Sein Lokal hat in der Region Baden längst Kult-Status erlangt: Waren es während Jahrzehnten die «Spaghetti Carbonara» oder die «Tortellini a la Panna», so stehen heute bei Franco Pallecchi im «Da Franco» vermehrt Wildschweingerichte – mit der eigenen Kugel erlegt – auf der Speisekarte. Doch im Januar vor zwei Jahren feierte der stadtbekannte Charmeur und passionierte Jäger, gebürtiger Toskaner mit Schweizer Pass seinen 65. Geburtstag. Jedermann, der bei ihm gerne einkehrt, ist sich seither bewusst, dass dieses Kapitel gastfreundlicher Gastronomie irgend einmal abgeschlossen sein würde.

Vorvertrag für Kauf besteht

Wer gestern durch die Badstrasse ging, richtete beim Haus Nummer 20 unweigerlich den Blick aufwärts, wo Arbeiter Baugespanne aufrichteten. Bei der Abteilung Planung und Bau ist das Baugesuch der Highstreet Invest GmbH aus Steinhausen (ZG) eingereicht worden. Die Investorin gedenkt einen Neubau zu erstellen. Mit ihr sei er seit einiger Zeit schon in Kontakt, sagt Pallecchi.

Ein Vorvertrag für den Kauf besteht laut Pallecchi. Er fügt unmissverständlich an: «In meinem Alter darf ich ein solches Angebot nicht mehr ausschlagen.» Jetzt gilt es erst einmal, das Baubewilligungsverfahren abzuwarten. Dann soll das Lokal noch fünf Monate offenbleiben, bis es bei «Da Franco» Abschied nehmen heisst.

«Sanierung wäre unrealistisch»

Über den künftigen Inhalt lasse sich noch wenig sagen, erklärt Jürg Eichhorn seitens der Investorin. «Wir möchten erst die Möglichkeiten abklären.» Es sei darum auch verfrüht zu sagen, ob der Neubau ein Restaurant beherbergen werde oder nicht. Nur 5,2 Meter breit ist die Parzelle Badstrasse 20 an engster Stelle. Laut Aussagen des beauftragten Architekten Franco Pinazza werde der Neubau um ein Geschoss aufgestockt, sodass sich die Traufhöhe den Häusern nebenan anpasse.

Die Badstrasse, oft als «kleine Zürcher Bahnhofstrasse» der Provinzstadt Baden bezeichnet, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt. Das «Gambrinus» ist verschwunden, das «Burger» dem Gebäude einer Grossbank gewichen. So verwundert es nicht, wenn das Ristorante Da Franco ebenfalls verschwinden wird. Eine Sanierung des Restaurants wäre unrealistisch, meint Franco Pallecchi. «Alles müsste erneuert werden: vom Lokal über die technischen Installationen bis zur gesamten Küche.»

Der Charme der Italienitá

Dennoch ist es immer noch der Charme der Innenstadt-Beiz mit ihrer toskanesischer Küche, der massgeblich für den Erfolg des Hauses verantwortlich ist. «Und vor allem meine langjährigen Mitarbeitenden», ergänzt «Franco» sofort. Denn der Abschied von ihnen werde ihm am meisten Mühe bereiten, wenn es dann soweit sei.