Baden
Die versteckten Perlen der oberen Altstadt – wie geht es den «Lädeli» hinter dem Stadtturm?

Das Zentrum Badens wird immer mehr durch grosse Ladenketten beherrscht. Vielen Lädeli geht es zur Zeit nicht sehr gut. Dennoch gibt es nach wie vor spezielle Läden, die den Grosshändlern entgegentreten.

Dana Liechti und Rea Vogel (Text), Alex Spichale (Fotos)
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Wie geht es den «Lädeli» hinter dem Stadtturm?
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Fleisch aus dem Familienbetrieb «Wir merken schon etwas von der Baustelle, aber haben zum Glück eine gute Stammkundschaft. Die Mietpreise sind ‹gstört›, wäre das Haus nicht im Familienbesitz, gäbe es die Metzgerei nicht mehr. Das Ladensterben ist schade, die kleinen Lädeli machen den Mix aus. Hier müssten auch die Liegenschaftsbesitzer mitdenken und längerfristig planen», sagt Thomas Müller, der Besitzer der Metzgerei Müller.
Der etwas andere Schuhladen Gabriela Kräuchi, die seit vier Jahren den Schuhladen Pellina betreibt, sagt: «Es läuft ziemlich schlecht, es kommen nur noch die Kunden, die den Laden schon kennen. Leider habe ich im Moment zwei Baustellen rund ums Geschäft. Es gibt viele Leute, die gerne nach Baden kommen wegen der kleinen ‹Lädeli›. Aber jetzt ist die Attraktivität der Stadt in Gefahr. Ich hoffe, die Situation erholt sich wieder.»
Wo die Persönlichkeit im Zentrum steht «Das Geschäft befindet sich erst im Aufbau, aber ich bin zufrieden», sagt Doris Weber, die das «Tragbar» führt. «Klar beschäftigt mich das Ladensterben, aber ich denke nicht, dass es in der Verantwortung der Stadt liegt, sondern in den Händen der Ladenbesitzer. Die Stadt könnte aber mit tieferen Preisen für Schilder auf die Besitzer zukommen. Ich denke nicht, dass alle Läden verschwinden werden.»
Gesundheit steht hier an erster Stelle «Das Geschäft läuft nicht katastrophal, aber es ist nicht leicht. Der Einkaufstourismus in Deutschland spielt dabei eine grössere Rolle als die Baustelle. Würden die Zeitungen nicht negativ darüber berichten, würde das die Kunden nicht abschrecken, die Stadt ist trotzdem leicht zugänglich. Die Parkplätze der Tunnelgarage vermissen wir aber», meint Thomas Strasky, Besitzer der Schwanen Apotheke.
Hier werden alte Sohlen wieder wie neu «Es läuft nicht gut und es ist wegen der Baustelle schlimmer geworden, vor allem weil man nicht mehr in der Tunnelgarage parkieren kann. Meine Kundschaft sind ältere Leute. Die kommt aber jetzt auch seltener wegen der Erschütterungen der Baustelle. Vielleicht wird es danach besser. Jetzt muss ich abwarten», meint Gnanasekaran Sagathevan, seit neun Jahren Besitzer der Schuhmacherei am Cordulaplatz
Whisky und mehr – für Anspruchsvolle Peter Siegenthaler, Besitzer des «Cadenhead’s » sagt: «Mein Geschäft läuft sehr gut. Ich bin exklusiver Generalimporteur für die Whiskysorte Cadenhead’s in der Schweiz . Ich habe bewusst ein anderes Geschäftsmodell gewählt. Ladenbesitzer können selbst gegen das Ladensterben vorgehen. So führe ich seit Beginn einen Webshop. Damit spielt auch die Lage keine Rolle.»

Wie geht es den «Lädeli» hinter dem Stadtturm?

Alex Spichale

Vorletzte Woche haben einige Ladenbesitzer der unteren Altstadt über die Situation der Einzelhändler in Baden und das aktuelle Ladensterben gesprochen. Bei der Umfrage in der Halde und der Kronengasse zeichnete sich ein überraschend positives Bild ab: Viele der Ladenbesitzer in der unteren Altstadt sind zufrieden mit ihrem Geschäft, der Lage und dem Mietpreis für ihre Räumlichkeiten. Nun melden sich die Besitzer der kleinen Läden in der oberen Altstadt zu Wort.

Alle kämpfen für Baden

In der oberen Altstadt, der Rathausgasse wie auch in der Weiten, Mittleren und Oberen Gasse sieht die Situation ein wenig anders aus. Die Läden haben hier zu kämpfen. In diesem Teil der Stadt spüre man die Baustelle des Schulhausplatzes sehr deutlich. Besonders die Läden eingangs der Oberen Gasse haben es noch schwerer: Denn an der Stelle, wo die Weite Gasse zur Oberen oder Mittleren Gasse wird, befindet sich noch eine weitere Baustelle. Die Situation sei allerdings bereits schwieriger geworden, als die Schiefe Brücke geschlossen wurde, sagt einer der Ladenbesitzer. Zudem sind in diesem Teil der Stadt auch die Mieten höher, da die grossen Ladenketten die höheren Summen ohne Mühe bezahlen können.

Die kleinen Läden hingegen kämpfen mit den Mieten, die teilweise stark angestiegen sind. Trotz der momentan etwas schwierigen Situation denkt niemand ans Aufgeben. In diesem Punkt sind sich die Ladenbesitzer einig – sie alle lieben Baden und kämpfen, um ihren Platz in der von ihnen so geschätzten Stadt behalten zu können. So erzählt Madeleine Rauch, die das Atelier Rauch mit integriertem Bastelladen betreibt: «Es läuft im Moment nicht so gut, dennoch habe ich jeden Morgen wieder Freude, wenn ich diese Stadt sehe.»

Auch in einem weiteren Punkt stimmen die Ladenbesitzer miteinander überein. «Der Stadtturm ist wie eine Barriere», sagen die Betreiber der kleinen Geschäfte. Viele Leute würden nach Baden kommen und durch die Badstrasse bis zum Schlossbergplatz flanieren. Durch den Bogen in die obere Altstadt kämen dann allerdings bei weitem nicht alle.

Sie wollen durchhalten

Doch trotz weniger Kundschaft und vieler Baustellen schauen die meisten Ladenbesitzer positiv in die Zukunft. Durchhalten, lautet die Devise. Wenn der Schulhausplatz fertig gebaut sei, bessere es, so hoffen die meisten. Bis zu dessen Fertigstellung im Jahre 2017 dauert es allerdings noch eine Weile. Bis dahin hat sich jeder in der oberen Altstadt eine Überlebensstrategie zurechtgelegt. Und im Moment scheint jede davon zu funktionieren.