Baden
Die USA hört mit: Badener Firma zieht ihren Auftrag aus Syrien zurück

Die AOS Technologies aus Baden hatte die Bestellung einer syrischen Universität für eine Hochgeschwindigkeitskamera. Doch AOS verzichtete auf das Geschäft - der amerikanische Geheimdienst hörte den E-Mail-Verkehr zwischen der Schweiz und Syrien ab.

Barbara Vogt
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Der amerikanische Geheimdienst hörte den E-Mail-Verkehr zwischen der Schweiz und Syrien ab.

Der amerikanische Geheimdienst hörte den E-Mail-Verkehr zwischen der Schweiz und Syrien ab.

Keystone

2009 wollte eine syrische Universität bei der Firma AOS Technologies aus Baden eine Hochgeschwindigkeitskamera des Typus X-EMA («für extreme Umweltbedingungen») kaufen. Das Gerät ist sowohl zivil als auch militärisch für Fliessbänder, bei Raketentests oder in Kampfjets verwendbar. Auch Universitäten benutzen solche Kameras für Analysen und die Biomechanik.

Die Verhandlungen liefen im üblichen Rahmen, nach einigen Monaten bestellte die Universität die Kamera. Weil die AOS Technologies bei Aufträgen in gewisse Staaten sehr vorsichtig agiert, wandte sie sich vor dem Verkauf an die Exportkontrolle des Staatssekretariates für Wirtschaft (Seco).

«In heiklen Fällen tun wir dies immer», sagt AOS-Verwaltungsratspräsident Rudolf Hug. «Die Universität sagte uns ja nicht, für welchen Zweck sie die Kamera verwenden würde.»

Das Seco wusste jedoch längst Bescheid über die Bestellung aus Syrien und empfahl der AOS Technologies, die Kamera nicht zu liefern. Die Firma befolgte den Rat und stoppte den Deal. Rudolf Hug: «Schade um den Auftrag, doch bei uns kommt die Moral vor dem Umsatz.»

E-Mails durch NSA abgehört

Überrascht war die AOS dennoch, dass das Seco bereits von dem Auftrag gewusst hatte. Offenbar sei der E-Mail-Verkehr mit der syrischen Universität durch den Geheimdienst NSA abgehört worden: Anfang Juli 2009 hatte Aussenministerin Hillary Clinton die Berner US-Botschaft beauftragt, mit der Schweizer Regierung Kontakt aufzunehmen, Syrien suche eine AOS-Kamera für sein Raketenprogramm. Tage später ging dann die Meldung bei der Botschaft ein, der Deal sei gestoppt worden. Nicht ohne Stolz sagt Rudolf Hug, in Wikileaks-Dokumenten der amerikanischen Botschaft stehe, dass sich die AOS Technologies «kooperativ verhalten habe».

Auch wenn Rudolf Hug im ersten Moment erschrak, dass die E-Mails abgehört wurden, weiss er, wie einfach solche Abhörverfahren sind. «Ein E-Mail ist wie eine Postkarte, der Inhalt kann leicht gelesen werden. Deshalb predigt Hug immer wieder, es sollen nur unkritische Informationen in einem Mail stehen. Sensible Dokumente schickt Hug verschlüsselt. Der Code wird dann per SMS nachgeliefert.