entscheiden

Obwohl sich die «Arwo» nicht an «Üse Buurehof» beteiligt, werden die Zuschauer dennoch zwei bekannte Gesichter zu sehen bekommen: Remo Blunschi (50) und Niklaus Locher (50), die in der Stiftung arbeiten, sind wie auch schon bei «Üsi Badi» und «Üse Zoo» mit dabei. Doch steht dies nicht im Widerspruch mit der Haltung der «Arwo»? «Es ist nicht an uns als Stiftung, über den Kopf der bei uns arbeitenden oder wohnenden Menschen mit Beeinträchtigung zu entscheiden», sagt Meier. Deshalb seien die Protagonisten für den Dreh freigestellt worden und würden nach ihrer Rückkehr an den Arbeitsplatz von Pädagogen begleitet und unterstützt.

Dreharbeiten laufen noch

Blunschi, Locher und die vier weiteren Protagonisten von «Üse Buurehof» werden während der Dreharbeiten rund um die Uhr durch zwei diplomierte Fachpersonen betreut, wie SRF auf Anfrage mitteilt. Die Aufnahmen für die siebenteilige Sendereihe «Üse Buurehof» auf dem Bauernbetrieb von Tony und Anita Kaufmann-Rohrer in Winikon bei Triengen LU sind noch am Laufen. Die Episoden werden ab dem 3. Juli um 20.05 Uhr im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt.

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