Der Stadtrat unterbreitet dem Einwohnerrat eine weitere «Langmatt»-Vorlage. Wohin es mit dem einzigartigen Wohnmuseum und seiner bedeutenden Kunstsammlung hingehen soll, ist zwar nach wie vor ungewiss. Klar ist nur dies: Die finanziellen Mittel der Stiftung sind zu klein, als dass sie Betrieb und Gebäudeunterhalt bei der heutigen finanziellen Unterstützung durch Stadt und Kanton längerfristig tragen könnte.

Die Zeit drängt, denn der bauliche Zustand der Liegenschaft bedarf einer umfassenden Sanierung. Eine solche allein würde rund 10 Mio. Franken kosten, womit den heutigen betrieblichen Bedürfnissen knapp Rechnung getragen würde. Wollte man die Langmatt als Wohnmuseum mit ihrer Ausstellung als Stätte der bildenden Künste für die Zukunft rüsten, würden gegen 20 Mio. Franken benötigt. Diese Investition käme angesichts des laufenden Projekts am Schulhausplatz (rund 50 Mio.), des Kurtheater-Umbaus (35 Mio.) und der geplanten Schulbauten (140 Mio. allein für Sekundarstufenzentrum und Pfaffechappe) zu einer ungünstigen Zeit.

Was ist in der Langmatt möglich?

Schon im Januar 2011 genehmigte der Einwohnerrat 200 000 Franken, um den historischen, ideellen und materiellen Wert sowie den baulichen Zustand der ganzen Liegenschaft zu prüfen. Die Erkenntnisse reichten dem Stadtrat für den Entscheid seines künftigen Engagements in der Langmatt nicht aus. Nun beantragt er dem Einwohnerrat weitere 200 000 Franken. Damit sollen eine Vision und die Machbarkeit ihrer Umsetzung erarbeitet werden. «Die Vision soll zeigen, wohin sich die Langmatt inhaltlich, betrieblich und baulich entwickelt. Der Stiftungsrat begrüsst den Antrag des Stadtrates», sagt Stiftungsratspräsident Lukas Breunig.

Für dringende bauliche Massnahmen bis 2020 soll der Einwohnerrat 645 700 Franken sprechen. Der Stadtrat will damit dem Wunsch der Stiftung nachkommen und sich knapp hälftig an den Gesamtkosten von 1,335 Mio. Franken beteiligen, davon gelten 680000 Franken als Instandstellung und Vorinvestition der Gesamtsanierung gelten. «Wir arbeiten mit der Stadt sehr gut und eng zusammen, damit wir die Zukunft der Langmatt langfristig sichern können», fügt Breunig an.

Die Langmatt ist in der heutigen Struktur nicht überlebensfähig, stellt Kunsthistoriker und Unternehmensberater Hans-Jörg Heusser in seinem Gutachten fest, hält aber fest, dass die Langmatt Potenzial habe und sich mit all ihren Teilen national und international etablieren könnte. Der Stadtrat wolle zusammen mit dem Stiftungsrat eine Strategie finden, erklärt Erich Obrist. «In die inhaltliche Diskussion müssen auch die ökonomischen Überlegungen einfliessen», fügt er an. Damit meint er die finanzielle Unterstützung von Regionsgemeinden, Kanton und von Bund. «Um den Turnaround zu schaffen, muss die Langmatt als Monument neu positioniert werden», sagt Obrist. Er denkt an einen vielfältigen Ort, wo auch Kooperationen mit dem Kunsthaus Aarau und den Galerien der Region wie städtischer Kunstraum, Galerie im Trudelhaus oder Gluri-SuterHuus in Wettingen stattfinden. Mit publikumswirksamen Anlässen hat der neue Langmatt-Direktor Markus Stegmann die Besucherzahlen im laufenden Jahr bereits deutlich gesteigert.

Die Langmatt hat hohe Priorität in den Legislaturzielen 2015–2018 des Stadtrates. Um diese zu erreichen, wird er sich sputen müssen. Laut Baugutachten von Castor Huser, Architekt und Spezialist für historische Bauten, kommt die Langmatt wenigstens aus baulicher Sicht bis 2020 über die Runden, sofern die nötigen Sanierungsmassnahmen erfolgen.