Baden
Die Wirtschaftsmittelschule blickt auf ihre 50-jährige Geschichte zurück

Die Wirtschaftsmittelschule wandelte sich innert 50 Jahren von der «Sekretärinnen-Schule» zur angesehenen Bildungsstätte. Vieles hat sich im Laufe der Zeit verändert doch etwas blieb konstant.

Rea Vogel
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Oben v. l.: Hans Rudolf Stauffacher, Rektor der Kantonsschule; Marco Hürsch und Gabi Fuhrimann, ehemalige Schüler; Benjamin Ruch, Moderator des Abends; Ursula Nohl, Leiterin der Wirtschaftsmittelschule. Unten v.l.: Shaun Jung, Schüler; Elisabeth Surbeck-Brugger und Alois Feltrin, ehemalige Lehrer.

Oben v. l.: Hans Rudolf Stauffacher, Rektor der Kantonsschule; Marco Hürsch und Gabi Fuhrimann, ehemalige Schüler; Benjamin Ruch, Moderator des Abends; Ursula Nohl, Leiterin der Wirtschaftsmittelschule. Unten v.l.: Shaun Jung, Schüler; Elisabeth Surbeck-Brugger und Alois Feltrin, ehemalige Lehrer.

«Ich stellte einen Antrag für einen Hellraumprojektor. Dieser wurde jedoch abgelehnt mit der Begründung, ein guter Lehrer brauche so etwas nicht», sagte Alois Feltrin, der von 1974 bis 2002 an der Kantonsschule Baden unterrichtete.

Mit solchen Anekdoten blickte vergangene Woche das «Handeli» – wie die heutige Wirtschaftsmittelschule (WMS) noch immer liebevoll genannt wird – auf seine 50-jährige Geschichte zurück. Neben Alois Feltrin berichteten zudem andere Personen von ihren Erfahrungen an dieser Schule. Darunter auch Elisabeth Surbeck-Brugger, die 1969 als eine der ersten weiblichen Lehrkräfte in den Dienst des «Handeli» trat. «Ich hätte noch ein anderes Angebot von einer Schule in Zürich gehabt. Aber ich wäre vertraglich dazu verpflichtet gewesen, kinderlos zu bleiben», sagte die ehemalige Lehrerin.

Tatsächlich gab es einige Veränderungen in der Geschichte der WMS: So hantierten die Schüler des «Handeli» noch im Jahre 1974 mit den Rechenschiebern. Die ersten Taschenrechner, die kurz darauf folgten, kosteten rund 600 Franken. Heute kommen die Schüler mit Laptops und Tablets in den Unterricht. Die technische Revolution sei mit Abstand die grösste Veränderung, die stattgefunden habe, sagte Feltrin, der als Schulleiter die Stundenpläne für Mädchen und Knaben vereinheitlichte.

Die «Sekretärinnen-Schule»

Am 11. Oktober 1960 rief der Grosse Rat die Handelsschule, integriert in die Kantonsschule, ins Leben. Ihren Betrieb nahm sie im Jahr 1965/66 auf. Das «Handeli» war damals auf eine spätere Tätigkeit in einem kaufmännischen Beruf, vornehmlich Sekretärin, ausgerichtet. So schloss 1968 die erste Klasse die Ausbildung ab – diese bestand aus elf Frauen und einem Mann. Zum damaligen Zeitpunkt galt das «Handeli» als «Sekretärinnen-Schule», die nur Frauen besuchten. Diesen Ruf konnte die WMS mittlerweile revidieren. Heute seien rund zwei Drittel der Wirtschaftsmittelschüler Männer, sagte Hans Rudolf Stauffacher, Rektor der Kantonsschule, in seiner Begrüssungsrede. Zudem seien die Ausbildungsmöglichkeiten vielfältiger als früher. Auch die Umgangsformen haben sich im Laufe der Zeit verändert. «Als ich an der Schule unterrichtete, standen die Schüler auf und grüssten mich, wenn ich den Klassenraum betrat», sagte Elisabeth Surbeck-Brugger und fügte an: «Heute ist die Schule offener und freier.»

Die Berufswelt steht im Zentrum

Eine Konstante zieht sich allerdings durch die gesamte Geschichte des «Handeli»: Im Zentrum steht die Berufswelt. So müssen die Schüler Praktika absolvieren und im dritten Jahr eine Firma gründen und führen. Die diesjährigen Projekte waren in der Aula mit Ständen vertreten. Die drei Schülerinnen Teresa Nguyen, Florence Weber und Sibel Ajtanc gründeten beispielsweise die Firma Bagtory, mit der sie Fair-Trade-Handtaschen verkaufen.

Auch Regierungsrat Alex Hürzeler, Vorsteher des Departements Bildung, Sport und Kultur, hatte lobende Worte für die Schule: «Mit den breit gefächerten Kompetenzen stehen den Schülern alle Türen offen.» Bereichert wurde der Anlass durch musikalische Beiträge der für diesen Anlass gegründeten Schülerband.