Wahlen in Baden

Die SVP ist konsterniert, die CVP nimmt das Resultat zur Kenntnis

Als es bekannt wurde: Sieger Geri Müller freut sich, Verlierer Roger Huber schaut betreten drein.

Als es bekannt wurde: Sieger Geri Müller freut sich, Verlierer Roger Huber schaut betreten drein.

Während das team baden sich im Wahlsieg sonnt, heisst es bei der FDP Wundenlecken. Auch die Stadtparteien SP, SVP und CVP melden sich zu Wort. «Ich nehme das Resultat zur Kenntnis», sagt Matthias Gotter, Präsident der Orts-CVP

Die grosse Siegerin von gestern heisst team baden: Sie stellt neu den Stadtammann und hat mit Ruth Müri einen zweiten Sitz in der Exekutive erobert. Auch Noch-Stadtammann und Bald-Regierungsrat Stephan Attiger liess sich gestern zur Wahl vernehmen: «Es ist gut, dass nun in der Stadt Baden, insbesondere in der Verwaltung Klarheit darüber herrscht, mit welcher Exekutive es weitergeht.» Aus seiner Sicht sei es wichtig, dass nun wieder die politische Ruhe einkehre, damit zielgerichtet weitergearbeitet werden könne.

Bei den Stadtparteien fallen die Reaktionen wie erwartet gemischt aus – allen voran bei team baden und FDP. «Dieses Resultat ist wirklich ein historisches Novum für Baden», stellt Hannes Streif vom team baden hoch erfreut fest. Mit der gewinnenden Persönlichkeit von Geri Müller und dem verbindenden Auftreten von Ruth Müri habe man offensichtlich auch bürgerliche Stimmen geholt, stellt team-Fraktionschef Fritz Bosshardt fest. Für Streif ist die Links-Rechts-Debatte für Baden ein Konstrukt. Hier werde konsensfähige Sachpolitik gemacht, und die Erfolgsgeschichte der Stadt Baden werde zweifellos auch in der neuen politischen Konstellation weitergehen.

Enttäuscht zeigte sich FDP-Präsident Matthias Bernhard. «Wir wussten zwar um die knappe Ausgangslage bei der Stadtammannwahl, aber mit diesem Ausgang haben wir ehrlich nicht gerechnet.» Über die Gründe für die Nichtwahl Roger Hubers bzw. die Nichtwahl von Stadtratskandidat Peter Courvoisier könne er nur mutmassen. «Vielleicht war die FDP in den letzten Jahren zu erfolgreich; jetzt hat es halt eine Gegenwelle gegeben.» Auch der öffentlich gewordene Deal vom «Roten Turm» sei der Sache sicher nicht dienlich gewesen. «Das gab in der Tat heftige Reaktionen.» Dass Courvoisier im Rennen um den Stadtratssitz gegen Müri den Kürzeren gezogen hat, führt Bernhard auf den Frauen-Bonus zurück. «Zudem verfügt Müri als ehemalige Einwohnerratspräsidentin über den grösseren Bekanntheitsgrad als Peter Courvoisier.» Ob und mit welchem Kandidaten die FDP den verlorenen Sitz bei den Gesamterneuerungswahlen im Herbst wieder zurückerobern will, lässt Bernhard offen. Gleichwohl ist für ihn klar: «Wir stellen im Einwohnerrat die stärkste Fraktion und haben deshalb rechnerisch Anspruch auf zwei Sitze im Stadtrat.» Und am Schluss gibt sich der FDP-Präsident trotz Wahl-Schlappe kämpferisch: «Aus Niederlagen wird man stark.»

SVP hofft auf den Einwohnerrat

Und was sagen die nicht direkt involvierten Parteien? «Ich nehme das Resultat zur Kenntnis», sagt Matthias Gotter, Präsident der Orts-CVP. Mit der Wahl von Geri Müller zum Stadtammann verliere Baden nicht nur den bürgerlichen Stadtammann. «Mit der Wahl von Ruth Müri in den Stadtrat verlieren die Bürgerlichen auch die Mehrheit im siebenköpfigen Stadtrat.» Die nun links dominierte Exekutive werde bestimmt andere Akzente setzen. Gleichwohl schwingt bei Gotter Hoffnung mit: «Ich glaube, auch mit einer linken Mehrheit müssen die Anliegen und Interessen der Stadt Baden im Fokus sein.» Ob die CVP im Herbst bei den Gesamterneuerungswahlen den Stadtammann-Sitz angreifen werde, könne und wolle er jetzt noch nicht beantworten. «Wir werden jetzt erst mal die Resultate analysieren und dann an der Generalversammlung Mitte April über das weitere Vorgehen entscheiden.

Serge Demuth, Einwohnerrat und Präsident der SVP, gesteht derweil ein, dass er das Resultat mit einer gewissen Konsternation zur Kenntnis genommen habe. «Wir haben immer noch ein Parlament mit einer bürgerlichen Mehrheit und können bei Bedarf korrigierend einwirken», stellt Demuth klar. Die Situation müsse man aber rasch analysieren, damit sich die Bürgerlichen für die bevorstehende Wahl eine gute Ausgangslage schaffen können.

Freude hingegen bei der SP: «Wir haben immer an die Wahl von Geri Müller und Ruth Müri geglaubt», sagt SP-Präsidentin Andrea Arezina. Natürlich freue sich die SP über das Wahlresultat und die Wende. «Der Stadtrat wird nun links-grün dominiert und somit bestimmt andere Akzente setzen als die bisher bürgerlich dominierte Exekutive.» Hierbei denke sie etwa an bezahlbare Wohnungen oder den Ausbau der Tagesstrukturen. Besonders erfreut zeigt sich Arezina darüber, dass im Stadtrat mit Ruth Müri das Verhältnis zwischen Frauen und Männern nun ausgewogener wird.

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