Nino B. (Name geändert) wohnt in einer Kellerwohnung. Das Tageslicht bekommt der Mittvierziger darin kaum zu sehen. Sein grösster Wunsch: eine hellere Bleibe mit einem kleinen Balkon. Nach einer solchen Wohnung hat Nino B. immer wieder gesucht – doch stets Absagen erhalten. Zu viele Einträge sind in seinem Betreibungsregister notiert, zu instabil ist seine berufliche Situation.

So wie Nino B. ergeht es vielen anderen: Menschen, die gesellschaftlich schlecht integriert oder finanziell belastet sind, haben es oft schwer, eine passende Wohnung zu finden. Aus diesem Grund hat das Christliche Sozialwerk Hope in Baden eine Beratungsstelle für Wohnfragen BWF eingerichtet. Sie arbeitet eng mit Ämtern, Verwaltungen und Institutionen zusammen. Sie berät, begleitet, vermittelt und unterstützt Personen an der Armutsgrenze bei der Suche nach einer geeigneten Wohnung.

«Seit ich im Jahr 2013 als Diakon bei ‹Hope› eingestiegen bin, ist die Wohnungssuche bei unseren Besuchern ein wiederkehrendes Thema», sagt Stephan Grossenbacher und fügt an: «Wir haben bemerkt, dass es für sie eine grosse Herausforderung darstellt.» Im letzten Jahr packten er und Geschäftsführerin Daniela Fleischmann die Gelegenheit beim Schopf: Sie sassen zusammen und erarbeiteten das Projekt BWF.

«Wir möchten unsere Besucher so unterstützen, dass möglichst viele von ihnen einen Mietvertrag unterschreiben können», sagt Grossenbacher. So, wie es das Beratungsteam bei Nino B. getan hat: Nachdem er das «Hope» aufgesucht hatte, nahm Diakon Grossenbacher Kontakt mit verschiedenen Vermietern auf. Er suchte das Gespräch und schilderte die Anliegen seines Klienten. Einer war letztlich bereit, eine Wohnung zu vermieten. «Im Oktober kann Nino B., der übrigens eine Zeitlang auch auf der Gasse war, einziehen», sagt Grossenbacher erfreut.

Berührungsängste abbauen

Wie das Beispiel von Nino B. zeigt, unterstützen die «Hope»-Mitarbeiter nicht nur die Klienten selbst, sondern betreiben auch Lobbying. «Es ist genauso wichtig, den Vermietern die Situation von solchen Menschen näherzubringen», sagt Grossenbacher. Denn oftmals seien nicht das fehlende Geld oder die Einträge im Betreibungsregister das Problem. «Häufig haben Vermieter Berührungsängste. Hinzu kommt, dass sie nur schlecht abschätzen können, wie es sich auswirkt, wenn armutsgefährdete Personen in ein Wohnhaus einziehen», sagt er. Tatsächlich geschehe es dann auch, dass man bei den Liegenschaftsverantwortlichen ein Bewusstsein schaffen kann.

Dem «Hope»-Team ist klar, dass das Betreiben einer Beratungsstelle für Wohnfragen nicht einfach ist: «Das Thema ist sehr weitreichend. Wir wollen es aber trotzdem versuchen.» Ein zusätzlicher Arbeitsplatz wurde nicht geschaffen: Einige «Hope»-Mitarbeiter, die der Sozialen Arbeit angegliedert sind, haben ihr Pensum aufgestockt, um insgesamt 30 Prozent. «Falls sich das Projekt als erfolgreich erweist, können wir uns durchaus vorstellen, weitere Prozente hinzuzufügen.»

Gassenleute zahlen Unkostenbeitrag

Das Projekt läuft noch bis Ende 2017. Bis dahin garantiert der Swisslos-Fonds des Kantons Aargau die Anschubfinanzierung. «Zur weiteren Deckung des Defizits sind wir auf Spenden angewiesen», sagt der Diakon. Für Klienten kostet eine Stunde Beratung 60 Franken. Besuchern, die keine Sozialhilfe beziehen – etwa Gassenleute –, wird ein Unkostenbeitrag eingezogen. «Verrechnet werden jedoch nur geleistete Stunden. Eine Garantie, dass wir eine geeignete Wohnlösung finden, übernehmen wir nicht», fügt er an. Es sei bereits vorgekommen, dass man vom Sozialamt eine Kostengutsprache erhalten habe, die Beratung dann nicht mehr weiterging, weil man vom Klienten nichts mehr hörte. In solchen Fällen wartet man, bis sich die Person meldet: «Wir greifen den Leuten zwar unter die Arme, möchten aber, dass sie selber aktiv werden.»

Vor zwei Monaten hat die Beratungsstelle ihre Arbeit aufgenommen, seither konnte «Hope» sechs Menschen bei der Wohnungssuche helfen. Die Rückmeldungen seien positiv: «Die Klienten sind froh, dass sie zu uns kommen können.» Auch die Institutionen würden es begrüssen, dass es in der Region nun eine Stelle für Wohnfragen gibt. Stephan Grossenbachers Wunsch ist es, die Beratungsstelle auch nach Projektende weiterzuführen.