Eigentlich hätte am Montag, 9. März 2009, Urs Winzenried, Chef der Aargauer Kriminalpolizei, die Medien über den Fundort von Lucies Leiche informieren wollen. Die Fahndung nach ihrem mutmasslichen Mörder war in vollem Gange. Doch Daniel H. kam Winzenried zuvor.

Er hatte sich kurz vor der angemeldeten Pressekonferenz der Polizei in Zürich gestellt. Die Suche nach dem Mörder erübrigte sich. Die Suche nach Lucie hatte bereits fünf Tage zuvor begonnen.

Es kam keine Antwort mehr

Lucie verliess Pfäffikon am Tag ihres Verschwindens mit der Zielangabe Zürich. Am Zürcher Hauptbahnhof telefonierte sie noch. Ihre Spur verlor sich schliesslich in Baden. Dort soll sie als Letztes gesichtet worden sein. Dort telefonierte sie auch noch kurz mit einer Freundin. Dabei ging es um Fotoaufnahmen mit Schmuck. Lucie fragte ihre Freundin, ob sie nicht auch Interesse daran hätte. Doch diese verneinte. Dieses Telefonat sollte Lucies letztes Lebenszeichen bleiben.

Ihre Gasteltern versuchten, sie um 22.30 Uhr am Handy zu erreichen. Zwar klingelte es, aber niemand meldete sich. Auch auf verschiedene SMS kam keine Antwort. Die Gasteltern gaben daher gegen Mitternacht bei der Polizei eine Vermisstenmeldung auf. Denn normalerweise war das Au-pair zuverlässig und kam immer pünktlich um 22 Uhr nach Hause.

In den nächsten Tagen suchte die Polizei unter anderem mit Spürhunden nach dem Mädchen. Doch diese Spur endete bereits am Bahnhof Pfäffikon. Auch Lucies Eltern und Gasteltern liessen nichts unversucht. Sie organisierten am Samstag nach Lucies Verschwinden in Baden, Zürich und Fribourg grosse Suchaktionen. «Ich bin bereit und auf alles gefasst», sagte Lucies Mutter, Nicole Trezzini, damals. In Baden verteilten rund 20 Personen Flugblätter an Passanten und fragten, ob sie Lucie in den letzten Tagen gesehen hätten. Viele Reaktionen bekamen die Suchenden nicht. «Zwei Mädchen sagten uns aber, dass sie Lucie schon einmal gesehen haben. Leider konnten sie nicht genau sagen, wo das war», verkündete eine Bekannte der Familie nach der Suche in Baden.

Lucies Handy führte zum Mörder

Auch per Internet wurde nach Lucie Ausschau gehalten. Auf Facebook lieferten mehrere Gruppen den Angehörigen Hinweise. Man habe das Mädchen gesehen, wie es mit einem Unbekannten über Schmuckfotos gesprochen habe, hiess es beispielsweise. Die Reaktionen zeigten auch, dass Lucie wohl nicht das einzige junge Mädchen war, das von einem Unbekannten wegen Modeaufnahmen angesprochen worden war.

Letztendlich führte aber Lucies Handy zur Spur ihres Mörders. Denn Daniel H. hatte mit dem Handy des Au-pairs einen jungen Kollegen angerufen. Da dieser die Nummer nicht kannte, versuchte er mehrere Male, auf die unbekannte Handynummer zurückzurufen. Somit konnte die Polizei den 18-Jährigen eruieren. Als er zur Sache befragt wurde, konnte er beweisen, dass er Lucie nicht kannte. Während der Befragung erwähnte er aber einen Kollegen, der sich bei einem Telefonat eigenartig verhalten habe. Der erwähnte Kollege war der in Rieden bei Baden wohnhafte Daniel H. Die Sondereinheit Argus der Aargauer Kantonspolizei stürmte folglich die Dachwohnung des Tatverdächtigen. Dort fand man Lucies Leiche, aber nicht den Täter. Denn dieser stellte sich kurze Zeit später in Zürich der Polizei.