Ihr Vater sprach von der Kanzel der reformierten Kirche: Markus Sager war als Badener Pfarrer über Jahrzehnte hinweg weitherum bekannt. Tochter Regi ihrerseits spricht ins Mikrofon. Sie sieht ihre Zuhörer zwar nicht, aber sie wird überall gehört, wo ein Radio auf der Frequenz von SRF 1 eingeschaltet ist.

«Baden bietet sehr viel und hat gleichzeitig die Intimität fast eines Dorfes. Hier trifft man immer irgendjemanden, den man kennt», sinniert Sager über ihre Heimatstadt. Mit zwei älteren Brüdern war sie gleich neben der Kirche aufgewachsen. «Wir haben aber kaum öfter als andere Jugendliche den Gottesdienst besucht. Unsere Eltern waren sehr liberal.»

Seit 31 Jahren lebt sie mit vorbehaltloser Begeisterung in Zürich, sieht indes viele Ähnlichkeiten mit Baden: «Das Kulturangebot ist in beiden Städten gross. Beide haben eine wunderschöne Altstadt, viel Grün, Wasser, herrliche Naherholungsgebiete und zu neuem Leben erweckte Industriebrachen.» In Baden trifft sie sich heute noch regelmässig mit Freunden aus der Kanti-Zeit; Verwandte hat sie hier keine mehr. Bruder Manuel war Botschafter in Washington und ist jetzt in Bern der neue Deza-Chef; Bruder Marc ist Arzt in Winterthur.

Pop, Swing und Jazz

Singen war schon früh eine grosse Leidenschaft von Regi Sager. Mit den Kanti-Kollegen Jerry Rojas aus Nussbaumen an der Gitarre und Werner Wunderlin aus Wettingen am Schlagzeug hatte sie ihre erste Band gegründet: The Catcher in the Ry» nach dem gleichnamigen Roman von J.D. Salinger. Im Verlauf der Jahre sang sie Jazz, Swing und Pop in verschiedenen Formationen; seit 2005 tritt sie vor allem mit vier Profi-Musikern als Regi Sager & special edition auf. Nach der Matur hatte sie in Zürich Phil 1 mit Hauptfach Englisch studiert, ein Jahr in Kanada verbracht und anschliessend während sechs Jahren Englisch-Unterricht am KV Baden erteilt. In jener Zeit war sie erstmals mit dem Medium Radio hautnah in Berührung gekommen. «Nachdem mit der Formation Sara Sahara and the Dunes meine erste Single ‹Fred der Fuchs› herausgekommen war, wurde ich von Radio 24 interviewt. Ein Kollege fand, ich wäre als Radiosprecherin geeignet. Hugo Bigi hat mich später darin bestärkt, aber ich wollte mich damals noch nicht festlegen.» 1989 war es dann so weit: Sie machte erste Moderations-Gehversuche bei Roger Schawinskis Opus-Radio.

Als dieses nach zwei Jahren eingestellt wurde, holte Radio Argovia die Badenerin an Bord, die ein Aargauer Dialektgemisch geerbt hat: vom Vater den Seetalerdialekt, der in Beinwil am See gesprochen wird, von der Mutter den Dialekt aus Mülligen.

Der Fluch bei offenem Mikrofon

«1996 bestand ich den Test, dass ich DRS-1-kompatibel bin», erinnert sich Sager. Zunächst hatte sie jeweils zwischen morgens fünf und neun Uhr müde Menschen munter gemacht. Inzwischen moderiert zwischen Vormittag und dunkler Nacht. Ihre fröhliche Stimme und ihre liebenswert-lustigen Sprüche machen gute Laune. Aber auch eine persönliche Begegnung mit ihr macht Spass, so locker, aufgestellt und offen, wie sie berichtet.

Etwa darüber, dass sie schlecht warten kann. «Bei mir muss alles schnell gehen.» Oder, dass sie im Studio einmal ihrem Unmut über eine technische Panne mit einem lauten Fluch Luft gemacht hat – unwissentlich bei offenem Mikrofon. «Die Reaktionen der Zuhörer waren fast durchwegs positiv. Die einen hatte ich damit zum Lachen gebracht, andere freuten sich, dass ich auch nur ein Mensch bin.»

Patronin als Stadtführerin

Weil sie sich, auch mit 56 Jahren, noch immer nicht auf einen einzigen Beruf festlegen will, arbeitet sie beim Radio im 70-Prozent-Pensum. Dazu gesellen sich ihre Tätigkeit als Sängerin, Moderatorin von kulturellen und anderen Anlässen – und als Zürcher Stadtführerin. «Als ich frisch nach Zürich gezogen war, hatte mir eine Freundin einen Gutschein für eine Stadtführung geschenkt. Es hat mir sehr gefallen, und weil ich schon immer dachte, das würde ich auch gerne machen, habe ich mich bei Zürich Tourismus beworben.» Sie wurde interviewt, für geeignet befunden und in Seminaren von einem Historiker, einem Archäologen und einem Didaktiker in die Materie eingeführt. Überdies war sie für diesen Job ja besonders prädestiniert, wo sie doch ihren Namen – Regula – mit dem der Zürcher Stadtpatronin teilt.

Auf einem zweistündigen Rundgang erläutert die Badenerin nun Gruppen auf Englisch und Deutsch die Schönheiten und die Geschichten der Zürcher Altstadt. «Neben dieser klassischen mache ich auch Themenführungen: ‹Love Storys›, ‹Zürich kulinarisch› und ganz neu ab November ‹Frauenpower›». Sagers lebhafte Augen glänzen besonders stark, wenn sie von der Zürcher Altstadt spricht. Ganz besonders liebt sie die Wuhren am linken Limmatufer und den Blick von dort hinüber aufs Grossmünster, aufs Rathaus und auf die Zunfthäuser. «Ich reise auch gerne. Vor allem liebe ich Städte, nicht ausschliesslich Zürich.»